Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719122
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Cimabue , 
Giovanni. 
Er malte hier zu beiden Seiten der Hauptthüre Mariii Verkündi- 
gung und Christus mit Cleophas und Lucas, die Figuren über Le- 
bensgrösse. Die Madonna mit dem Iiinde, mit mehreren Neben- 
abtheilungen, welche Heilige und hleine historische Gegenstände 
enthielten, wurden später im liloster der Mönche von Vallombrosa 
aufgestellt. 
Nachdem Cimabue diese Arbeiten in Florenz vollendet hatte, 
folgte er dem Guardian des Klosters S. Francesco nach Pisa, um 
ein Bild des heil. Franciscus zu malen, welches man dort für etwas 
sehr Seltenes hielt. Dieses Bild, so wie eine grosse Madonna mit 
dem Christusliinde, welche er für dieselbe Kirche malte, und eine 
heil. Agnes, die er auf Verlangen des Abtes von S. Paolo in Ripa 
d' Arno verfertigte, ist in Pisa nicht mehr vorhanden. 
Durch diese Arbeiten wurde der Name des Cimabue immer be- 
rühmter, und man berief ihn nach Assisi, wo er, laut Vasari, in 
Gesellschaft einiger griechischer Maler in der untern Kirche des 
heil. Franciscus einen Tbeil des Gewölbes malte und auf den Wän- 
den die Geschichte Christi und des heil. Franciscus, bei welcher 
Arbeit er jene griechischen Maler wveit übertraf, und sogar seinen 
Lehrer Giunta Bisano. Er malte in der Haupttribune, über dem 
Chore in vier Feldern den Tod der Maria, wie Christus sie empor 
hebt auf den Himmelsthron und sie krönt, umgeben von Engel- 
chüren und vielen Heiligen. Diese Gemälde waren schon, als Va- 
sari sie zuletzt sah, 1565, sehr verdorben. Auch in den fünf Kreuz- 
gewölben derselben Kirche malte er viele historische Gegenstände. 
Im ersten über dem Chore die vier Evangelisten über Lebensgrösse, 
deren Vortrefflichlteit und Frische der Farben Vasari rühmt, die 
aber nicht mehr vorhanden sind. Am zweiten und vierten Gewölbe 
malte er einen blauen Himmel mit goldenen Sternen, am dritten, 
in vier Rundungen, Christus, Maria, Johannes den Täufer und 
den heil. Franciscus, und am fünften die vier Iiirchenlebrer mit 
Mönchen aus den vier ersten Orden. Die Figuren des dritten und 
fünften Gewölbes sind noch wohl erhalten. Gegen den Hauptaltar 
zu, zwischen den Fenstern und bis zur Wölbung malte Cimabue 
acht historische Gemälde aus dem alten Testamente, wo er mit der 
Gencsis begann; im Raume zwischen den Fenstern aber bis zum 
Corridor acht andere historische Bilder aus dem alten Bunde, ihnen 
gegenüber sechzehn aus dem Leben der heil. Jungfrau und des 
Heilandes. An der grossen Wand über der Hauptthüre stellte er 
die Himmelfahrt Mariä und die Ausgiessung des heil. Geistes auf 
die Apostel dar. Vasari glaubt, dass dieses reiche Werk zu jener 
Zeit die YVelt in Erstaunen gesetzt habe, und ihm selbst schien es 
ausserordentlich schön. 
Della Valle will nur einige dieser Gemälde dem Cimabue zuschrei- 
ben. Sie sind jetzt sämmtlich sehr verdorben und unkenntlich ge- 
worden, nur die Versöhnung Joseph's mit seinen Brüdern hat sich 
noch erhalten. Zu Vasari's Zeit waren die in den Wolbungen am 
besten erhalten, welche della Valle dem Cimabue ohne. Zweifel mit 
Unrecht abspricht, da sie sich durch einen grossartigen Charakter 
und in der Ausführung von den Werken des Giotto, dem er sie 
beilegen will, unterscheiden. Vergl. Bumohr's ital. Forsch. II. 57. 
Als diese Gemälde vollendet waren, fing Giovanni an, die untern 
Wände von den Fenstern abwärts zu malen, konnte aber die Ar- 
beit: nicht vollenden, da ihn mehrere Angelegenheiten nach Florenz 
riefen. Die Bilder brachte viele Jahre nachher Giotto zu Stande. 
Cimabue leistete im sacro convento Grosses und liühnes. Mit Recht 
nennt ihn daher Lanzi den Michel Angele, so wie Gißttß den 
Rafael seiner Zeit.
        

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