Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1717496
Carracci, Ludwig. 381 
so kamen auch jene Eklektiker der Malerei erst nach dem Unter- 
gänge der grossen originellen Geister der Kunst. 
Die Carracci zeigten ungemeines Talent in der praktischen Än- 
Wendung der eklektischen Methode, und sie wussten mit vieler 
Kunst ihrem im Grunde 'mechanisch gebildeten Style den Schein 
einer organischen Verbindung zu geben. Sie sind daher nicht al- 
lein als die Stifter des Eklekticismus, sondern auch als die vorzüg- 
lichsten Meister in ihrer Ausübung desselben zu betrachten, und 
diejenigen Künstler, welche die bedeutendste Enoche in der Ge- 
schichte der spätem italienischen Kunst veranlassten." Sie sind die 
eigentlichen Stifter der noch gegenwärtig auf den Iiunstakademieen 
herrschenden Lehrmethode, und daher werden diejenigen, die im 
Wesentlichen der ihr zum Grunde liegenden Ansicht folgen, in 
unsern Tagen nicht unpassend Akademiker genannt.  
Dass den Carracci die Form das Ursprüngliche war, und sie da- 
her den Geist derselben unterordneten, lässt sich in ihren Compu- 
sitinnen nicht minder erkennen, als in ihrer Zeichnung. Sie führ- 
ten die Erstere wieder zur grüsseren! Einfachheit zurück und ver- 
warfen die Menge überflüssiger Figuren, die vornehmlich dieNach- 
ahmer des Michel Angelo in die Malerei eingeführt hatten. Da- 
bei aber suchten sie mehr einen guten Bau der Anordnung, als Be- 
deutung in der Erfindung zu zeigen. Und wenn bei Rafael und 
anderen früheren Künstlern der Ausdruck der Handlung die Grün. 
pirung bestimmte, so möchte es bei den Carracci vielmehr scheinen, 
dass sie die Handlung der Grupgirung anzupassen suchten. 
Ihre Figuren erinnern gewöhn ich an akademische Modelle und 
scheinen daher nicht durch sich selbst bewegt, sondern von dem 
Künstler gestellt, um den Ausdruck irgend einer Handlung oder 
Leidenschaft nachzubilden. In dem gegenseitigen Contrast, sowohl 
der Gruppen als einzelnen Figuren, ist zu viel Absichtlichkeit zu 
bemerken, wodurch die Compositiou den Anschein jener schönen 
Zufgilliäkeig verliert, durch welche dieselbe, wie von ungefähr, 
durch ie geistige Beziehung der Figuren zu einander, gebildet zu 
seyn scheint.  
In der Zeichnung sind die Carraccl am meisten für klassisch an- 
gesehen worden. Auch kann man ihnen und insbesondere im Ver- 
gleich mit den vor ihnen herrschenden Manieristen, in derselben 
bedeutendes Verdienst nicht absyrechen. Sie ward von diesen Künst- 
lern wieder zur Strenge und Gründlichkeit zurückgeführt. Beson- 
ders ist Hannibal in diesem Theil der Kunst ausgezeichnet, 
In Betreff der Farbengebung der Carracci ist nach der Ansicht 
der gelehrten Verfasser der neuesten Beschreibung Roms vornehm- 
lich zu bemerken, dass insbesondere durch diese Künstler die wahre 
Methode in der Behandlung der Oelmalerei zu Grunde ging. Die 
früheren Meister gaben der Untermalung nicht den Ton, den sie 
beabsichtigten, sondern brachten denselben erst durch die verei- 
nigte Wirkung der beim Uebermalen angewandten Lasurfarben 
und der durchscheinenden Unterlage hervor. Dadurch erhielten 
die Gemälde ein klares durchsichtiges Ansehen, und die Malerkunst 
vermochte durch diese Methode die technische Verfahrungsweise 
zu verbergen, und ihren Erzeugnissen das Gepräge von Naturwer- 
ken zu ertheilen, in denen die Farbe nicht von Aussen aufgetragen, 
sondern mit dem Stoffe vermählt, erscheint. Die Carracci und die 
ihnen nachfolgenden italienischen Iiüustler hingegen bedienten sich 
zur Anlage, wie zur Vollendung, gewöhnlich nur dünn aufgetrage- 
ner Erdfarben, und wenn sie je noch zuweilen lasirten, so ging 
die vortheilhafte Anwendung davon verloren, weil sie die Unterlage 
nicht darauf zu berechnen und zu präpariren verstanden. Dadurch
        

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