Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1713071
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Blanke , 
WViUiaIn. 
seine Gedichte als reine Zeichnungen anbelangt; vor den wildesten 
Ausbrüchen seiner l-linbililungskraft beugte sie ihr Itinie und betete 
ihn an. Sie besorgte sein einfaches llauswesen, fand den XVeq zu 
Ilause glücklich zu seyn, lebte auf die einfachste Weise undiwar 
kein gewiilniliclu-s Weib. Sie colorirte die Abdrücke von lilakväs 
Platten mit leichter und zierlicher-Hand, entwvarf Zeichnungen im 
Geiste von ihres lWIanncs Compositionexi und wetteilerte last in al- 
len Dingen mit ilnn, ausgenommen in der ihm ei_ enen Iiraft, Yi- 
SlOJIClI von lebenden oder todten Menschen zu haben, wenn er 
sie haben wollte. Am Abende wähnte er mit den Todten zu ver- 
kehren und er bildete sich wahrhaft ein, in früherer Zeit gelebt, 
mit Homer und lYIoses, mit Pindar und Virgil, mit Dante und 
Milton Freundschaft geschlossen zu haben. Unziihlig sind die 
Iiiipfe, die er aus seinen visionären Besuchen entwarf. Einer sei- 
ner Brüder, ein Iiiinstler wie er, hielt ihn oft dazu an. die Por- 
traite derer zu zeichnen, die ihm erschienen. Seine geistigen Besuche 
waren so galant, dass sie auf den VVunsch seiner Freunde sich 
wiederholten. Selbst die Seelen der Thiere erschienen ihm. So 
z. B. stellte er den Geist eines Flohes als eine nackte Figur mit 
kräftigem Iiiirper und kurzem Halse dar, mit brennenden Augen, 
und mit einem Gesichte, würdig eines Mörders, einen blutigen 
Becher in ihren Händen haltend, woraus sie mit Heftigkeit zu trin- 
ken scheint. Die llaut ist schuppig von goldener und griinschil- 
lernder Färbung. 
Indessen hatte Blake nicht immer solche närrische Ideen, aber 
erst in seinem fiinfzigsten Jahre konnte er bei dem griisseren bri- 
tischen Publikum Eingang finden, und zwar durch seine Zeich- 
nungen zu Blair's Grab (The gravc), einem bei ernsten Gemiithern 
sehr beliebten religiösen Gedicht, welches die Iiunstrichter in Be- 
tracht seiner Schiitiheiten "und Auswüchse, gleich merkwürdig fin- 
den, und wegen des Mangels an Geschmack und Zartheit tadeln, 
während sie die Iiraft und Erfindungsgabe des Dichters bewundern. 
Den Stich dieser 13 Zeichnungen besorgte Schiavonetti. 
Nachdem Blalie durch diese Zeichnungen bekannt geworden war, 
trat er ohne Scheu öffentlich hervor. Er eröffnete daher 1810 eine 
Ausstellung seiner Frescogemiilile und kiiniligte an, dass er die 
verlorne Iiunst der lü-eseomalerei wieder erfunden habe. Er for- 
derte (liejenigen, welche angenommen hatten, seine VVcrke seien 
ohne VVissen und ohne Ebenlnass, Sudeleien eines Tollhiiuslers, 
auf, sie jetzt genauer zu untersuchen. Zu gleicher Zeit gab er 
ein beschreibeudcs Vcrzeichniss dieser Frescogemiiltle heraus, ein 
Mischmaseh ohne Plan und Ordnung. Er zieht hier mit Heftigkeit 
gegen die Oelmalcrei und gegen die Iiilnstler aus der niederländi- 
schen und venetianischen Schule los. Er klagt im heiligen Eifer 
die verhassten liiinstler als böse Geister, und die neuere liunst als 
eine Geburt der Hölle an. Helldunkel nennt er cin hiillischcs 
Werkzeug in der Hand niederländischer und venetianischer 'I'eufel. 
Rubens ist ihm ein gewaltthiitiger, h0chii1hrendei' 'l'cufel, Corrcg- 
giu ein weichlicher, weibischer und daher höchst grausamer Teu- 
fel. Diese Künstler sind nebst Titian und Rembrandt die immer- 
wältrenden Gegenstände seines Tadels, und zum Schlusse sagt er: 
"Bis wir uns ihrer entledigen, werden wir nie Rafael und A. Dii- 
rer, lVIichel Angele und Giulio Romano beikommen." Diese Mei- 
ster liebte er, weil sie mit seiner goldenen Regel der Kunst har- 
inonirten: „Je bestimmter, schärfer und genauer die umgriiuzende 
Linie ist, desto vollkommener ist auch das Kunstwerk, und je 
weniger scharf und schneidend jene, desto grösser [die Gewissheit 
schwacher Niehahmung, Diebstahls und Plusclierei." 
        

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