Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1710716
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Barozzi , 
Giacomo. 
Nach seiner Rückkehr entwarf er zu Bologna den Plan für das 
Illirontispice der grossen Kirche des heil. Petronius, der, obgleich 
er unter allen übrigen den Vorzug erhielt, ebenfalls unausgeführl 
blieb.  
Um diese Zeit erbaute er auch den prächtigen Pallast des Gra- 
fen lsolani zu Minerbo bei Bologna, und in der Stadt selbst gab 
er Proben seines Talentes. Wann er die Kirchen von Massauo, 
St. Oreste, N. D. degli angcli zu Assisi, die schöne Capelle des 
heil. Franz zu Perugia und viele andere Gebäude inversehiedenen 
Theilcn Italiens errichtet hat, ist nicht genau zu bestimmen. 
Endlich kehrte er nach Rom zurück, und wurde von Vasari dem 
Pabste Julius III. vorgestellt, der als Legat den l-iiinstlm- schon in 
Bologna kennen gelernt hatte. Er ernannte ihn zu seinem Archi- 
tekten, und übertrug ihm die Leitunides Baues der Wasserleitung 
von Trevi. Bedeutende Arbeiten rec tfertigten bald das Zutrauen 
des Pabstes. Er trug ihm auf, ein Landhaus vor der Porta popolo 
zu erbauen, die sogenannte Villa des Pabstes Julius, die mit der 
Iiirche von St. Andrea, einem kleinen cirkelförrnigen Tempel, zu 
den bessern Werken der neueren Baukunst in Rom ehören. Letz- 
tere ist als ein klassisches Muster der Architektur betrachtet wor- 
den, aber dadurch, nach der Ansicht der gelehrten Herausgeber 
der neuesten Beschreibung Roms I. 608 , unstreitig überschätzt wo:- 
den.' Diese beiden Werke befinden sich gegenwärtig in einem 
verwahrlosten Zustande. 
Unter den Werken von geringerer Bedeutung, denen aber der 
Ruf Vignolefs eine solche verschafft hat, sind einige Theile des 
Pallastes Farnese, und darunter derjenige, in welchem H. Carracci 
die berühmte Gallerie gemalt hat, zu erwähnen; ferner das schöne 
Portal der Cancellaria, jenes der Kirche St. Lorenz, und endlich 
die Frontons an den F arnesischen Gärten am Campo-Vaccino, welche 
er auf Befehl des Cardinals Alexander Farnese ausführte, jenes 
grossen Beschützers der Kunst. Für eben denselben begann er 
auch (1568) den Bau der Jesuiten-Kirche, die mit grosser Pracht 
ausgeführt werden sollte; allein der Tod hinderte den Iiünstler an 
der Vollendung, und sein Schüler Jakob della Porta folgte bei der 
Fortsetzung des Baues nicht zu gewissenhaft dem Plane Vignola's. 
Das grösste Werk dieses Künstlers, welches er ganz zu Ende 
führte, ist das beruhmte Schloss von Caprarola, ein Denkmal des 
Carclinals Farnßßß, dflS er 8,518 10 Meilen von Rom in einer ma- 
lerischen Gegend errichten hess. Die Form des Baues ist ein Pen- 
tagon, und die Bastionen geben dem Ganzen den Eindruck von 
Kraft und Grösse. Der Porticus zeigt drei Arkaden mit Säulen 
von dorischer Ordnung. Die ausführlichere Beschreibung dieses 
Baues S. Quatremere de Quincy dictionnaire historique d'architec- 
ture I. 160.   
Dieses Schloss erlangte grossen Ruf, und es fehlt auch jetzt, 
obgleich es unbewohnt ist, noch nicht an Neugierigen, die es be- 
suc en.   
Die letzte Zeit seines Lebens bekleidete Barozzi die Stelle eines 
Baumeisters des St. Petersdomes; denn Michel Angele segnete das 
Zeitliche, ohne sein Werk vollendet zu haben. Vignola erbaute 
die zwei kleinen Dome, die sich jetzt auf der hintern Seite der 
Kirche wie Satelliten der grossen Kuppel zeigen. Er rechtfertigte 
überhaupt das Vertrauen des "Pabstes und Roms, das er als seine 
zweite Vaterstadt ehrte, und zu dessen Dienste er lebte, bis ihn 
1573 der Tod überraschte. 
Nicht geringeterPBuf, als durch seine Gebäude, erwarb sich 
Vignola auch durch sein Werk über die liinf Säulenordnungen.
        

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