Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1712468
Bcrrettini 
(Beretino) , 
Pietro. 
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nminen unpoetischen Sinn durch conventionellen Effekt des Gan- 
Zun mit Vernachlässigung der Wahrheit und Gründlichkeit im Ein- 
zelnen zu blenden. Je genauer man daher seine Werke betrach- 
tet, desto mehr verschwindet der Eindruck, den sie bei oberflächlicher 
Anschauung gewvähren.  
I)as vorziiglichste Werk des Cortona, nach dem der Charakter 
seiner Iiunst am besten beurtheilt werden l-zann, ist das weitläufige  
Deckengemälde im grosscn Saale des Pallastes Barberini zu liom. 
Die Gegenstände desselben sind kalte, für die Anschauung unver- 
ständliche Allegorien, die, nach dem Verschwinden der Ideen aus 
der Iiunst, als ihre höchste poetische Aufgabe noch bis zum Ende 
des vorigen Jahrhunderts betrachtet worden sind. 
lYIengs scheint den Cortona für den ersten inder Geschichte der 
neuern Iinnst zu halten, der den Ausdruck der Handlung dem 
Effekt der Anordnung und Gruppirung unterordnete. Den Keim 
zu diesem Abwege zeigt jedoch schon das jiingste Gericht des Mich. 
Angele in den künstlich gesuchten Stellungen und Gruppen, und 
noch entschiedener die VVerke seiner Nachahmer. Auch bei den 
Carracci ist er, obgleich minder auffallend, zu bemerken, und un- 
ter den Schülern derselben strebte nur Dominichint) jederzeit die 
Anordnung nach der Idee zu bestimmen. Nur hat allerdings die 
einseitige Richtung nach einem gesuchten und völlig bedeutungs- 
losen Gruppeneffekt erst seit P. da Cortona ihre volllsommene Aus- 
bildung erhalten. 
Unter den Schülern Berrettinrs sind Ciro Ferri und Iiomanelli 
in den Iiuilstbiichern mit Auszeichnung genannt wortlen. Sein Ge- 
schmuck erhielt sehr bald die entschiedene Oberherrschaft in ganz 
Italien, wenn auch nicht mit allen Eigenschaften des eigenthiimli- 
chen Charakters dieses Künstlers, doch im VVesentlichen der Iinnst- 
richtung. In Rom erkennt man dieselbe vornehmlich in den weit- 
läufigen Deckenbilderil in S. Ignazio und S. Silvestro in CaPite, 
von denen das erste Peter Pazzi, und das zweite S. Conca ver- 
fertigte. 
Bis auf Mengs war in Italien eine flüchtig geistvoll seyn sollende 
ungriindliche Behandlung vorherrschend, die jedochrweil sich in 
ihr wenigstens eine gewisse Freiheit und Leichtigkeit offenbaret, 
vielleicht immer noch den Vorzug vor einer geistlos fleissigen A118- 
fiihrnng behaupten dürfte, die nicht selten einen wahrhaft Peinli- 
chen Eindruck hervorbringt. Vergl. neueste Beschreibung Roms 
von Bunsen etc. I. 549. 
Urtheile über Cortona lesen wir auch bei Fiorillo 1. 195 und 456. 
Nach diesem Schriftsteller bildete sich Cortona durch das Studium 
nach den besten Meistern der {lorentixiischen und römischen Schule 
eine leichte Manier, d. h. er wusste den Schein der Vollkom- 
menheit seiner Vorbilder zu erreichen, indem er doch die eigent- 
lichen Schwierigkeiten umging, so wie es Lanfranco bei der Nach- 
ahmung des Correggio gemacht hatte. Da ihn die Natur mit einem 
grossen Feuer des Geistes fiir die Compusition begabt hatte, so be- 
trachtete er diese als den wesentlichsten Theil der Iiunst, weil er 
sich am glänzendsten dabei zeigen konnte. Er wählte immer grosse 
Räume anzufiillen, so dass dadurch die schönsten Contraste in Ab- 
sicht auf die Figuren und nicht weniger Cuntranost im Helldunliel 
hervorgebracht wurde. So bildete er sich eine leichte und anmu- 
thige Manier, worin aber der forschende Kenner Mangel an Aus- 
(lfllCli. miissige Figuren, Aehnlichkeit in den Formen, den Mie" 
neu, den Iileidertrachten und selbst in den Falten entdecken wird. 
Wlervrs hiillt ihn fiir rlenjeni gen, der den Weg bahnte, um große 
Werke leicht zu Componiren, und glaubt, er liebe besser gruppii-t
        

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