Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1717050
Canovn, 
Antonio. 
337 
anatomisch genannt werden können. Selbst seine Schule wollen 
strengere liunstrichter, besonders französische, einen nachtheiligeu 
Einfluss auf die Kunst ansiilaen lassen. Die Verfasser der neuesten 
Beschreibung Roms I. 575 glauben, seinen Styl als eine Vermischung 
des Styls der Antiken mit der lNTanier des ßernini bezeichnen zu. 
diirfen. Doch bezieht sich, nach der Ansicht dieser Gelehrten, die 
Achnlichkeit mit jenen nur auf das iiusserliche; denn tiefer betrach- 
tet ist er von ihnen gfinzlich entfernt und hingegen. dem Bernini 
sehr nahe verwamlt. Wie dieser, heisst es weiter in dem bezeich- 
neten VVerke, suchte auch Canova der groben Sinnlichkeit zu gefal- 
len, nur (lass er dabei den eigenthiimliclien  der Senti- 
mentalität unsers Zeitalters zu treffen wusste, und dieses soll es 
denn auch vornehmlich gcvresen seyn, wodurch er so allgemeine 
Bewunderung erlangte. Wenn man ihn daher den Phidias seiner 
Zeit benannte. so dürfte, nach der Behauptung der gelehrten Ver- 
fasser des erwiihnten NVerlaes, "in dieser Benennung mehr WVahres 
liegen, als es scheinen sollte, indem seine Werke nicht minder ge- 
eignet waren, dem vorherrschemleii Sinne dieser Zeit zu entspre- 
chen, als die des griechischen liiinstlers dem (jeschmaclae der alten 
Athener. Seinen weiblichen und jugendlichen Figuren ist griissten- 
theils eine gewisse Grazie nicht abzusprechen, die aber freilich 
mehr dem gemeinen Sinne, als Idem ächten lienncr als solche er- 
scheinen inochte. Gewiss war er an solchen Vorwürfen auch am 
glücklichsten, am ungliieklichstenlaber, wenn er sich an ernste, 
heroische Darstellungen, wie in seiner Grufwpe des wiithemleix Her- 
kules und des Theseus, wagte, obgleich er in Dairstellnng des letz- 
teren den besseren Weg gezeigt hatte, dem er jedoch später nicht 
folgte. Am auftallendsten aber erscheint sein manierirter Charakter 
in mehreren seiner Reliefs, wo er im widerwiirtigen und unnatür- 
lichen Geschmacke dem läernini nicht nachstehen tliirftc. 
Eitrige glauben, dass diesem Iiiiilstler unstrcitbar das Verdienst 
gebiihre, die Bildnerei nach langer und schwerer Vcrirrnng zur 
Erkenntniss des Schönen znriielsgefilhrt zu haben. In jedem Falle 
verdankt ihm die Bildhauerei sehr viel, weil er sie wieder in Auf- 
nahme brachte, und in werkthiitige Kraft versetzte, sowohl durch 
seine ungemeine Thiitigkcit in technischer Fertigkeit, als die viel- 
fachen Aufträge, die ihm sein in ganz Europa verbreiteter Ruf ver- 
schaffte. Auch das Verdienst der vollendeten Bearbeitung des Mar- 
mors, und der Vorzug, dass in seinen Gestalten Natürlichkeit und 
Anmnth Hand in Hand gehen, ist ihm nach Schorn (Iiunstbl. 1831 
N0. 65) nicht in jedem VVcrlie zuzngestehenÄ VVo er liraft und 
Grossartigkeit-zu erreichen sucht, zeigt er Uebertreibung der D'In- 
tive und aufgedunseile Behandlung der Formen; wo er nach Schön- 
heit strebt, eine VVcichlichkeit und Allektation, welche sowohl den 
Gedanken als der Ausführung eine falsche Richtung gegeben haben. 
Nicht der reinnienschliche Geist, sondern ein Anhauch des modi- 
 sehen Zeitgeistes ist es, sagt Schorn, der uns aus seinen YVerken 
entgegenweht. Auch der VUIWVuPf ist von ihm nicht abzulehnen, 
dass seine Conipositionen oft mehr malerisch als plastisch geordnet 
sind. _Man sehe nur seine 'l'iinzeri'nncn und ganz besonders seine 
Basrchels, zumal die letzten, die er fiir die Kirche in Possagno 
entworfen, und Worin er, zu einer Zeit, wo Thorwalilfün bereits 
die ilchte Behandlung des Reliefs in grossen Beispielen gezeigt 
hatte, neben einer nnsichern, verfliessenden Anordnung der Fliii- 
chen noch YVollien und Lichtstrahlen, nach Art der verrlerbtesten 
Manier, anbrachte.  
Dennoch ist er ein wahrhaft genialer Iiünstler, dem sich in 
Lebendigkeit der Compositioil und in Heiterkeit der Ausführung 
Naäleris Iiüizsllcr-Lex. II. Bd. 22
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.