Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720579
Cornelius , 
Peter , 
Bitter 
VOII. 
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das Reich des Herrn. Am Fusse des Kreuzes oFfenbaret sich der 
Glaube in gen Freunden und Jiingern Christi, die Gemeinde des 
Erlösers; a er Unvlauben, Hohn S ott Gleichviiltiekeit in den 
Saddueäern, Pharisl-iiern und Riimerfi, drie lVlissachtuiiig diir göttlichen 
Lehren, die Gewalt der Sünde symbolisch bezeichnend, deren 
lieinl mit der Kreuzigung noch nicht vertilgt ist. Sie hält den Ver- 
stochten zur Linken des Heilandes in der Gestalt des Ruchlosen 
noch gefangen, gegen ihre Gewalt dauert der liampfjn ferne un- 
bestimmte Zeiten und im vollendeten Siege über dieselbe liegt das 
Ende des irdischen verborgen und der Eingang in das Reich des 
ewigen Lichtes. Die beiden symbolischen Gestalten des Engels 
und des Teufels deuten auf das Weltgericht, den Triumph des 
Guten über die Macht des Bösen, die endliche Vernichtung der 
Herrschaft der Finsterniss durch das Lieht, welches uns aufgegan? 
en mit dem Kreuze. 
g Um das Kreuz gedrängt stehen die Frauen und im bittersteil 
Schmerz die Mutter Christi; Mawdalena kniet, vom Schuldbe- 
wusstsein xiiedergesvorfen, am Iireiixz und Johannesisteht in from- 
mer edler Dahingebung in den letzten VVillen des Meisters. Links 
von ihnen sind die jüdischen Spötter, rechts die uiigliiubigen Bö- 
mer und an beide Gruppen schliessen sich zuletzt Freunde Christi 
oder Bekehrte an, so dass in diesen Gruppen die drei grossen Be- 
ziehungen der damaligen Dflenscheit zu Christo ausgesprochen sind, 
die Gemeinde der Heiligen, die berufenen Heiden und die verwor- 
fenen Juden. Indess sind die zwei letzten Beziehun ren noch weiter 
ausgeführt in den zwei vorderen Gruppen, in denen Siiott und Gleich- 
giiltigheit zu Hohn und Frevelmuth, wie zu Gefühllosigkeit sich 
steigern. 
Mit auf dem Rücken liegenden Händen und halt aufgeworfenem 
Iiople fragt einer der Saddticiier mit aller Herzlosigkeit eines Got- 
tesliiugners den Gehreuzigten um seine himmlische Abhunft. Rechts 
wiirfeln die liriegslsnechte um die Iileider Christi, völli verloren 
in den Gedanken des Spiels. Neben beiden steht ein wohiigestalteter 
Jüngling, dessen Haltung und Ausdruck zwar ebenfalls sichtbar be- 
weisen, dass er die Frage der Gliiehswiirfel zu seinen Fiissen mit den 
Augen des verschlossenen Böniersinns abwägt, wobei er aber zu- 
gleich Spuren einer edlern Ablaunft verräth, die aus der gegemviir- 
tigen Enge seines Bewusstseins auf die Möglichkeit einer spätem 
Erleuchtung hinweisen. Diesen Reiz dcs Scheins hat Cornelius 
mit oder ohne Absicht in den Standpunkt gelegt, von welchem aus 
der Jüngling wie ein dunkler Genius seines Volkes, oder wie ein 
idealer, in sich wwrseukter Zuschauer, auf die bedeutungsvolle Loo- 
sung hcrabbliclat. Eine Gruppe, von drei Iiguren dergestalt zu 
ordnen, dass die Yerbindung zwischen zweien durch die dritte eine 
wesentliche Erweiterung erhält, gewissermassen eine Aussicht ins 
Unbegriinzte, das 1st eine von den geistreichen Seiten des Meisters, 
die er auch bei seinen Saddixciierxl mit ausnehlnendem Glück be- 
obachtet hat.  
VVir haben unter dem Kreuze in triiber Ahgelegenheit die römi- 
Sßhß Weltiviege gesehen, aus welcher im Laufe der Jahrhunderte 
das Christenthnm mit Chernbsflugeltl stegreichuuber die Erde zog; 
110611 herrscht unter den Anbetern der alten Gotter und der neuen 
Ciisarn dichte Finsterniss. Das blinde Fatuin scheint die Kriegs- 
knechte ausgewählt zu haben, um durch das Fallen ihrer Loose 
die Ewigkeit seiner Herrschaft zu verkünden, während das verspot- 
tete SymbcLl dies Iireuzes die Zeit seines nahen unaufhaltsamen. 
Sturzes an ün i et. 
In demselben iVlasse als die heidnischen Gestalten höher und dem
        

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