Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720553
Cornelius , 
Peter, 
VOII. 
Bitter 
101 
rauchenden Tiimmern der Burg untergehenden Königsfamilie und 
der Eroberung der Stadt. Vorn zwischen den brechenden Säulen 
des Iiönigsschlosses liegt Priamus todt niedergesunken, gelehnt an 
die Leiche seines Sohnes Polites, das Schwert ltrampfhaft fassend. 
Beide hat der wilde Neoptolemus getiidtet und so eben hat er auch 
den lileinen Astianax aus den Armen der ohnmächtig zuriiclisinlien- 
den Andromache gerissen, um ihn iiber die Mauer hinabzuschleu- 
dern. Die herrliche Gruppe in der Mitte ist das Bild des Grauens 
und der Verzweiflung. llier sitzt Heliuba, gleich dem Felsen, an 
den sich nach Virgil ihre 'I'öchter, wie Tauben in Sturmeszeit 
fliichten, voll Sehen , Schrecken und Angst. Ihre Ziige hat lialte 
Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erstarrt, sie erwartet weder 
göttliche noch menschliche Hiilfe mehr, sie ist ein zu Stein ge- 
wordenes Frauenhild. Ihre Töchter zittern jungfräulich vor dem 
Anblick der Sieger und wehmiithig fleht zu Menelaus aufblickend, 
Polyxena, die der Held an der Schulter berührt. In seinem Ge- 
niiithe herrscht aber Unruhe, denn er sucht die, welche all das 
Ungliich veranlasste, die Helena, welche ganz nahe bei ihm mit 
aufgelilstem, reizvoll um Schultern und Arm sich ringelndein Haare, 
in tiefem Schmerz 011 der Stittlß lehnt. 
Uebcr alle diese Gruppen herrscht eine grossartige Frauengestalt, 
Cassandra, die Seherin, die allein aufrecht gebliebene Iiönigstoch- 
ter, welche den Fluch iiher das Haus der Atrirlcn anspricht" und 
vergebens will sie Agnniemnon hindern, die Schicltsals-Vvurte zu 
verkünden. In diesen Gruppen hat der Iiiiustler alle Schreckens- 
zustiinde des menschlichen Lebens dargestellt: Furcht, Schrecken, 
Angst, Ohnmacht und Tod, um in grossen Ziigen das Schicksal 
des liiinigs Priamus und seines Hauses zu schildern. Ueber alles 
ragt der Iiopf des unhcilschwwzmgern Pferdes herüber. 
Die zwei Episoden rechts und links der Hauptscene sind der Chor 
der griechischen Tragödie. Auf der einen Seite ziehen die andern 
griechischen Helden das Loos um die Beute. Der alte Nester hält 
den Helm mitden Loosen. Ulysses zieht eben das seinige und An- 
tilochus und die andern warten mit Ungeduld, bis die Reihe sie 
trifft. Auf der andern Seite triigt Aeneas seinen Vater Anchises mit 
den Penaten durch Bauch und Flammen aus der Burg. Der kleine 
Ashan trägt mit Mühe des Vaters Helm und schaut wehmiithig nach 
dem zerfallenden Königshaus. 
Die Ausinalung dieses Saales ward 1825 begonnen und 1850 ge- 
endiget. Die Ausführung der drei Hauptgemälrle verdanken wir 
Cornelius in Verbindung mit Schl0tthauei' und Zimmermann. Im 
Angesichte des Bildes der Zerstörung Trojas erhielt der Iiiinstler 
1826 vom Könige denCivilvrei-dienst-Orden der bayerischen Krone. 
Im Friihsommer des Jahres 1830 hatte Cornelius seine Arbeiten 
fiir die Glyptothek heexldigßt, und nun ging er an die Ausführung 
der Cartons mit Darstellungen aus dem Gebiete der göttlichen Of- 
fenbarung, die in der neuen Ludwigslsirche al frescu gemalt wer- 
den. Iiönig Ludwig, der unserm Iiiiustler Gelegenheit i'm-schaffte 
seinen Namen zu verewigen, wie dieses seit lVlichel-Angelu und 
Rafael keinem mehr in dieser Ausdehnung zu Theil geworden, 
fasste nämlich den Gedanken, ein christliches Epos in Bildern dar- 
zustellen und er gründete zu diesem Zwecke eine eigene Iiirche. 
Hier fasste der Iiiinstleu den Inhalt des allgemeinen christlichen 
Glaubensbekenutnisses in wenigen Hauptmomenten zusammen. Iin 
Gewölbe über dem Iireuz erscheint Gott als Schöpfer und Erhalter 
der Welt und in drei Nischen des Chores und des Quer-Schiffes die 
Menschwerdung Christi, sein Tod und das VVeltgericht. Im Chor- 
gewölbe wird die Gemeinschaft der Heiligen durch den heiligen
        

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