Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1715985
23.0 
Buonarulli, 
Michel  Angele. 
zug behaupten, wenigstens wird man ihm denselben bei Verglei- 
chung der Plane zugestehen, die beide liiinstler zu der Peterskir- 
che verfertigten. Aber eben weil er den Huf des San-Gallo ver- 
dunlselte, erhielt er einen weit bedeutenderen und dadurch aller- 
dings naehtheiligereil Einfluss auf die folgenden Zeiten, als jener 
Architekt. 
Sein vorzüglichstes und mit; Hecht am meisten gepriesenes Werk 
der Baukunst ist die grosse liuppel der Peterskirche. Sie verdient 
nicht allein in technischer Hinsicht Bewunderung, sondern ist auch 
in Form und Verhältnissen unter den Iiuppeln der neuern Archi- 
tektur ausgezeichnet. Nur kann nicht geliiugnet werden, dass die 
gekoppelten Siiulen an der Aussenseite der 'l'rommel durch die 
Vorsprünge. die sie bilden, den grosseil Eindruck des Ganzen stö- 
ren, und weit sehiclslicher wären sie daher nach dem Entwurfe des 
Bramante zingebracltt wortlen, dem zufolge sie die äussere Mauer 
der Kuppel unterstützen und einen Corridor um die 'I'ronunel bil- 
den sollten. Die Mängel der übrigen Gebäude dieses Iiiinstlers in 
Rom sind nicht durchaus ihmmuzuschrciben, indem sie später be- 
deutende Veriintlerungen erlitten. (Beschreibuiig Roms l. c.) 
Buonarotti stand in seiner Riesengriisse einsam und allein; sein 
durchaus männlicher Geist machte sich gänzlich frei und unabhän- 
gig von allen andern ÄtVlensclien. Er lebte sein langes Leben hin- 
durch ohnc Frauenliebe, und verschlossen und ungesellig, entbehrte 
er auch wohl die ganz hingebende Freundschaft. Die Kunst nannte 
er seine Geliebte und seine Gebilde seine Iiindcr. Wie fast ohne 
Lehrer, und nur sein eigener Nachahmer, war er auch ohne eigent- 
liche Schiller, obwohl er desto mehr lNlachahmei- hatte. Durch 
diese gelangte das hdanicrirte und NVillliiihrliche, das lVIiehel-An- 
gelo nur noch im Iieime zeigte, zur vollkommenen Ausbildung. 
Sie vermochten in den Geist der Urbildcr nicht einzudringen 
und ergriffen diese gewölmiich da, wo ihr Styl an das Uebertriebene 
gränzt und sie (lurch ihren Eigensinn verleitet wurden, sich 
von dem richtigen Geschmache zu entfernen. Daher mochte es 
denn auch luiiziiiien, dass man den Charakter des iVliclit-l-Angelo 
vornehmlich im jüngsten Gerichte zu erfassen suchte. 
Die Nachahmer des Buonarotti zeigten gesuchte und gewaltsame 
Stellungen, aber ohne den Ausdrus-l: des miiclttigeil und gewaltigen 
Lebens in den Gestalten dieses Iiiinstlers. Sie machten grosseu 
Pomp mit dem Fechten und mit der anatomischen lienntniss, ohne 
Wahre Gründlichkeit und Tiefe. Die bestimmte Andeutung der 
lVIusl-eln ward von ihnen bis zur lliirte übertrieben, die man dein 
lVlichel-Angeit) selbst ohne Grund vorgeworfen hat. Letzterer ist 
in der Zeichnung iiusserst bestimmt, aber nie hart, und dieser Be- 
stimmtheit uizgcachtct sind die Muskeln in weichen und sanften 
Uebergängen angedeutet. Die Verfasser der erwähnten Beschreibung 
Roms Wiissteil laeinen Iiiinstlcr zu nennen, dem es volllaonnnener 
als ihm gelungen sei, eben den eigenthiimlichen Charakter der Ilaut 
und eines gesunden in der Fülle der Nahrung und liraft strotzen- 
den Fleisches auszurlriiclcrezi. Die ideale, von den störenden lie- 
dingungen der Wrirliliclaheit befreit scheinende Bildung seiner 
menschlichen Leiber zeigt allerdings eine bestimmtere Andeutung 
auch des feineren Nltisht-lspicls, als in der gewöhnlichen Natur, 
aber nie zum lYttt-hthcil der lrlauptformen, die vielmehr so hervor- 
gehoben sind", wie es beim grossen Styl erfordert wird. 
Mengs tnilclt vornehmlich in den Figuren dieses Kiiilstlcrs, dass 
in demselben Leine Muskel in llnhe erscheine. In einzelnen Bei- 
spielen mag dieser Vorwurf einer übertriebenen Anspannung nicht
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.