Barts ch ,
Adam
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ren haben im Ganzen mehr Wahrheit und Kraft als die früheren,
wenn gleich auch diese schon dem Stecher Ehre machen. Sehr ge-
lungen sind ferner die Blätter nach den Zeichnungen des in seiner
Art vortrefflichen Wilh. Kobell, mit ihren tief und wahr gegriffeneu
Schilderungen des kriegerischen Lebens. Man schätzt auch beson-
ders eine ganze Suite im Verlage des W. Ind. Comtoirs, welche
Pferde nach Itugendas aufstellt. Die Ö B1. nach P. Pottcr, Ver-
schuren, v. d. Velde, van Bloom und van Bergen radirt, erhielten
dadurch einen Reiz, dass der ideenreiche Landschafter Molitor
kleine Landschaften dazu entwarf; denn Bartsch wählte aus gros-
sen Gemälden und Thierstiicken immer nur eine Gruppe, oder auch
nur ein einzelnes, vorzüglich gut gestelltes und charakteristisches
Thier aus, gewöhnlich in der Grüsse des Originals. Da nun die
Landschaft des Originals dabei nicht mehr anzuwenden war, so
musste ein leichter Hintergrund dazu erfunden werden. Diess that
Molitor mit der glücklichsten Leichtigkeit, und so heisst es denn
unter diesen Blättern: M. Molitor regiunculam invenit et delinea-
vit. Es sind durchaus gelungene und höchst anmuthige Blätter.
Ausgezeichnet sind die zwei Bilder nach Paul Potter, in der ein-
zelnen Dogge und im Schäferhunde, der einem sich bäumenden
Murner in grossem Unfrieden begegnet. Auch die zwei Iiiihe nach
von Bergen sind mit der lebendigsten VVahrheit wieder gegeben.
Ein höchst Vollendetes sehr grosses Blatt ist (1812) seine Sanjagd
nach Snyers, eines der vortreltlichsten Originale dieses Meisters.
Es ist mit einer Wahrheit copirt, die jeden Farbenton und die
ganze Haltung des Originals im Stiche wieder finden lässt.
Tretfliche Werke sind ferner:
Die Roma triumphans.
Die Obsequien des P. Decius Mus, nach Rubens 1794, ein sehr
grosses Blatt.
Die Bestiirmung von Oczakow, nach Casanova, 1792.
Die junge Frau mit der Nachthaube auf dem Kopfe, nach eige-
ner Zeichnung, 1735.
Der Curier, der sich zu Nachtszeit von einem Jungen mit der
Laterne durch den "Wald leuchten lässt. Es gibt davon auch
Abdrücke in schwarzer Kunst, im Geschmacke Rembrandfscher
Nachtstiieke.
Ein junges Mädchen beim Licht lesend; nach Guido.
Die Heirath Alexanders und der Roxane, nach Parmesano.
Die Bildnisse von Correggio, Wohlgemuth, Brand und jeneä
des Künstlers selbst.
Zwei Viehstiicke nach H. Roos und Willi. Romeyn, 1806.
Thamar und Judas, nach einer Original-Zeicltnung von Rem-
brandt, 1782. In ersten Abdriiclaen vor der Schrift.
Selten ist eine gebirvige Landschaft, wo man in der Mitte eine
Ruine mit einem Hiigeil sieht, und rechts einen Mann zu Pferde,
bezeichnet M. M. inv. (lYllairtin Molitor invenit) A.,Btcl1.f. H. 15Z-
Die Blätter dieses Künstlers sind auf verschiedene Weise bezeich-
net: mit einem Monogramme; _A B. f.; A B sc.; A Bh. sc.; A Bsßh
fecit; A Btsch f: etc.
Bartsch hatte sich wiederholter Gnadenbezeugungen zu erfreuen-
Im Jahre 1812 ertheilte ihm sein Monarch das Iilemhreuz des Lev"
pold-Ordens und erhob ihn in den erbländischen Ptitterstand. "Vier
Jahre später erfolgte die Ernennung zum Hofrathe und zum ersteß
Custos der k. lt. Hofbibliothek.
Vergl. Knnstblatt 1821, N0. 8d", Literatur- und Anzeigeblatt der
Flora 1822., N0. 17- E. zerstreute Nachrichten von Böttiger u. 3-