Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1715913
Buonarotti, 
Michel  Angele. 
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WDcä: Stlrenge der; Ausführung nach diirfte es eines der friihern 
er e es iiinst ers se n. Diirer sah es schon 1521 in Brii e. 
Es gibt eine alte Tradition, nach welcher das Bild, nach Geäitiia 
bcßlillllnf, von holländischen liapern nach Amsterdam entführt 
wurde. Unbekannt mit dessen Werth erstand es ein Kaufmann 
aus Brügge um geringes Geld und schenkte es der Kirche zu U. 
L. F. in seiner Vaterstadt. Lord VValpole bot verveblich 50,000 fl. 
dafiir, die Franzosen aber fiihrten es umsonst 2138i! Paris. Im 
Jahre 1815 kam aber dieses Meisterwerk zur grossen Freude der 
lfiiuwohner wieder an seinen Platz. 
In der kaiserl. Gallerie zu Petersburg ist eine sehr sehätzbare in 
Farben ausgeführte Zeichnung mit dem Raub des Ganymed. Solche 
Darstellungen von ähnlicher Ausführung sieht man in der Giusti- 
nianischen Sammlung zu Berlin, wo sich auch die Leda befindet. 
Qun-in Boel hat nach einem Gemälde der ehemaligen Briisseler Gal- 
lerie einen Iiupferstich geliefert. 
Im Ch. v. Mechels Vcrzcichniss der Gemälde der k. k. Bilder- 
gallerie zu Wien sind vier Stücke als Werke Michel-Angelds 
angegeben: der Raub des Ganymed durch den Adler, kleine Figu- 
ren auf Holz gemalt; eine heil. Familie, ein ähnliches Gemälde; 
ein allegorisches Bilg, der Traum des Mirihel-Angelo genannt. 
Man sieht in demsel en einen nackten Jiinw in_ auf einem um e- 
stiirzten steinernen Iiasten sitzen, in dessebn Irliöhle viele Larvgian 
übereinander liegen. Er hält mit beiden Händen eine Weltkugel, 
und gibt durch seine rasche Stellung zu erkennen, dass ihn der 
Schall der Trompete, Worauf ein von oben gegen ihn herabfliegen- 
der Engel bläst, schnell aufgeweckt habe. Um ihn her bilden die 
VVolken einen Kreis, welcher stufenweise mit allerhand kleinen 
Figuren und Gruppen besetzt ist, welche die sieben Haupt- 
siinden vorstellen sollen. Dieses Bild ist auf Stein gemalt, 1 Fus 
10 Zoll hoch und 1 Fuss 5 Zoll breit. Das vierte Gemälde stellt 
Christus am Oelberge in zwei verschiedenen Handlungen vor, und 
einfünftes, ein kleines Brustbild angeblich aus Michel-Angelds 
Schule, schildert den Iiiinstler selbst, bejahrt, mit halbgrauen Haa- 
ren und Bart, in schwarzem Kleide abgebildet. Man liest am Ran- 
de: IL DIVIN MICHAEL ANGELO BONAHROTI FIOBENTINO. 
In der gräflich Thurmschen Gallerie zu Wien ist das Hau t des 
blinden Haman mi:t Lorbeern gekrönt und verschiedene Zeichnun- 
gen in den Sammlungen dieser Kaiserstadt. Von seinen Cartons sind 
überhaupt viele in den Gallerien zerstreut. 
Noch müssen wir seiner Restaurationen vonAntiken erwähnen, die 
damals neu aus dem Grabe erstanden. Hieher gehört der Laokoon, 
der 1506 gefunden wurde. Er restaurirte den rechten Arm, der 
aber verloren gegangen. Zu seiner Zeit kam auch der farnesische 
Herkules und der Torso aus Licht, welcher letztere als Bruchstiick 
stets Buonarottfs höchstes Vorbild blieb. Wie er aber die Antiken 
im Ausdruck iibertrieh, zeigt auffallend sein ergänzter Kopf eines 
Flussgottes im vatikanischen Museum. Er ergänzte ihn durch einem 
1745er zum Tigris, und gab ihm einen Kopf, der seinem Moses 
ähnelt- Er ergänzte auch den Kopf und die beiden Hände des 
P1111115, in der Tribune zu Florenz, aber mit einer zum Ganzen 
so vollkommenen Zusammenstimmung und Wahrheit, dass man das 
Original nicht Vefmiggt, 
lYIichel-Angelo ist eine, in ihrer Art einzige und von dem allgemei- 
nen Charakter der ltiunst, die sich in Italien erhob, abweichende Erschei- 
llung. Rafael zeigte den Gipfel der italienischen Kunst in der vorherr- 
schenden allgemeinen Richtung, die sie bei ihrer Wiederauflebung im
        

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