Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1710522
Barbieri , 
F rancesco. 
Griov. 
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mit den bestemCai-raccisten auf und befreundete sich auch mit 
Carravaggio. Sein Qrundgeschmack ist immer Carravaggisch: Gi-csse 
Gegensatze von Licht und Schatten, beide kecklich derb, jedoch 
durch Verschmelzung sehr gesiinftigt, durch Abrundung sehr kuiist-z 
reich. Man hat ihn daher den Zauberer der italienischen Ma- 
ler genannu Von Llari-avaggio nahm er auch das Abdunkeln der 
Umrisse auf und brauchte es beim Geschwindinalen, ebenso die 
halben Figuren auf einer Ebene; ja, die meisten seiner Geschichts- 
bililer ordnete er auf diese VVeise an. In der Zeichnung jedoch 
wollte er richtiger und ausgesuchter scyn als Carravaggio, brachte 
es aber nie zu einer gewissen Zierlichkeit und einem Adel der Ziige. 
VYlQ trefflich, im besten Venediger Geschinacke, seine Trachten, 
die Landschaften, die Beiwerke gefiairbt sind, beweiset seine heil. 
Petronilla, ehemals im Quirinale, jetzt in der Gallerie des Campi- 
rloglio zu Rom, oder seine Auferstehung zu Cento, oder seine He- 
leiia bei den Bettelmönchen zu Venedig, tredliehe Gemälde in s'ei- 
ner zweiten Manier. In derselben ist gewöhnlich alles, was in 
Horn ist, auch die grössern Arbeiten, wie der heil. Giov. Chrisogono 
airder Decke seiner Kirche, oder die Aurora im Landhause Lurlo- 
visi. Diese aber, wie sich selbst, übertraf er in der Domliuppel 
zu Piacenza, in welcherßtadt er mit Pordenone gewetteifert. Ei- 
nige Jahre nachher, als er von Rom nach Cento zurückgekehrt 
war, und nun Guido .Picui's Lieblichkeit so beliebt sah, mahm er 
sich vor, ihm nachzueifern und malte heiter und offener. Dazu 
yerlieh er den Köpfen etwas mehr Anniutlr und Mannigfaltigkeit, 
ja einen so vorzüglichen Ausdruck, dass er in mehreren VVerlien 
aus dieser Zeit zum Erstaunen ist. Einige setzen diesen seinen 
Stylwechsel in die Zeit, wo Guido starb und Quercino sah, dass 
er nun der erste in Bologna seyn könne, Cento also verliess und 
sich in dieser Stadt ansiedelte. Dem wieder-sprechen jedoch meh- 
rere vor Pieiifs Tod gefertigte VVerke in der dritten Manier; ja, 
man sagt, Guido habe diesen Wechsel bemerkt und es zu eignemi 
Lobe tgewendet, indem er sagte, er halte sich möglichst fern von 
Guerüintfs Styl, dieser dem seinen möglichst nahe. In diesem, mit 
Beischinack des früheren jedoch, ist in Bologna die Beschneidung 
unsers Herrn in der Jesu- und Marienkirche, die Verlobung U. 
L. F. zu S. Paterniano in Fano, die heil. Palagia in Ancona, die 
Verkündigung in Forli, der verlorne Sohn iin k. Pallaste zu Tu- 
rin, ganze Figuren; in vielen Sammlungen halbe. Das vorzüglichste 
Bild in Guercincfs dritter Manier aber ist die Verstossung der Ha- 
gar in dar Mailänder Gallerie, gestochen von Strange, und in 
neueren agen von Jesi. 
So sehr auch diese dritte Manier gefallt, so wünschen Kenner 
doch, Guerciuo hätte die rüstige zweite, für welche er eboren 
und worin er einzig in der Welt war, nicht aufgegeben. Eanzi I. 
458. und III. 112. d. Ausg.   
Guercinrfs SLyl schwankt demnach zwischen dem der Carracci. 
und des Carravaggio und daher zwischen abstrakter und gewisser- 
massen conveutioneller Idcalität und gemeiner Wirklichkeit. Er ist 
ümein im Nackten, wie in den Gewändern, ungeachtet er grosse 
essen zeigt, und Ausdruck geistiger Grüsse in körperlicher Form 
darf man bei ihm noch weit weniger, als beim H. Carracci suchen- 
Bedeutung und Ausdruck des Gemüthes und der Denkkraft kann 
bef Ihm ebenfalls nur sehr wenig in Betracht gezogen werden; da 
sein Bestreben fast allein auf das Aeussere und Materielle der Kunst 
gerichtet ist. Dabei sind seine Köpfe nicht ohne individuelle Ver- 
äfflllßdßllhßit- Die Gesiehtsbildungen der Frauen erinnern öfter an 
hubsChei über gewöhnliche Bauerndirneii, die bärtigen Alten aber
        

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