Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1711418
364 
Beccafumi , 
Domenico , 
etc. 
Bazzi vorgezogen.  Mecarino thlgte anfangs seinem angebornen 
sanften Sinne, und malte in einem süsscu Style. Damals wählte er 
schöne Gesichtsbildungen; vor allen wiederholte er oft den Iiopf 
seiner Geliebten. lYIan lobt in dieser Gattung das Bild zu S. Be- 
nedetto bei den Olivetanern, wo er die Sclultzheiligen, St. Giro- 
lamo, die Jungfrau Catliarina und kleine Vorfälle aus ihrem Le- 
ben malte. _Später gewann er das BuonarotisehJiriiftige lieb, und 
kam von seinem ersten Style ab. Als er jetzt stark und kräftig 
seyu wollte, ward er nicht selten schvvertiillig und plump in der 
Haltung der Figuren, nachlässig in Händen und Füssen, roh in 
den Köpfen. 1m Alter nahm dieser Fehlm- SO gßhp zu! dass die 
damals gemalten liöpfe dem Vasari Fratzen schienen. 
Sein Colorit ist nicht das wirahrste, weil er es mit einem röthli- 
chen Schein verlaünsitelt, der freilich bezaubert und erheitert; doch 
ist es reinlich, leuchtend, auf eine WVeise aufgetragen, (lass es an 
VVänclen sich noch jetzt äusserst gut erhält. Wenig ist van ihm 
in Genua, wo Prinz fDoria ihn in seinem Pallaste malen liess; nicht 
viel in Pisa, seine Heimath aber ist reich an iillentliehen und Pri- 
vathilderni In Wasserfarben leistete er mehr als in Oel, und mehr 
als andere Bilder emyliihltvu ihn seine Wandmalereien. Sie sind 
bewunderungswviirdig räumlich vertheilt, mit Grnttesken und Ein- 
fassungen verziert, glücklich erfunden und geistreich behandelt. 
Er gefiel sich in gewissen Feuer- oder Lichtwiderscheineil, mau- 
eheni schwierigen, besonders feruscheinigen Verkiirzungen, die da. 
mals in" Unter-Italien etwvas sehr Seltenes waren. Vasari beschreibt 
weitläufig das Bild der Gerechtigkeit, welches an den Fiissen sehr 
dunkel gehalten, stufenweise bis zu den Schultern sich aufhellt. 
und mit einem glänzenden, fast himmlischen Lichte schliesst. Diese 
Figur malte er an der Decke des Gerichtssaales des Herrn, und 
darunter noch mehrere Rund- und Quartbilder, deren jedes eine 
denkwürdige That eines Freibiirgcrs enthält. Einen ähnlichen Ge- 
danken führte er in einem Zimmer aus, das dem Herrn Bindi ge- 
hört, welches P. della Valle für sein Nleisteriverh hiilt. Die Figu- 
ren sind, wie in den llathefsehen Logen klein, und darum besser 
gezeichnet, thätiger, besser colorirt, als im Gerichtssaale. Denn Me- 
cherino's Styl ist, wie Lanzi sagt, in der That wie eine Flüssigkeit, 
welche in einem kleinen Getiisse ihre Iiraft behält, in ein grösse- 
res Gefäss_ umgefüllt verdiiftet und verliert. Lanzi l. e. lt. 
Beccafumi gehört zu den Heroen der Sienescr Schule, die eine 
bessere Zeit für Sienifs Iiunst herbeiiiihrn Die Strenge löste 
sich bei ihm in Zartheit und Milde der m auf, alles wurde 
Yliessender und edler, und die liebenswürdige Einfalt in den Ge- 
stalten der älteren trittnnendlich tiefer und lebendiger hervor. 
Zu seinen besten Arbeiten gehören die Deckengemälde im Saal 
des Consistorio zu Siena, von 1550. Sie gehen uns den ganzen 
Umfang seiner Individualität und seines Reichthums an Ideen zu 
erkennen, woyin er alle seine gleichzeitigen Nebenhuhler übertrof- 
fen haben mag. Die Anordnung ist lebendiär, die Figuren voll 
Bewegung, der Ausdruck bestimmt und die erkürzung meister- 
haft. Die Gemälde schildern die strenge Uehung der Gerechtigkeit 
bei den Römern. Im Dome zu Pisa malte er die Evangelisten und 
einige Geschichten lVIosis. Ein vorzügliches Gemälde, ist sein Chri- 
stus in der Vorhölle in der Iiirche St. Francesco zu Florenz. Die- 
ses Altargemälde, worauf der Künstler auch seine Geliebte, nur in 
zu reizender Gestalt, anbrachte; bewährt einen treiTIiCheiI Meister- 
und es gehört, was das Richtige und das Edle des Ausdruckes be- 
trifft, zu Beccafumik verdienstvollsten und erlesensten VVerl-aen- 
Traballesi, Costa und 'I'ommasini haben dieses Bild in Kupfer ge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.