Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1716288
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Byss , 
Johann 
Rudolph. 
licher Nachahmer Rembrandts Seine Copie der sogenannten 
Landschaft mit den drei Bäumen ist sehr täuschend. Das Blatt ist 
in qu. fol. Heinecke schreibt es irrig einem Richard Byrne zu. 
BySS, Jbhann Blldßlph, geb. zu Solothurn 1660 von adeli en 
Eltern aus dem altrömischen Geschlechte de Bysonibus, weleäles 
durch Unfälle so verarmte, dass er schon in früher Jugend sein 
Vaterland verlassen und amfremden Orten sein Glück versuchen 
musste. Einige glauben, er sei in den österreichischen Staaten 
lange herumgezogen, habe sich durch Fleiss und genaue Nachah- 
mung der Natur einen grossen Ruhm erworben, und 1694 zu Prag 
niedergelassen; Füssli aber (Bd. II. 225 der Schweizer Künstler) 
meint, Byss sei frühzeitig nach Italien gekommen, wo er vielleicht 
die Malerkunst erlernt, und durch seine Geschicklichkeit sich in 
einiges Ansehen gesetzt habe. Die erste Spur seines Aufenthaltes 
zu Rom, wo er den 18. März 1700 den Pantoffel P. Clemens XI. 
geküsst hat, eräilbt sich aus einem Breve. Im Jahre 1704. wurde 
er vom Iiaiser eopold I. nach VVien gerufen, die Decken des 
grossen Audienzsaales und al fresco auch die der Bibliothek zu 
bemalen, wodurch er sich den Ruf eines grossen Künstlers, die 
höchste Zufriedenheit des Kaisers und des ganzen Hofes erwarb. 
Leider ging das schöne Deckengemälde der Bibliothek wieder zu 
Grunde, indem das ganze Gebäu e wegen der ausserordentlieh stei- 
genden Bücherzahl niedergerissen und durch ein grösseres ersetzt 
wurde. 
Im Jahre 1712 (oder wahrscheinlicher 1715) folgte er der Einla- 
dung des Mainzer Churfiirsten und Bamberger Fürst-Bischofs, Lu- 
thar Franz von Schönborn, in dessen Dienste als erster Hofmaler 
und Iiammerdiener, welch letzten Charakter einst alle Hofmaler geist- 
licherFiirsten sich zur Ehre und zum besondern Vortheile rechneten, 
zu treten. In dieser Eigenschaft malte er auf dem Schönborifsehen 
Schlosse Gaibaeh ein Paradies, in welchem er sehr viele Thiere 
höchst lebhaft vorstellte, und wodurch er so allgemeine Bewunde- 
rung einärntete, dass der Künstler sich selbst übertroffen zu ha- 
ben schien. Bei der gleichzeitigen Vollendung des zu Pommersfel- 
den erbauten Schlosses wurde ihm die Oberaufsicht über die da- 
selbst zu errichtende Gemäldegallerie übertragen, wodurch er die 
schönsten Lorbeern zu sammeln Gelegenheit hatte. Er wohnte wiih- 
rend dieser Zeit bis zum Tode des Churfiirsten theils zu Bamberg, 
theils zu Pommersfelden. 
Byss malte eben so gut al fresco als in Oel. In der Wiener Gal- 
lerie befindet sich von ihm eine heilige Familie und der heil. Jo- 
hannes mit seinen Eltern, beide auf Holz gemalt und mit Archi- 
tektur geziert, 10 auf 12 Zoll gross. Zu Pommlersfelden sind von 
ihm mehrere Bilder in Oel und Freseo, von denen einige vorzüg- 
lich gerathen sind.  
In der Pfarrlsirche" St. Gangolph ist der sterbende Joseph am 
Eingange ober der Thüre des nördlichen Thurms; in der St. Ste- 
phans Pfarrkirclte zu Bamberg war eine schöne Copie der Grable- 
gung Christi, nach Van Dycli.  
In der Galleric zu Schleissheim sind historische Landschaften 
und Blumen von ihm.  
Auch in der Düsseldorfer Gallerie befanden sich schöne Bilder 
von Byss. Man kennt von ihm ebenfalls ein eätztes Blatt: einen 
Genius, welcher ein Gemälde aufdeclat, vor-stellend. 
Byss wurde wegen seiner Iiunst überall sehr geschätzt, wegen 
seiner Talente von grossen Herren mit vielen Gnaden überhäuft, 
und mit goldenen Iietten und Medaillen beschenkt. Er hatte ein
        

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