Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1717507
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Carra cci , 
Lu dwig. 
erhielten die Gemälde ein schweres, undurchsichtiges und materiel- 
les Ansehen, wobei man, mit der Iixmstsprache zu reden, die l'a- 
lete" bemerkt, nämlich die bestimmten und rohen Farben, deren 
sich der Maler bediente. 
Zugleich ist seitdem auch in der allgemeinen IIarmonie der Far- 
benwu-kung ein von dem ehemaligen sehr verschiedenes Prinzip 
eingetreten. _Es trat das Bestreben hervor, die Harmonie vornehm-b 
lieh durch einen das Ganze beherrschenden dunklen Schattentun 
hervorzubringen. Die Farben wurden zu Gunsten derselben von 
ihrer Schönheit herabgestimmt und mehr abgediimpit, als es die 
Luttperspel-ativc ertbrdert. Man liebte und verstand nicht mehr die 
Composition schöner und kräftiger Farben, und das Colorit des 
Annibale Carracci in der Farnesinischezi Gallerie fallt theils zu sehr 
in das Graue, theils zu starl-a in das Ziegeltartiige. Vgl. Beschrei- 
bung Roms von Platner, Bunsen, Gerhard und liöstell I. 550. H. 
Ludovico Carracci, der Vetter Annibale's und Agostinifs, war 
der Sohn eines Fleischer-s, und im Innern zurIiunst getrieben, 1mm er 
in die Schule des Fontana; allein er war anfangs so langsamen Geistes, 
dass er eher zum Farbenreilaer, als zur Verschmelzung und zur Be- 
handlung der Farben gesehatTen zu seyn schien. Funtnna rieth ihm 
daher, die Malerei aufzugeben, und auch Tintoretto zu Venedig sagte 
ihm ein Gleiches, denn die Mitschüler verspotteten ihn als geistes- 
trägen Ochsen; alles verschwor sich ihn zu entmuthigen, nur er 
fasste Muth, liess sich durcliWide-rstand nicht verwirren, sondern 
nur anre en. Er studirte die Natur, gab sich über jede Linie Re- 
chenschaä, und glaubte, ein Jüngling müsse nur gut arbeiten, bis 
diess in Gewohnheit über-gehe, und die Gewohnheit dann zur 
Schnelligkeit verhelfe. In Bologna studirte er die besten Einheimi- 
schen, m Venedig hielt er sich an Titian und Tintoret, und in 
Florenz bildete er seinen Geschmack nach Andrea's Gemälden und 
Passignands Lehren. Nach seiner Rückkehr wurde er in Bologna 
gut aufgenommen, und auch für einen guten Maler geachtet, aber 
er sah ein, dass er gegen die Anhänger Correggirfs nicht an- 
kämpfen könne, wenn er sich nicht zunächst neben den Seinigen 
einen Anhang zu verschaffen suche. Sein Bruder Paolo trieb die 
Malerei, war aber sehr schwach und arm an Geist und Itath, auf 
diesen achtete er mithin wenig; desto mehr aber auf seine zwei 
Vettern , Aiostino und Annibale. Diese verdienten neben Ludovico 
schon das ob grosser Künstler, aber sie hatten noch immer mit 
dein Schicksale zu kämpfen. Ihre ersten Arbeiten, die Fabel des 
Jason, unter Ludwigs Beistand dargestellt, wurden als ungenau 
und unzierlich getadelt, der Tadel erhielt Gewicht durch die ersten 
Maler der Zeit, und Ludwig und Augustin waren schon VVillens 
mit dem Strome- zu schwimmen, und zu dem alten Styie zurückzu- 
kehren; aber Annibale rieth, kräftig gegen die Manieristen anzu- 
kämpten, sein Ilath wurde betblgt, und dieser führte zu der be- 
absichtigten Umwälzung des Styls. Um die Kunstbeflissenen zu 
gewinnen, errichteten sie eine Malerakademie in ihrem Hause, wo 
sie bald solchen Zuspruch landen, dass sich D. Calvart des gräss- 
ten Theils seiner Schüler beraubt sah. Auch von andern Seiten 
eilten Jünglinge dahin, und endlich musste jeder Name dem der 
Carracci weichen. Von dieser Zeit an erschien eine bedeutende 
Anzahl von Werken dies-er Künstler, welche aehtbare Denkmäler 
der sich wieder liebenden Kunst zu nennen sind. 
Diejenigen, welche Ludovico lieferte, zeichnen sich durch Stärke 
und Wahrheit im Ausdrucke der Leidenschaften aus, durch mei- 
stens geschmackvolle (iewandung, die Färbung aber ist nicht an- 
genehm.
        

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