Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Börner - Cleoetas
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713559
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1715865
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Buonarotti , 
Michel  An gelo." 
darin diese Stelle auf Lebenszeit ertheilt, mit unumschränkter Voll- 
macht in allen Angelegenheiten des Baues und völliger Unabhän- 
gigkeit von den Deputirlen der Bauverwaltung. Er sollte xiach 
Gutdünken das bisher aufgeführte Gebäude ohne alle Rücksicht auf 
Kosten verändern, so dass auch nach seinem Tode keine Abwei- 
chung erlaubt sei. Die unter ihm stehenden WVerkmeister sollten 
nur von ihm abhängig seyn, und nach Gutbefinden von ihm er- 
nannt oder entlassen werden. Dabei war auch sein ausdrückliches 
Verlangen am Anfang des Motu proprio erwähnt umrden, dass er 
seine bisherigen Bemühungen für den Bau ohne alle Bezahlung, 
nur aus Liebe zu Gott, und wegen seiner Ehrfurcht für die Iiirche 
des Fürsten der Apostel unternommen habe. Und in der That hat 
er auch in der Folge die ihm von dem Pabste für den Bau der 
Peterskirche angebotenen Belohnungen jederzeit abgelehnt. 
Nun begann eigentlich erst die Entstehung des heutigen Gebäu- 
des; denn was in seiner Anlage von den Entwürfen der vorigen 
Architekten herrührt, hat doch bei der Ausführung eine ganz ver- 
änderte Gestalt bekommen. lVIichel-Angelo setzte den Bau bis in 
das Pontilieat Pius IV. fort, hatte aber dabei nicht geringe Wider- 
wärtigkeiten zu erdulden. Das Motu proprio Paul's III. wurde 
zwar von den vorigen Piibsten bestätiget, aber dennoch konnte er 
dadurch nicht vor den Cabalen geschützt werden, die insbesondere 
auf Anstiften der Anhänger des San-Galle erfolgten, gegen deren 
Gewinnsucht, wodurch sie den Bau absichtlich in die Länge zu ziehen 
suchten, er sich sehr stark geäussert hatte. Paul III. Wllftlß durch 
die Bänke einiger seiner Feinde veranlasst, eine Comrnission nie- 
dcrzusetzen, welche den Zustand der St. Peterskirche untersuchen 
sollte. Der Gegenstand der Klage war vorzüglich Mangelan Licht 
an einer Seite, wo drei Iiapellen sollten angebracht werden und 
welche damals nur durch drei Fenster erhellt, wurden. Der Pabst 
sprach mit Michel Angeln darüber und dieser sagte, er wünsche 
die Richter zu hören. Der Cardinal Marcellus sprach; eurem. 
und seine Begleiter zeigend: „Wir sind die Richter." Michel 'An- 
gelo bemerkte, „er werde über diesen drei Fenstern drei andere 
bauen." Das habt ihr uns nie gesagt, versetzte der Cardinal! Der 
Künstler antwortete darauf entrlistet: „Ich habe mich und werde 
mich nie bewegen lassen, Er. Eminenz oder ir end Jemanden zu 
sagen, was ich thun will und werde. Euere gtlicht ist das nö- 
thige Geld für die AuHühi-ung der Iiirche herzugeben, Diebezu 
vcrscheuchen, und mir die Sorge für die Arbeit zu überlassen. Hei- 
liger Vater! fuhr er fort, sich zu dem Pabste wendend, mein Lohn 
ist gering, wenn ich durch solche Neckereien Zeit und Arbeit 
verlieren muss. Der Pabst, der ihn liebte, legte die Iland auf 
seine Schulter und sagte: Du wirst jetzt und ltiinftig von der Welt 
belohnt. 
Miehel Angeln leitete nun fortwährend den Bau; allein eingetre- 
tener Geldmangel hinderte ihn, denselben in der Folge mit solchem 
Nachdruck, wie in den ersten Jahren seiner Anstellung fortzusetzen. 
iDennoch aber wurden unter seiner Aufsicht die beiden 'l'rihuncn 
des Querschiffes aufgeführt; statt der acht Altäre, die Bramante in 
jede derselben setzen wollte, errichtete er nur drei in eben so vie- 
len Nischen. Die Pfeiler der Kuppel liess er abermals verstärken 
und führte den Bau der Trommel derselben bis zum (Irewiilbe. Da 
jedoch seine Freunde voraussahen, dass er ihre Willenduug nicht 
erleben wurde, so beredeten sie ihn, vor seinem Tode noch ein ge- 
naues Modell von Holz zum Vorbilde für ihre weitere Ausführung 
verfertigen zu lassen, welches gegenwärtig in der Peterskirche im 
Ottagono di S. Gregorio aufbewahrt wird. I
        

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