Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720504
Cornelixls , 
Peter, 
VOII. 
Bitter 
sich diejenigen, die durch Glauben und Selbstverläugniing zur 
Schmiung des Göttlichen geschickt, und hoher Erkenntnisse, Ge- 
sichtc und Offenbarungen gewiirdiget worden sind: Benedikt von 
Nursia, Pioinuald, Franz von Assisi und Dominikus. 
Die Scene des sechsten Blattes ist auf der achten Hiinmelssphi-ire, 
den Zwillingen. Hier wo der Dichter in einer unübersehbaren 
Schaar von Lichtern die triuinphirenile Kirche gewahrt, treten ihm 
die drei Lieblingsjiinger des Erlösers entgegen, welche ihm eine 
Prüfung der drei theologischen Tugenden auflegen: Petrus, dann 
Jaliobus und zuletzt Johannes. Der Künstler hat diese Apostel ne- 
beii einander sitzend dargestellt, ihnen gegenüber Dante von ßea- 
tricens rechtem Arm umschlungen, und durch ihren lächelnden An- 
blick zum Bestehen der Prüfung gestärkt. 
Das siebente Blatt, wie die beiden folgenden gehören dem höCl-l- 
sten Himmel, dem Einpyreum an. Aus der unermesslichen Anzahl 
von Wesen, welche die unter dem Bilde der weissen Rose Inaje- 
stiitisch beschriebene Iliininelsversaiiimlung bilden, hebt der I-iümt- 
ler zuerst die Gestalten von Adam und Stephanus hervgy, weil 
jener den Tod als Sold der Siinde, dieser ihn als eine Geburt 1,11111 
höhern Leben in der Bluttaufe empfing. Ihnen gegenüber ist Mo- 
ses mit den Gesetztnfcln und Paulus mit dem Schwerte, der Chri- 
stus des Gesetzes Ende nennt. Siinde, Gesetz- und Gnade sindliier 
nach ihrem historischen Entvviclilungsgange im Leben der Mensch- 
heit aufgefasst. 
Auf dem achten Blatte sind drei andere Mitglieder des empy- 
reischen Himmels dargestellt, die gleichfalls durch eine geniale 
Combin "ion des Künstlers die Idee des göttlichen Rechtes von ci- 
einer neuen Seite liund geben. VVie nämlich auf der vorigen Ta- 
fel mehr die universelle, weltgeschiehtliche Entvriclilung des gött- 
lichen Bathschlusses, den der erste und zweite Adam repräsentircn, 
umfasst wird, so hier im engcrn Kreise die Anstalt der Kirche, 
des letzten Gliedes, aber auch des wiollendeten, in der Reihe gott- 
licher Ordnungen. Johannes der Täufer, der Repräsentant dei- alt- 
testamentarischen Glaubensweise und Bussgesinnung sitzt hier im 
ltamcelhärenen Iileide und spricht in Angesicht und Gestalt den 
Geist seiner Predigt und seines VVandels aus, so wie er mit der 
Hand enipordentet auf den Bräutigam, mit welchem ihm die Stunde 
seines Abtretens geschlagen hat. Dein Johannes gegenüber 51m1; 
Augustinus von Hippo, der Griinder des theologischen Svstems, 
schreibend, den Ernst tiefer Speculation und hoher GCSlUDlJDzr in 
seinen Gesichtszügen. Rückwärts von ihm sieht man Grcgorhden 
Grossen, der die iiussere Gestalt der mittelalterlichen Kir-ehe ver- 
tritt, so wie Augustin den innern geistigen Iiern. 
Das neunte Blatt enthält im ovalen Felde die Darstellung der 
höchsten Anschauungen, womit der Besuch des Dichters im Para- 
diese und zugleich das Gedicht selber scliliesst. Rechts kniet Dante 
in betendcr Erhebung" der Hände, links St. Bernhard von Clair- 
vaux, der in diesen liochsten Buuinen finstatt Beatricens den Dich- 
Qter begleitet. In einem Ring von gefliigelteil Engelliöpfen gefasst 
kniet die im Anschauen der Dreieiniglieitseligc Madonna, auf wel- 
che Dante mit gespannter Aufmerksamkeit blickt, während Bem- 
hard das Haupt senkt.   
Die Arbeiten im Hause Bartholdy und die grossartigen Composi- 
tioneu der Villa Massimi waren es, die den Kronprinzen von 
Bayern bestimmten, diese edle Malerei wieder nach München zil 
verpflanzen, und Ludwig erwählte in Cornelius den Mann, der 
seine grossai-tigen Gedanken realisii-en sollte. Qen liünstler beschäf- 
tigte schon lange Zeit die Idee, einen Cyclus solcher Götter- und
        

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