Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1717546
S6 
Carracci , 
Hannilwal. 
sen Hiiuptern, besonders dem Hannibal und Augustin eigene gute 
Zeichnung. die höchste Meisterschaft in Verlaiirzungen, wie etwa 
in den Schilderungen des Herhnles und der Jole, auch in der 
Aurora, die den Cephalus entführt, in den Figuren des Merlmr 
und Pulypheln. Allein die Grazie der Stellung, das Naive der Be- 
wegungen, das Zarte und Liebliche der Formen, das Edle der Ge- 
stalten, beäünders der weiblichen, laurz, was schon mehr einen 
geistigen Einfluss auf die Fiihrung der Hand federt, das Alles ver- 
misst inan hier ungern, und gerade an den wesentlichsten Stellen. 
Wir erinnern nur an die Nymphen, an die Figuren der Androme- 
da, der Diana (im Bilde des Pan; und der Venus. 
Wer sich schon mit einer conventionellen Zusammenstellung der 
Figuren zu blos gefälligcn Gruppen begnügt, worin jede ihren 
Platz gut ausfüllt, ohne darum genau und passend mit dem Cha- 
rakter der Handlung selbst zusammenzustimmen, der, sagt Speth 
(Kunst in ltalien III. 125  findet auch hier, wie fast durchge- 
liends in den VVerlten der Carracci seine Befriedigung; darin wa- 
ren sie die griissten lNIcistcr. Doch wem die Wahrheit und die 
Seele des Iiunstwerlaes vor Allem am Herzen liegen, die nicht in 
der Allgemeinheit eines beliebigen Ausdruckes bestehen, in wie 
ferne er blos in einem wvilllaiihrlichen Gegensatze zu einem andern 
ebenso willhiihrlichen Ausdrucke, gerade die beste Wirl-timg thut; 
wer dagegen die strengste Uebereinstinnnung verlangt zwischen der 
Handlung und der gemessenen Zahl aller durch Mienen und Ge- 
berden sie genau bezeichnenden Personen, der findet sich hier in 
seinen Erwartungen getäuscht. Wenigstens ist dieses in den YVer- 
ken der (larracci von grösserem Inhalte, so wie ihrer ganzen 
Schule, in der Regel itirgcmls, ja nicht einmal auf halbem Wege 
die hervorstehendste Partbic. Dessennngeacbtet wurde Annibale 
von lVIeugs nach den drei ersten Malern auf den vierten Thron 
gesetzt, in den Formen männlicher Iiiirper setzt er ihn sogar über 
alle. Poussin behauptete, nach liafaels Arbeiten lsiinnc man nichts 
Besseres sehen, als was Carracci geschallen. Baglione schreibt ilnn 
das damals beinahe abgehunnnene Verfahren zu, nach der Natur 
zu coloriren, und die wahre Kunst Landschaften zu malen, welche 
die Jßliederliintlcr in der Folge nachahmten. Auch rühmt man seine 
Iiunst nach der Natur Zerrbilder aufzunehmen, die er dann durch 
seine Phantasie steigerte. 
Die Aufgabe in dem farnesischen Saale War gross, und Hannibal 
arbeitete bei aller technischen Fertigkeit sieben Jahre daran. VVir 
erblichen hier an der gewölbten Decke und in den beiden grossen 
Bogenfeldern, den Triumph des Bacchus mit Ariadne, die Geschichte 
der Galathea und Cephalus und Aurora; dann Juno mit dem Gür- 
tel der Venus, Diana und Endymion, Herhules bei Jole, Venus mit 
Anchises. Dazwischen noch eine Menge kleiner Gemälde, zum 
Theil einförmig, und meist ebenso fröhliche, nackte und üppige 
Darstellungen aus Ovid und andern lVlythologen, Vorstellungen, 
von denen viele klassischeVollendung tragen. Doch erhielt er durch 
die Bänke des Spaniers Juan de Castro , des Giinstlings des Car- 
dinals Odoardo Farnese, nur die elende Belohnung von 500 Tha- 
lern, während Tausende an mitteliniissige Maler verschwendet wur- 
den. Durch eine solche Ungerechtigkeit niedergebeugt, und sich 
entehrt fiihlend, warf er die Werkzeuge seiner Iiunst weit von 
sich, und starb in Ruin in der Bliithe der Jahre. Der ehrwürdige 
Prälat Agucchi, der alte Freund seiner Familie, schloss dem Le- 
bensmiiden die Augen. 
Annibale Carraeci hinterliess aucb- viele Oelbildcr, die in verschitv
        

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