Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1714322
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B05: 
Bosch 
und 
Bosco , 
auch 
Hieronymus. 
doch in seinem Werke viel von ihm spricht. Siguenza theilt seine 
Werke in drei Klassen. Zuerst sind die Gegenstände der Andacht, 
historische Schilderungen aus dein Leben und Leiden Christi zu 
nennen. Hier findet man zwar keine jener phantastisch monströ- 
sen' Gestaltungen, allein der Geist des liiinstlers zeigt sich (lßIInUCll 
in der rauben, hässlichen Bildung der Satelliten, unter denen überall 
ein affeniihnlich geformtes Wesen hervorblickt, und in dem Ge- 
präge der wildesten Leidenschaft, welche sich in den Antlitzen und 
Bewegungen der Schriltgelelirten und Pharisäer ausdrückt. Dann 
folgt die Reihe der Gemälde, in denen die Verfiihruii en des höl- 
lischen Geistes und die Qualen der Hölle selbst geschildert sind. 
Hieher gehören die oft wiederholten Versuchungen des heil. Anto- 
nius und die Darstellungen der Hölle nach lieidnisehem oder clirist- 
lichen Begrilf, wo das Schrecken durch sclienggliche Gestalten dei- 
Drachen und Chiiiiären aller Art aufgeregt wird. Zuletzt sind noch 
die symbolisch mysteriösen Gegenstände, wo Bosch die 'l'hoi-lieiten 
und Laster der Menschen mit leichtem Pinsel schwer ziichtigte, 
das innere Getriebe verworfener menschlicher Leidenschaften an 
den Tag förderte, und in ergreifenden Schilderungen tiefe Lehren 
ab. Mehrere Iiirchen in Ilerzogenbuseh waren mit seinen Gemäl- 
äen geziert. So rühmt van Mander insbesondere eine Flucht der 
Jungfrau nach Aßgypten,_wo der heil. Joseph von einem Land- 
 niann den Weg erfragt, in dem Illlllcfgflllltle ein steiler Felsen, 
und an dessen Spitze eine Schenke, _vor welcher eine Anzahl von 
Leuten aus dem Volke dem Tänze eines Löwen zusieht. Auf ei- 
neni andern dieser Gemälde schilderte Bosch die Hölle, aus wel- 
cher der Heiland die Pviltlililfliillßll befreit; den Judas aber ziehen, 
die höllischen Geister beim Scliopfe aus dem Feuer, um ihn an 
der Luft aufzuhängen. 
Unter den im Escurial befindlichen Gemälden stellt eines die drei 
Momente dar, wo der Mensch zuerst geschaffen worden, dann in 
thierische Lasterhaftigkeit gesunken ist, und zuletzt den Ausgang 
seines schrecklichen Schicksals erreicht. Ein anderes hat den Wahl- 
spruch: Onmis _caro foenum. Ein hier mit sieben abentheuerlich 
gestalteten Bestien bespaniiter I-Ieuwagen führt als Ueberfracht 
noch singende und spielende Weiber, und unter ihnen die 
posaunende Fama mit sich. Menschliche Wesen aller Art und je- 
den Alters mühen sich ringsum, das Symbol weltlicher Lust mit- 
telst Leitern und Hacken zu erklimmen, während andere, schon 
herabgestürzt, von den Rädern des schweren Iiarrens jiiminerlich 
zerquetscht werden. Diese beiden Gegenstände hat der Iiiinstler oft 
wiederholt. Ein anderes zeigt die Hölle mit einer Menge allego- 
rischer Figuren, die von Teufeln fortgeschleppt werden. Dieses 
Gemälde wird auch dem Peter Breughel zugeschrieben, allein die- 
sem widerspricht die Ausführung ganz. Ein ferncres Gemälde stellt 
den Heiland in einer Glorie dar, und ringsum in sieben Abthei- 
lungen die Laster unter allerlei allegorischen Figuren abgebildet. 
Im Escurial ist die Versuchung des heil. Antonius ZWGlIIfül, und 
Christus mit dem Kreuz. In jener königlichen lVlönchszelle, wo 
Philipp starb, stand eine Tafel des Künstlers, auf der er die vom 
Heiland der Menschheit entnommenen Sünden, diesen selbst aber, 
von himmlischem Glanze umgeben, ii1 deren Mitte geschildert 
hatte, und die Worte, die das Bild schweigend ruft, spricht die 
Umschrift also aus: Cave, cave, domiiius videt! Auch die übrigen 
Sitios der spanischen liönige waren mit Gemälden des niederländi- 
schen Hiinioristeii ausgestattet, die jedoch im liriege, wiilirentl der 
französischen Invasion, verschwunden sind. lm SChlOSSß des Pardo 
sind bei dem Brande iin Jahre 1608 acht Gemälde dieses Meisters
        

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