Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1717762
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Carstgne , 
Asmus 
Jakob. 
fallen war, unabhängige Existenz zu sichern, ward dadurch CF" 
reicht. Aber am Ziele seiner Laufbahn ereilte ihn der '.l'od nacll 
 einem langwierigen Iiranlaenlager. Fernow, der auch sein Leben 
beschrieb, hielt. ihm neben der Pyramide des Cestius (der Begräb- 
nissplatz der Protestanten) die Standrede. Carstens hatte sich dell 
 gründlichen und ernsten Geschmack der liünstler des 16. Jahrhun- 
derts in einem seltenen Grade eigen gemacht; sein edler Styl und 
der lebendige Ausdruck seiner Compositionen geben ihm einen 
 Rang unter _den ersten Nachfolgern jener grossen NIeister. Anfangs 
  zog ihn Michel Angelok liraft und Grussheit vor allen Andern 
 an; doch bemerkt man, dass, nach einem allmähligen Uebergang, 
 endlich Rafael ausschliesslich sein Vorbild geworden. Seine Gegen- 
stände Waren ernst und pathetisch, doch verschmähte er tauch nicht 
solche einer muntcrn Laune. In letzterem Sinne ist der luftwau- 
delnde Sokrates, nach Aristophanes, merkwürdig. 
Carstens unterschied sich von den Künstlern seiner Epoche (Ca- 
des, Camuccini, Landi etc.) durch eine tiefere Bedeutung und charak- 
teristischcre Beziehung des Ausdruckes, eine lebendige Ideenfiille 
und grossartige originelle Behandlung; aber ihm fehlte der Sinn 
für die Farben. Bei seinem Erscheinen in Rom erblickte man wie- 
der zum erstenmale die Poesie der Iiunst, welche seine Werke trotz 
 ihres unscheinbaren Gewandes über alle Pinseleien jener Zeit erhebt. 
Er hatte die Iiunst von der wahrhaft poetischen Seite er_ riffen, 
und sich durch Lesen, aber mit steter Rücksicht auf seine gliunst, 
seinen Geist auszubilden gesucht. Vornehmlich beschäftigte ihn 
  das Lesen von deutschen Uebersetzungen der alten Classilaer, aus 
 denen er am liebsten den Stoff zu seinen Compositiunen entlehnte, 
indem er sich zu Gegenständen der griechischen Götter- und He- 
roenwelt vorzüglich hingezogen fühlte. Biblische und christliche 
Gegenstände hat er nie zu Vorwürfen gewählt, weil er in dieser 
Hinsicht in den Vorurtheilen seiner Zeit, welche sie für ungün- 
stig für die. Kunst erklärte, befangen gewesen zn seyn scheint. So 
auf jenem Felde in den Besitz einer ächten liunstbildung gelangt, 
Jiißtrßßlltete 61' den richtigen und lebendigen Ausdruck der darge- 
Stcllllßll Idee als die wesentlichste Federung an ein Kunstwerk. Ein 
Walvfßlä durchgeführter und dem Charakter des Gegenstandes ange- 
 messcncr Styl ist in dieser Federung schon mit inbegriffen, weil 
nur durch diesen die Ideen plastisch und auf ltunstgemiisse Weise 
dargestellt werden können. 
Statt dass also das Hauptverdienst der meisten damaligen Iiunst- 
werke in der Vermeidung einzelner Fehler und in sorgfältiger Aus- 
fiihrung einzelner Theile nach dem Modell und G-liedermann be- 
Jstand, so waren Carsteus YVerke durch bedeutende Auffassung des 
dargestellten Gegenstandes und durch einen schönen Sinn des Gau- 
zen ausgezeichnet. Hingegen erschienen dieselben 1m Einzelnen 
keineswegs fehlerfrei, und dies: war denn auch die Seite, von der 
ihn seine Gegner angriffen, zu denen die meisten damals in Rum 
lebenden deutschen liiinstler gehörten, welche seine von den ihri- 
gen ganz abweichende Ansichten allerdings sehr empfindlich tref- 
fen mussten, da, unter der Voraussetzung ihrer Richtigkeit, sie sich 
von der wahren Iiunst weit entfernt befanden. 
Die von Carstens hinterlassenen Compositiunen zeigen eine frucht- 
bare und wahrhaft dichterische Einbildungskraft. Seine Darstel- 
lungen aus dem griechischen Alterthume, z. U. ausllumer, den 
Argonauten (von dem berühmten Landschafter Iioch nach des 
Künstlers Tod nach einer Folge von Zeichnungen gestochen), die 
Barke Charorfs, das Gastmahl Plato's, seine Vorstellungennatls Dante 
und Ossian tragen alle das Gepräge eines hohen, schoptcrischen
        

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