Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1716650
Callot, 
Jakob. 
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vvelche er in dieser Zeit in Nancy zu Stunde brachte, ist das grosse 
CaruSSel und die grosse Strasse, in welcher dasselbe vor sich ging, 
in 10 Blättern bestehend, eines der schönsten, das aus seinen Hün- 
den ging. 
In seinen spätern VVerlsen bemerkt man einen erheblichen Un- 
tersehied im Gebrauche der Radirnadel, und eine grössere Verbin- 
dung derselben mit dem Grabstichel. Er pflegte nämlich später, 
besonders in kleinen Figuren, so viel als möglich alle Schraffirun- 
gen und Iireuzstriehe zu vermeiden, und durch einfache, mehr 
oder weniger mit dem Grabstiehel vertiefte oder verbreitete ge- 
schwungene Linien die Schatten darzustellen, wodurch er eine 
grössere Helligkeit und Bestimmtheit der Schattenparthieu gewann. 
Der Anblick des Pflasters im Dome zu Sicna soll ihn auf diese 
Idee gebracht haben. Zu den VVerken, worin er sich dieser Ma- 
nier mit grosser Wirkung bediente, und in denen er besonders 
sein Talent als Seelenmaler entfaltete, gehört besonders die häufig 
nachgestochcne Sammlung von 25 Blättern Bettler, Zigeuner etc., 
mit dem Titel: (lapitano de Baroni. Sie sind mit einer bewvunde- 
rungswiirdigen Wahrheit dargestellt. Eben so gehören unter Cal- 
l0t's Seelenmalereien die grossen und kleinen Miseres de la guerre, 
erstere aus 18, letztere aus 7 Blätter bestehend, die Capricen, die 
Phantasien, der schon genannte Jahrmarkt und das Blatt: la entr- 
riere de Nancy, in welch letzterm besonders die Richtigkeit und 
Gefälligkeit der Zeichnung, die Mannigfaltigkeit der Gruppen und 
der jeder Figur angemessene und starke Ausdruck den grossen Mei- 
ster und sicheren Zeichner beurkunden. Von eben so uniibertrelfba- 
rer VVahrheit sind die schon genannten Miseres de la guerre, so- 
wohl die grossen als kleinen, indem sie alle Schrecken des Iirie- 
ges mit einer Lebendigkeit und getreuen Auflassung vorführen, 
welche schaudern machen. Er dichtete sie nach seiner Rückkehr 
aus den Lagern von Breda und Rochelle.  
Callotls Ruhm hatte sich nämlich auch nach den spanischen Nie- 
derlanden verbreitet, und er erhielt von der Statthalter-in Clara Enge- 
nia Isabella, Philipifs II. Tochter und Gemahlin Erzherzogs Al- 
brecht, den Auftrag, die Belagerung von Breda zu stechen. Die 
Belagerung von Breda, in sechs ineinander gefügten Platten, ge- 
hört zu Callofs grössten und seltensten Blättern, und sie gewann ihm 
bei seinen Zeitgenossen solche Anerkennung, dass Ludwig XIII. 
sich dadurch bewogen fand, Callot naclrParis einzuladen und ihm 
die Ausführung der siegreichen Belagerungen von Rochelle und 
der Insel ne zu übertragen. Der König belohnte den Iiiinstler 
reichlich; derselbe lehnte es aber mit grosser Standhaftigkeit ab, 
auf gleiche Weise auch die durch die königl. lNaffen bewerkstel- 
ligte Eroberung von Nancy zu verherrlichen. 
Er nahm ebenfalls das Anerbieten eines ansehnlichen Jahrgehal- 
tes, wenn er sich nach Paris wenden wolle, nicht an, und blieb 
in Nancy. Als endlich die Stadt Frankreich einverleibt war, wollte 
er, aus Widerwillen gegen das französische Regiment, mit seiner 
Gattin in Florenz eine ruhige Zuflucht aufsuchen, es ereilte ihn 
aber, mitten unter den Zuriistungen zu dieser Reise, der Tod. In 
der Familiengruft seiner Ahnen zu Nancy ruhen seine Gebeine. 
In Callofs VVerken ist ein Hang zum Spotte, zum Auffassen des 
lächerlichen und zur Ironie unverkennbar, ohne dass dabei eine ge- 
wisse Gemiithlichkeit vermisst wird. In der Anordnung, Compbsi- 
tion und Ausführung des Lichtes glänzte Callot nicht, aber in den 
einzelnen Partien ist er vortrefflich. Die Zeichnung ist richtig, 
die Stellungen meist gefällig, die Grufrpen mannigfaltig, der Aus-
        

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