Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1716183
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Buschetto. 
machte, das Licht der Welt erblickt haben soll, wenn nicht viel- 
mehr in Italien sein Vaterland zu suchen ist, worauf schon der 
Name deutet. 
Buschetto machte sich weltberühmt durch den Bau des Domes 
zu Pisa, des schönsten Werkes der gothisehen Baukunst in Ita- 
lien, welches nach einer Aufschrift im Dome wahrscheinlich 1053 
begonnen wurde, als Denkmal der glücklichen Siege, welche die 
damals mächtigen Pisaner errungen hatten. Dieser 'l'eiupel, in 
welchem der Meister auch der antiken Weise Gerechtigkeit wie- 
derfahreix liess, und sich als den Ersten bewies, der die Erinci- 
pien der Alten Wieder in der Baukunst einzuführen strebte, ist 
von innen und aussen mit Marmor bedeckt, mit hundert grossen 
Fenstern geschmückt und mit vielen Säulen und Pilastern geziert. 
Eine grosse Anzahl Granitsiinlen sind antik, und nach einer ziem- 
lich allgemeinen Angabe aus Griechenland gebracht worden; allein 
Cicognara und Quatremere finden es wahrscheinlicher, dass sich 
diese Säulen schon in Pisa vorgefunden, wo die Kirche Santa Re- 
parata im vierten Jahrhundert auf den Iiuinen der Thermen und 
des Pallastes Hadriaifs erbaut wurde. Der Architekt konnte daher 
die fremden Materialien zu seinem Zwecke benutzt haben, 'die in 
I früher ,Zeit wahrscheinlich griechische Hände an Ort und Stelle 
bearbeiteten. Die Pisaner waren zur Zeit des Baues der Iiirchce 
die Herren der Insel Elba, und hier fanden sie Granit zu Säulen, 
in denen ihnen auch die vorhandenen Antiken zum Vorbilde ge- 
dient haben konnten. VVeil man nun Baumatcrial aus Griechen- 
land gebracht wissen wollte, so fand auch die Meinung, dass Bu- 
schetto selbst ein (iricrhe sei, desto leichter Eingang, und diese 
erhielt sich bis auf unsere Zeit. Dulichium gilt daher für sein 
Vaterland, aber mit Unrecht, wie Quatremere behauptet. Der Irr- 
thum ging aus zwei Worten der Grabschrift Buschettos hervor, 
und wurde vielmehr durch die Lücken in derselben erzeugt. Die 
Inschrift lautet: - 
 BUSIÄIET... JACK... HIC... INGENIORUM 
DULICHIOW. PHEVALUISSE DUCI etc. 
Das Fehlende dieser Inschrift, die Cicognara stor. I. 180 ganz 
gibt, ergänzt Flamminio dal Borgo auf folgende Weise: 
BUSCHETTUS JACET HIU QUI PBINCEPS INGENIORUM 
DULICHIO FEFVPUPI PRAEVALUISSE DUCI.  
Das Dulichio scheint hier als Epithettm von Ulysses zu stehen, 
und somit wird der Baumeister mit jenem Helden des Homer ver- 
glichen, wie in einer andern Inschrift:  
NIGRA DOM' LABEBINTUS EHAT TUA DEDALE LAUS E 
AT SUA BUSHETU SPLENDIDA TEMPLA PROBANT. 
N HABET EXPLUM NIVEO DE MARMOHE TEMPLU 
QUOD FIT BUSKETI PBORSVS AB INGENIO etc. 
Buschetto mit Diidalus in Parallele gestellt wird. 
 Dieser berühmte Künstler besass auch grosse Kenntnisse in der 
Mechanik, und besonders im Maschinenbau, wie aus einer an- 
dern Inschrift hervorgeht: 
QUOD VIX MILLE BOUM POSSENT JUGA CUNCTAE MOVERB 
ET QUOD VIX POTUIT YER MABE FEHRE RATIS 
BUSIiETTI NISU QUOD ERAT MIRABILE VISU 
DENA PUELLARUM TURBA LEVABAT OPUS. 
Buschetto scheint also Maschinen erfunden zu haben, wodurch 
es ihm leicht wurde (gleichsam Mädchenarhcit), schwere Lastenzu 
heben, und dieses sollte die Inschrift der Mitwelt und den Nach- 
kommen verkünden. Er gab auch den ersten Impuls zur Erneue-
        

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