Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1710958
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B317: 
James. 
er nu 16 Schillinge im Vermögen, keinen Erhverb, als die Verfet- 
tigun? unbedeutender Zeichnungen oder Aetzstiche für die Jour- 
nale, und keine andere Iloilnung auf Belohnung hatte, als die ill 
dem ungewissen Ertrage einer Exhihition ilach vollbrachter Ar- 
beit lag.   
Nach dieser Zeit blieb Bary-ivieder ohne Arbeit und ohne irgend 
eine Rveitere Erwerbsquelle, als zwei Gemälde nach Shakespeare 
für Boydell, seine Professors -Besul'dung war 50 Pf. des Jahres, 
und der Ertrag seiner Exhibitioxi, Iiupferstiche u. s. w., wovon 
ihm noch ein Theil gestohlen wurde, Dabei träumte er stets von 
Cabalen und Verschwörungen, um ihn zu demiithigen und zu un- 
terdrücken, und man hörte ihn oft sagen, es seil eine unbezwci- 
felte Thatsache, dass die grossen lVIusilaen in der Westmiiiister- 
Ahtey, welche gerade in den Zeitpunkt seiner Exhihition fielen, 
nichts anderes wären, als eine Erfindung des Neides, um die öf- 
fentliche Aufmerksamkeit von seinen VVerlien abzulenken. BarfS 
Unglück erreichte jedoch erst 1'793 den höchsten Grad. Er machte 
sich durch seine Schriften, und die darin enthaltenen Vorschläge, 
Feinde, und so wurde, da er auch die Erhaltung des katholischen 
Ritus für das Beste der liiinste sehr vortheilhaft fand, der arme 
Künstler als ein ziinlxischer Aufävieglei" und als Jakobiner beim Iiö- 
nigc angcschwärzt. Er wurde demnach den 15. April des bezeich- 
neten Juhres seiner Stelle als Mitglied der Akademie vcrlustig cr- 
ltlärt, und den Tag darauf strich ihn der König eigenhändig aus 
der Liste der Akademiker aus und entsetzte ihn zugleich der Stelle 
eines Professors. 
Als Ursache dieser Entsetzung gilt in England die nicht vor- 
theilhafte Einwirkung von Bary's Lehre und Beispiel auf die Schii- 
len, Es Wurden 1793 alle Preisarheitcn seiner Schüler als unwür- 
dig verworfen, und darauf soll der Lehrer selbst, da er, anstatt den 
Fleiss und die Anstrengung der Schiller zu wecken und zu leiten, 
der faulen Lieilerlichlteit Entschuldigungen auffinden half, seiner 
Professorsstelle entsetzt worden seyn.  
'Von dieser Zeit an lebte Bary bis zu seinem Tode unter wirkli- 
cher Selbstpeinigung und eingehildeter Verfolgung. Er trug das 
Aeusserste von Arnmth und Elend zur Schau, wohnte, obgleich er 
noch genug hesass, um sich die Genüsse zu verschaffen, die seinen 
Gewohnheiten zusagten, in einem zertriiinmerten Hause, ohne ei- 
gentliches Bett, in Frost, Schmutz, Einsamkeit und Arznuth. Im 
Jahre 1805 wurde daher durch die Bemühung des Grafen von 
Buchen eine Suhscription von ohngefähr 1000 Pf. aufgebracht, um 
ihm eine öffentliche Beute zu kaufen, allein er starb 1805, ehe 
noch die Subscriptiou voll war, hinterliess aber selbst 50,000 Pf.St., 
die man im Hause des Geizhalses fand.  
Ausser den erwähnten Gemälden kennt man von seiner Hand 
noch: Eine Scene aus König Lear, die erzur Shakespeare-Galle- 
rie lieferte, mit colossalen Gestalten, die schliessliche Vergeltung, 
Orpheus, das Elisium, worin er Ludwig den XIV. canonisirte, aber 
Wilhelm III. wegliess, das Bildniss des Dr. Johnson, den Fall des 
Satans u. a. 
Das Beste, was man von ihm besitzt, sind 6 Vorlesungen über 
Malerei , die mit grosser Iiraft und Klarheit des Ausdrucks geschrie- 
ben, und allgemeine Grundsätze der liunst in guter Reihenfolge 
und mit passenden Erörterungen enthalten. Höchst merkiviirdig 
ist, dass die Vorlesung über die Farbengebung, ein Zweig der 
Kunst, den er mit so eringem Erfolge ausiihte, bei weitem die 
beste ist. Auch eine Aihandlung über das Erhabenc und Schöne 
ist von ihm vorhanden. 
        

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