Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1717013
Canova, 
Antonio. 
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liess ihnen Unterstützung zufliessen. Von seiner glänzenden Ein- 
nahme ging wieder ein Theil auf die Zöglinge der Akademie über; 
aber auch andern Anstalten liess er nicht unbedeutende Unterstützun- 
gen zukommen. Dürftige Iiünstler erfreuten sich in seiner Person 
eines Beschützers und Triisters. Auch im Verborgenen wirkte seine 
Grossmuth. 
In Possagno brachte er durch seinen errichteten Tempel der Re- 
ligion, dem Vater-lande und der Iiunst die Früchte der Arbeiten 
seines ganzen Lebens dar, während er sich selbst seit _mehreren 
Jahren die strengsten Entbehrungen auflegte. Die Veranlassung zu 
(liesem Baue war folgende. Er verfertigte in colossaler Grüsse die 
Statue der Religion mit Iireuz und Schild, auf welchem in Relief 
die Apostel Petrus und Paulus angebracht sind. Er bot sie, dem 
Pabste als Beweis seiner unbegriinzteu Ehrfurcht und Dankbarkeit 
an, um sie in einem der ersten Tempel Roms aufzustellen; allein. 
die Cardinäle waren dagegen. Entrüstet darüber verkaufte er alle 
seine liegenden Güter im römischen Gebiete, und liess aus seinen 
Mitteln in seinem Vaterorte einen herrlichen Tempel bauen, eine 
Hotunde, deren Frontispiz genau nach dem Parthenon zu Athen 
gebildet ist. Hier liess er die erwähnte Statue aufstellen. Den 
Hauptaltar sollte von seiner Hand eine Marmorgruppe mit dem 
Erlöser zieren; allein der Künstler hinterliess die Pietä blosi in 
Gyps, das einzige Werk, welches von ihm selbst nicht in Marmor 
ausgeführt zu sehen ist. Bazuzzi hat es für den Altar gemeisselt. 
Zu Venedig, wo Canuva in den letzten Zeiten mit seinem Bruder, 
dem berühmten Hellenisten Abbe Canova in innigster Eintracht 
lebte, wurde ihm in der Iiirche ai Frari ein Denkmal gesetzt, wel- 
ches er selbst fiir Titian entwarf, und das seine Schüler nur wenig 
als Ehrcndenlanial des Meistersiinderten. Die ganze Einrichtung 
ähnelt dein lNIonumente in deriAugustinerkix-che in Wien. B. Fer- 
rari, liinaldi, Zandomeuighi, Jacopo de' lVIartini und Fabris haben 
das Grabmal in Marmor ausgeführt. Es hat die Inschrift: 
Antonio Canovae Principi Sculptorum Aetatis Suae Collegium 
Venetum Bonis Artib. Excollend. Sodali Maximo Ex Conla- 
tione Europae universae A. IVLDCCCXXVII. 
Canova hinterliess eine grosse Anzahl plastischer Werke, aber 
auch in der Malerei hat er sich mit Glück versucht. Seine Ge- 
mäldc, meist in oder ein wenig unter Lebensgrüsse, sind leicht 
und wie alla prima hingemalt, und dem Farbenton und selbst der 
Carnation nach reizend und wahr. In diesen Pinsel, durch dieses 
venetianische Auge für Farbe geleitet, wären vielleicht Titian's 
Kraft des Colorits und Correggicfs Reiz zusammengetlossen, wenn 
nicht der frühere Trieb zur Plastik vorgewaltet hätte, und so ward 
aus dem von der Natur hochbegünstigten Maler der grosse, aber 
nur zu oft malende Bildhauer. Die Gemälde stellen Venus und 
Amor, die Grazien, Helden u. s. w. vor. Auch eine Iireuzabnahrne 
malte er.  
In seine Malereien war er sehr verliebt, und daher konnte sich 
derjenige, der den Künstler besuchte, nicht empfehlen, wenn er an 
diesen seinen Lieblingen unbeachtet vorüberging. 
Unter den Sculpturen Canovzfs erwähnen wir zuerst die wenigen 
Aufgaben jener Zeit, die in das Bereich der christlichen Darstel- 
lungen zu rechnen sind. Er hat hier seine Aufgabe nicht immer 
glücklich gelöst; denn er lebte in dem Elemente antiker Poesie, 
das seiner Neigung zum Weichen und Zierlichen vielfältigen Stoff 
bot, selbst um ihn auf seine eigenthümliche Art zu behandeln. Al- 
lein Canova glänzte schon als erster Bildhauer seiner Zeit, als 
Thurwaldsen seine Laufbahn in Rom begann, und so fielen ihm
        

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