Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1717594
Carracci , 
Augustin . 
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geleitet, wohin ihn die Natur trieb, wesswegen so viele ureigen- 
thiiniliehe Bchandlungsweisen in einem und demselben Arbeitssaale 
sich entfalteten. Jedoch musste Vernunft, Natur und Nachahmung 
die Grundlage zu jeder bilden. Bei grossen Bedenhlichlteitexi wen- 
dete man sich an Ludovico.  
Ägostino malte wenig, und auch mit wenig poetischem Geiste, 
obgleich er Dichter war. Er ist zwar immer geistreich, aber es 
fehlt ihm so ziemlich das Feuer in hervorspringenderEigenthiimlich- 
keit der Ausführung, wie denn seine letzten Werke, die Fresken. 
im Palazzo del Giardino zu Parma, in der That sehr flau und flach 
dastehen. 
Das Ilauptwerls Agostintfs ist die Comrnunion des heil. Hierony- 
mus, die vor der Wanderung nach Paris in einer der lillliell Sei- 
tenlsapellen der Carthause zu Bologna zu sehen war. 
1m Jahre 1820 fand Professor Boucheron einen lange unge- 
liilllntßll Schatz im Schlusse von Castiglione, niimlieh die gemalte 
Studie der Galathea, welche Augustin in derGallerie Farnese al 
Frcsco malte. Das Gemälde ist etwas breiter und höher als das 
Frcscogemiilde, und daher finden sich auf demselben einige Theile 
vollendet, für die die VVand nicht mehr Raum hatte. 
Ueber den Gegenstand dieses Gemiililesdierrsehen verschiedene 
lVfeiuungen. Nach Malvasia und Bellori's Beschreibung der Ge- 
mälde des Farnesischen Ilallastcs ward die Meinung allgemein, das- 
 selbe stelle die Fabel der Galathea vor. Der gelehrte Erliliirer der 
1753 zu Rom von C. Cesio herausgegebenen Abbildungen der far- 
nesischen Gemälde behauptet, und wie es scheint nicht ohne Grund, 
dass, das Gemälde eine Erscheinung der Venus auf dem Meere vor- 
stelle. S. Iiunstblatt vom 20. April 1820 das Schreiben des St. 
Tieozzi. 
In der Gallerie des Grafen von Thurn zu VVien sind ebenfalls 
zwei herrliche Farbenbilder und Skizzen zu den Schöpfungen in 
der Farnesina: die Galathea und Aurora, die auch den Augustin 
Carracci zum Urheber haben dürften. 
In der Gallerie Esterhazy ist die Communion des hl. Hie onymus. 
In der Eremitage zu St. Petersburg ist ein Bild von Ägostino, 
das einen mit Statuen verzierten Saal vorstellt, in welchem ein 
Mann auf Befehl eines andern auf dem Throne mit dem Bogen 
auf einen Menschen zielt.  Aus lrlougtonhall kam eine Madünna 
mit dem schlafenden liinde im Arme nach Ptusslantl- DlßSßS Bild 
ist aber nicht in der Eremitage. In der GiustinianlSCllGH Sammlung 
zu Berlin ist der Zinsgroschen, ein Iiniestiiclt. 
Zwei seiner Bilder kamen aus der Gallerie Orleans nach England: 
das Martyrthuin des Apostels Bartolomiius und Christus erscheint 
der'Ma_gdalena. Das erstere dieser Gemälde hauftc Hr. Willet, das 
zweite Lord William. Dieses sind vielleicht die einzigen Bilder, 
die sich von Augustin in England befinden, während die der übri- 
gen Carracci hier zahlreich sind. 
In der k. Pinakothek zu München ist die Stigmatisation des hl. 
Franz von seiner Hand. 
Augustin Carracci macht einen wichtigen Abschnittr-in der Ge- 
schichte der Iitipferstechcärei in Italien. Er war es unter seinen 
Larldsleuten, der zuerst auf ein geregeltes Schrafliren hinarbeitete 
und die Technik des Stiehes auszubilden strebte. Es vereinigten 
sich so viele Umstände, ihn zum Schöpfer einer liunst zu machen, 
als selten zu Gunsten eines Mannes zusammenwirlicn. Die viel- 
seitige Ausbildung; seines Geistes sicherte ihn vor Fehlgriffeil seiner 
Zeitgenossen , welche nach den iuauicrirtcsten Meistern ain liebsten
        

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