Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720623
108 
Cornelius, 
Peter, 
Bitter 
eher die Schrift sagt, es sei unmöglich, von hinnen hinüber oder 
von dannen herüber zu fahren. 
Nun ergibt sich denn auch die natürliche Theilung des Raumes, 
Wornacli auf der rechten Seite des Erlösers das Eingehen zum llini- 
melreich, auf der Linlien das Hinabfuhren in die Hülle dargestellt 
ist. In Gruppen und Iieiheii werdenhdie Frommen von _Eiigelu 
und Schutzgcistern eniporgeleitet, Ilonige und Bettler, Greise und 
Jünglinge, Helden und Personen anderer Stände. VVirliliche hi- 
storische Personen sind nicht eingeführt, sondern nur symbolische 
Charuistcre, als lteytiriisenttinten der ganzen Gattung. Nur Dante, 
der eigentliche Schoptm dieser firt von Darstellung, der dein Künst- 
ler eine Menge Ideen lieferte, schwebt hier init Beatrice in hü- 
here Räume, aber nicht G0theßin_ tieferem Kreise, den Einige zu 
erkennen glaubten. Auch der königliche Dichter, der das Bild und, 
die Iiirche gestiftet, leicht erkennbar an den bedeutsamen Ziigen, 
folgt seinen leitenden Engeln. Cornelius folgte hierin den älteren 
lYleistern, die ihre besonderen Gönner oder den Donator in die Ge- 
mälde einführten. 
Auf der andern Seite, wo die entgegengesetzte. Bewegung von 
oben nach unten stattfindet, gibt sich der vergebliche YVidei-staiiil 
der Verdmiiniten zu erkennen, wie sie von strafeiiden Engeln aus 
der schon erlalimmten Höhe herabgeschleudert, von peinigenilen 
Dämonen ergriffen, umfasst und hinabgezogen werden. Tiefer uii- 
ten hat der Künstler, iin Gegeusatze mit dem thrunenileu Erlöser, 
den Herrschersitz des Satans, diesen selbst mit hohnlachenilei" 
Verzweiflung die Reste seines Reiches iiherschaueud, von den 
Todsünden umringt und zu Fussschenieln die Häupter des Juilas und 
Segesfs, des Verriithers deutscher Freiheit, dargestellt. Iiii unter- 
sten Raume zeigt sich hier die Strafe und Trennung der durch 
fleischliche Sünde auf Erden Vereinigten, während auf der andern 
Seite die VViedervereinigung reiner Liebe, die auf Erden durch 
den Tod getrennt worden war, und ihre Einsegnuug durch den 
En cl hervortritt. 
iuch in dieser grossartigen Compusitiou spricht sich das Gefühl 
hoher Klarheit aus, unter deren Gesetz die ungeheure lkifel mit 
ihren Figuren, Gruppen und Scenen steht. Die Grundidee tritt 
unmittelbar durch die drei grossen Gestalten der Mittellinie hervor, 
welche die Majestät, die Ileiliglieit und Allmacht des Weltrichtebs 
vergegenwärtigen. Zu beiden Seiten ordnen sich die Radien des 
Guten und des Bösen in der Scheidung, welche durch das lßrurt 
der Schrift und den Lehrsatz der Iiirche ausgesprochen ist, Bei 
aller Iilarheit herrscht dennoch wwjchlbereclinctc Fülle und Bewe- 
gung, die sich zumal in dem naturhehen Gegensatze beider Hiilf- 
ten , in der hier nach oben, dort nach unten ziehenden Richtung, 
iii den heiteren Reihen lllldv ungezwungenen (Jruppen der Engel 
und Seeligen, dem dichten (Jewuninel, in den vei-zweilelteii Ge- 
herden und letzten Anstrengungen der Verdaniinten und ihrem ver- 
geblichen Anstreben gegen den Himniel und truclitlosen Iiampt mit 
den Dämonen, in dem Tliroiien der (Jerechteuaut den Stühlen der 
äleppgqhkeit und in dein tiefen und graueiihalten Sitze des Königs 
er insterniss aus ira  
Die kühnen Gestlaltän der Verdaminniss, ihre Wendungen und 
Verschliiiguiigen erinnern an den grosseii FlorentinernMichel  
gelo, und in der lieblichen Auffassung in dem Yerlilurten Reigen 
der Himmlischen ist" ein Anklang an Angeliedda Ficsole, aber keine 
Nachahmung. Der originelle Geist des lYIeisters waltet in einem 
ganzen Cyelus neuer Scenen, besonders in der colossaleii Trias 
der Mittellinie. In der Haltung und im Ausdruck des weltrichten-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.