Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713349
Boccaccino , 
Boccaccio. 
Boccnccino, 
F ranzesco. 
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bevor dieser im Jahre 1500 nach Rom ging. Sein Styl ist zum 
Theil eigenthümlich, zum Theil dem des Perugino ähnlich, daher 
die Meinung nicht unwahrscheinlich ist, dass Boccaccino entweder 
ein Schüler, oder doch ein sehr treuer Nachahmer dieses Meisters 
gewesen ist. Della Valle glaubt, dass er den Perugino übertroffen, 
nach Lanzi (II. 5.17 d. Ausg.) aber ist er minder geordnet in der 
Composition, in den Gesichtern minder lieblich, im Helldunkel 
minder stark, aber reicher in den Trachten, mannigfaltiger in den 
Farben, munterer in Gebärden und vielleicht nicht minder harmo- 
nisch und reizend in Landschaft und Bauwerk. Missfaillig sind 
manche Figuren, die in das Rohe fallen, weil sie mit Gewand 
überladen und nicht schlank genug sind. 
Vasari sagt, Boccaccino sei in Rom gewesen und habe dort ge- 
arbeitet, die Werke des Mich. Angelo aber verachtet, eine Erzäh- 
lung, die vielleicht ganz fabelhaft ist.  Von Boccaccino sind 
am Fries des Domes zu Crexnona die Geburt U. L. F. und andere 
Scenen aus ihrem und ihres göttlichen Sohnes Leben. Neben der 
Geburt der heil. Jungfrau rühmt man auch den Christus unter den 
Iiirchenlehrern von 1518. Seine Madonna in S. Vincenzo, nebst 
dem liirehexiheiligen und Antonius, ist, so wie einige andere sei- 
ner Bilder, im Geschmacke des Perugino gemalt. Bei der Familie 
Beltrami zu Cremona befindet sich noch eine Tafel, bezeichnet: 
Boccaccinus de Boccacciis P. 1515. Sie scheint in Tempera ge- 
malt zu seyn. 
Boccaccino malte schon 1496, und starb nach Vasari um 1540 im 
58." Jahre. In den' letzten Jahren seines Lebens scheint er nicht 
mehr gearbeitet zu haben, denn man kennt bisher kein älteres Ge- 
mälde, als das von 1518. 
BOCGGCCIUO, Camlllü; Maler, Sohn und Schüler des vorigen, geb. 
1511, gest. 1546, das grüsste Genie der Cremoneser Schule. In den 
alten Grundsätzen des Vaters unterrichtet, bildete er sich noch sehr 
jung einen dergestalt aus Zierlichkeit und Stiirke gemischten Styl. 
dass man nich weiss, in welcher von beiden Eigenschaften er vor- 
züglicher war. Lomazzo nennt ihn scharf in der Zeichnung, ei- 
nen sehr grossen Coloristen und stellt ihn als Muster auf in den 
mit Anmuth aufgetragenen Lichtern, in der Lieblichlieit der Be- 
handlung und in der Gevvandung neben Leonardo, Correggio, Gau- 
denzio und die ersten Maler der Welt. In den Iiirehen von 
Cremona sind Arbeiten von Camillo. Die vorzüglichsteu Stücke in 
der Sigmundskirche sind die vier Evangelisten in der Kuppel. Be 
sonders ist der heil. Johannes eine in Zeichnung, wie in Perspek- 
tive höchst berühmte Figur. Berühmt sind auch in und ausser 
Cremona die beiden Seitenbilder: die Auferstehung des Lazarus 
und die Ehebrecherin vor Christo, geschmückt mit antnuthigen 
Verzierungen und einer Engelschaar, die zu leben scheint. iß 
Figuren sind alle so gestellt, dass man nicht Ein Auge sieht. Seine 
Gemälde an den Giebelseiten der Häuser sind zu Grunde gegan- 
gen, nur die sehr schönen Bilder des Cistello und des hei  Bar- 
tholomäus sind auf dem Freiplatze noch vorhanden. In der floren- 
tinischen Gallerie ist sein eigenhändig emaltes Bildniss. 
Boccaccino hatte auch einen Sohn, dir bei G. Cnmpi die Male- 
rei erlernte, aber Wenig bekannt ist. Man schreibt ihm das Abend- 
mal in dem Retectoriuin des Iilosters S. Sigmund zu Crdmona 111- 
BOCCBCCIHO, FPQIIZBSGO, der letzte dieses alten Malergeschlechtes, 
 starb in hohem Alter um 1750. Er besuchte in Rom erst Blfilldßis, 
dann Marattzfs Schule, und gewann einen Styl, der 111 Gallßflßn 
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