Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713082
Blake , 
XVilliam. 
339,1 
Er liebte besonders die Stärke der Umrisse und diese behielt er  
auch in der Verkörperung geistiger Wesen bei, worin sein gröss- 
lcr lmnttss bestand. In einer seiner besten Zeichnungen ,.der Tod 
des starlsen und bösen Menschen," lie_t der Körper im Todes- 
kampf körperlicher Leiden, und ein zergllrochenes Gcfaiss, dessen 
Inhalt auslliesst, (lautet den Augenblick des Todes an, während 
die Seele in eine flamme gehiillt, vom Kopfkissen aufsteigt. Diese 
ist zugleich eine Nachbildung des Leichnams, wenn gleich in ver- 
iindcrter Stellung, mit dem gut getroffenen Ausdrucke des Schre- 
ckens aus dem Fenster fliehend. In einigen gestochenen Zeichnun- 
gen erscheint die Seele iiber dem Leichnam schwebend, den sie 
nur ungern verlässt, in andern die Wiedervereinigung beider bei 
der Auferstehung u. s. w. Dicss sind ohngefabr sexne ansnäiissigsten 
Erfindungen. Ihm erschienen die Geister als organisirte  enschen, 
nicht nebelhafte Gebilde, vielmehr organische, mit allem bis auf's 
Kleinste versehene VVesen, von einer Vollkommenheit, wie sie gar 
keine sterbliche und vergängliche Natur hervorbringen kann. Er 
sagte, dass (lerjenige, der sich nicht bedeutendere und schönere 
Liniaznentc in einer hedeutenderen und schöneren Beleuchtung, als 
sein sterblichcs Auge zu sehen vermag, denken kann, der denkt 
gar nicht. Diese Idee spricht sich in seinen Werken aus. 
Sein griisstes und vollendetstes Gemälde sind die alten Britten, 
nach einem jener seltsamen Ueberbleibsel der alten Walischen Dicht- 
kunst, welches Oven unter dem Namen von Triaden gibt. Eines 
seiner best ausgeführten VVerke ist auch das Gemälde von Chaucer's 
Pilgriinnien, weil der Iiiinstler, durch seinen Vorwurf gebunden, 
nicht auf eine zuriiclistossende Art ausschweifcn konnte. Es crs 
schien auch im Stich, wenigstens wurden 1311 Unterschriften dazu 
gesammelt.   
Aeusserst merkwürdig ist die Ausgabe der vier erstenBiicher von 
Youngs Nachtgedankcn, welche 1797 in Folie erschien, und gar 
nicht mehr im Buchhandel zu haben, überhaupt äusserst selten 1st. 
In dieser Ausgabe steht der Text in der Mitte der Seite; auf den 
Seiten, so wie oben und unten, Radirungen von Blake nach sei- 
nen eigenen Zeichnungen. Sie sind von sehr ungleiehem Werthe. 
Zuweilen wetteifern die Erfindungen des Künstlers mit denen des 
Dichters, oft sind sie aber nur eine widersinnige Uebersetzung 
derselben, durch die ungliickseelige, Blake eigene Idee, dass alles, 
was die Phantasie dem geistigen Auge vorspiegelt, auch wieder- 
leuchtend dem körperlichen zu schmecken gegeben werden müsse. 
So ist Young buchstäblich übersetzt und sein Gedicht in ein Ge- 
miilde verwandelt werden. Merkwürdig ist ein Biindchen Gedichte 
von unserm Iiiinstler, welches nur noch bei Sammlern angetroffen 
wird. Es ist in Duodez und hat den Titel: Gesänge der Unschuld 
und Erfahrung, die beiden entgegengesetzten Zustände des mensch- 
lichen Gcmiiths erklärend, verfasst und gedruckt von W. Blake 
(Songs of innocence and of experience, shewing tbe two contrary 
states of the human soul.). 
Die Buchstaben scheinen geätzt zu seyn, und der Abdruck ist 
in Gelb gemacht. Rund umher und zwischen den Zeilen finden 
sich alle Arten von Iiadirungen; zuweilen gleichen sie den Hiero- 
glyphen der Aegylater, zuweilen bilden sie wieder nicht ullliüfllßlle 
Arabesken. Diese lVIiniaturgemi-ilde sind von den lebhaftesten Far- 
ben und oft grotesk, so dass das Buch ein äussei-st seltsames An- 
sehen bekommen hat. 
Ausser diesen Liedern gibt es von Blake noch zwei andere Werke 
der Poesie und lNIalerci, die 1794 in Quartbänden gedruckt und auf 
dieselbe XVcise verziert sind, nämlich: Europa, eine Weissagung
        

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