Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720602
106 
Cornelins , 
Peter, 
Ritter 
gesinnten Nachfolger gewisserrnassen das Bekenntniss einer ins Un- 
endliche Wachsenden Verehrung. Uebervvunden von der Gewalt der 
Naturwirkungen, die unter erschütternden Schlägen dem Hingange 
Christi folgten, wird der Hauptmann ausdrücklich denjenigen bei- 
geziihlt, die ihre Sinueswzeriintlcrung mit den Worten bezeichnen: 
VVahrlicli, dieser ist Gottes Sohn gewesen! Darauf Ziel; die Dar- 
stellung unverkennbar hin. Die Verlegung des Spiitern in eine 
frühere Zeit, in die Gcgenwvart des dahinscheidendeu Erlösers, ist 
an ihrer Stelle und im Zusammenhange vollkommen gerechtfertigt 
durch sich selbst- 
In Longinus schildert die Legende die unwiderstehliche Gewalt 
des Christenthums in aller Frische der augenblicklichen Entwick- 
lung, und so hat auch der Künstler in der Gestalt desselben den 
Endpunkt des möglichen Fortschrittes passend bezeichnet.  
 Meisterhaft, eine der allerbesten der ganzen Darstellung, ist die 
Chriralsterscliilderung der beiden neben Christus gekreuzigten LVIiS- 
setliiiter. DerSchiicher zur Rechten des Beschauers vier-sinnliche]; die 
Brutalität der Versunkenheit in dem Abschaume einer wildzerrissenen 
Mimik, und der lluchluse über seinem Haupte ist ein teuflisches 
Prachtstück, für sich genommen nicht laut genug zu preisen. Aber 
auch der Engel, der sich gegenüber aus den Räumen des Himmels 
zu dem gläubigen Schiichcr herabneigt, ist seiner Abkunft würdig. 
Eine nngemeine Gewalt des Ausdruckes leuchtet aus den Zügeu 
des bekehrten und von Christus seliggesprochenen Sünders. Him- 
mel und Erde spiegeln sich in seinen Augen, jener in dem geko- 
steten Labsale der Verlieissung, diesclin dem Bewusstäyn der 
schweren Schuld. Denn während der B ick des erhiirten laubcns 
geradeausstrebend sich an dem Erlöser nicht siittigen kann, als 
wolle er an und mit ihm zu den Pforten des geöffneten Paradieses 
emporschwveben, deckt im Gegensatze das unsägliche Lechzen nach 
dem Heile der Zukunft in den Spuren eines gewaltsamen Verlan- 
gens die Versunkenheit des frühem Lebens auf. 
Den Mittelpunkt der verschiedensten Beziehungen bildet der Er- 
löser am Kreuze. Hier hatte der Künstler mit dem höchsten Ge- 
genstande der christlichen Moral zu thun. Er verdient volle Au- 
erkennung in seinem unverkennbaren Streben, jedes Unsehöne 
möglichst zu entfernen, und den Eindruck zu reinigen von der 
Uebermacht schmerzhafter VVahi-lieit, ulorin der Gefühlsdrang der 
alten Maler häufig den materiellen Beimischtingen des Leidens mehr 
eingeräumt hat, als die Ansprüche geistiger Rührung vcrstatten, 
wenigstens nach dem Sinne unserer anders denkenden und empfin- 
denden Zeit. Der Künstler beabsichtigte _clie edelsten Formen; im 
Ausdrucke ist geistige Iilarheit und sittliche "tViii-de, aber nicht 
jene Weihe des Religiösen, worin (Jottliehes und Menschliches 
geheimnissvoll zusammentallt._Allein es Ware llllbyllllg, von CM- 
nglius, so hoch er mit Recht in der Achtung der hunstwelt steht, 
die befriedigende Ertullung einer Anforderung zu Yerlangen, die 
völlig über das gesammte Vermogen unserer Tage hinauszureichen 
scheint. Es ist ja selbst Overbeck bei aller Innigkeit des religiö- 
sen Gefühls noch nicht ganz gelungen, der Darstellung eines 
Christus zu enii en. 
Dier glänzeitlsttiglllorzng der Cnmposition ist ihre historische Fülle 
und Klarheit, Man kann von ihr sagen, dass darin die künstle- 
rische Einsicht des Jahrhundert auf das Vertheilhafteste hervor- 
leußhtet- Eine eigenthiimliche Stärke bßSitlt der Künstler in der 
Deutlichkeit des Vortrages und dem Nachdruck der Bestimmtheit, 
womit er in die Einzelnheiten eingehbund sie dem jedesmaligen 
Charakter zubildet und unterwvirft. Die Darstellung der lireuzi-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.