Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1716519
(lCY um 1495 geboren wurde. Er kam nach Rom und fand als 
Handlanger bei den Arbeiten im Vatikan Beschäftigung, bis ihn 
endlich Rafael seinem Schüler Maturino übergab, bei dem er in 
ClEP_Sgrallito-lVI:ilcrei Unterricht erhielt. Die Fortschritte, welche 
Puhdor unter diesem lYIeister machte, waren bedeutend, und da- 
llßf soll sich selbst Raflael nebst lllaturino noch seiner Beihiilfe 
bei den Nlalereien in Chiaruscuro bedient haben. Mit Maturino 
Schloss Polidur Freundschaft, und beide malten nach BafaeYs Tod 
1111 den lfaeaden der Hiiuser in Rom Grau  in Grau-Bilder, nach 
Art der alten Basrcliefs, in welchenrheilige und gewöhnliche Ge- 
schichten mit grösster Vollkommenheit dargestellt waren. Doch 
mag immerhin iNlaturixiu das vorziigliehste Verdienst gehören, na- 
mentlich in der Cumpositiun, denn Polidor hesass weniger poeti- 
schen Geist. Rom hatte einst eine grosse Anzahl vun solchen 
Sgraffiti, gegenwärtig sind aber nur wenige übrig, und diese in 
einem beschädigten Zustande. Ihre Composition schwebt zwischen 
dem Reliefstyl und der eigentlich malerischen Anordnung. Die 
Zeichnung zeigt viel Leben und Schönheitssinn. Die Conipusitio- 
neu dieser Gemälde sind in den Stichen ldes Santo Bartuli, Ch. 
Alberti und Galestruzzi erhalten. 
Von seiner Hand sind nach VasarPs Zeugniss auch zwei Bilder 
in der Kirche St. Silveslru di Monte Cavallu, Welche die Verlo- 
bung der heil. Catharina und Christus als Gärtner vorstellen. Diese 
Bilder gehören unter die ersten Beispiele von Landschaften italie- 
nischer Iiiinstler. Die Figuren sind den mit Gebäuden antiker Ar- 
chitektur reichgeschmiiclaten Iuuidschaften gänzlich untergeordnet, 
und können nur als Statfage derselben angesehen werden. I 
Das freundschaftliche Band, dass Polidor und Matnrino schlos- 
sen, wurde 1527 bei der Einnahme von Rom zerstört. Der letz- 
tere, auf der Flucht von der Pest ergrilTen, ging elend zu Grunde, 
und Pulidor rettete sich nach Neapel, aber nicht genug Nah- 
rung findend, wendete er sich nach Messina, yyo er bis 1543 als 
 iigurirte. In dieser Stadt machte er sich das Colori- 
rcn zur Hauptbeschäftigung, wuriil er früher nur geringe Versuche 
gemacht hatte. Altargeniiilde waren seine meisten Arbeiten, aber 
diese mirden im Auslande irvenig bekannt. In Neapel besitzt man 
erst seit 1733 Werke von ihm, die aus den eingestiirzten Kirchen 
nach dem Erdbeben dahin gelangten. Der'obere Thcil einer Him- 
melfahrt lNInriä findet sich dasclbst in den königl. Zimmern. Ein 
grusses Gemälde in der liönigl. Sammlung, wo Christus unter dem 
Iireuze erliegt, gehört zu seinen vurziiglichsten Werken, das auch 
Vasari nennt. Die Coinposition ist reich und das Ganze von ei- 
nem ungewöhnlich warmen Culorite. Eine Anbetung der Hirten 
iu demselben Museum ist nur eine geistreiche Skizze. Wenn man 
die Figuren dieser Werke in Hinsicht der Zeichnung und des 
Styls vergleicht, so dürfte, nach Hirt, der Künstler in Messina 
eher verluren, als gewonnen haben. Bis jetzt hat man geglaubt, 
dass man den antiken Styl in jenen llelietinalereien hauptsächlich 
dem Pulidor zu danken habe; allein der Abstand seiner inesseni- 
sehen Werke hicvon ist so gruss, dass man verniuthen muss, der 
Florentiner Maturinu habe mehr Antheil an jenen schönen Com- 
positionen gehabt, als Pulidur. 
In Deutschland sind die Oelgcmälde Caldarais selten. In der 
Gallerie zu Gotha belindet sich eine Verkündigung Muriii, ein Bild 
von reizendein Colorite, aber in der Zeichnung schwächer, als die 
Reliefbilder in Rom. Polidor dürfte daher in letzterer Stadt gräss- 
Ueutlieils nach Mattlrintfs Zeichnungen und Entwürfen gearbeitet
        

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