Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1709116
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An gelico , 
Fmtc 
Giovanni. 
Auch widerspricht diese Meinung dem Zeugniss des Vasari, dass 
sich unter den Schülern dieses Meisters, ausser dem Masolino Pa- 
nicale, kein bedeutender und namhaft gewordener Iiiinstler he- 
funden habe. Der vorerwähnte Schriftsteller und alle diejenigen, 
welche durchaus den Masaccio als den Befreier der Iiiinst von den 
hergebrachten Gebrechen verehren, behaupten, dass Angelicu nach 
den Werken des Niasaccio studirt habe, wogegen andere die Sache 
für unwahrscheinlich halten, da eine bedeutende Verschiedenheit 
des Alters zwischen beiden Künstlern obwaltct- 
Wenn wir beider Werke mit einander "vergleichen, so finden 
wir, dass Giovanni seinen eigenen Weg ging, jedoch lässt sich ei- 
nige Aehnlichlaeit zwischen beiden lYIeistei-ii nicht läugnen; selbst 
die Handzeichnungen von Masaccio und Angelico in der Florenti- 
nischen Sammlung wurden verwechselt und uiitermischt. Bei dem 
bescheidenen und deinuthvollen Charakter des Frate, der wohl 
ganz entfernt von dem eitlen Hochinuthe war, dass es unzieinend 
für den Aeltercn sei, von dem Jiingereirleriien zu wollen, scheint 
es keinesivegs unglaublich, dass er die VVerke des Masaccio zu 
seiner Ausbildung, wenn auch nicht eben durch Copiren, zu be- 
nutzen suchte. 
Nicht minder lllßfliTfVilftllg als durch seine Kunst, ist Angelico 
durch die fromme Einfalt seines Geiiiüthes und durch seinen wahr- 
haft christlichen VVaiidel, wesswegen er nach seinem Tode selig 
gesprochen wurde: In_ ihingwar die Iirunst inniger mit der Religion 
verbunden, als vielleicht in keinem andern Iiiinstler. Sein Sinn 
war ganz ausschliessend auf geistliche Gegenstände gerichtet. Die 
Iiunst war ihm nur Mittel zum Ausdruck religiöser Gefühle, und 
er war daher ein christlicher llllalcr im allereigentlichsten Verstande. 
Man erzählt, dass er nie den Pinsel ergriff, ohne zuvor gebetet 
zu haben. Wenn er Bilder des Gelu-euzigtei: malte, fühlte er sich 
so durchdrungen von diesem erhabenen (Jegenstande, dass er da- 
bei heisse Tliriinen vergoss. Auch scheint er an den Beistand hö- 
herer Eingebung bei seinen künstlerischen Hervorbringungen ge- 
glaubt zu haben; denn er wollte nie etwas an seinen Gemälden 
ändern, weil, wie er sagte, es Gottes VVille gewesen sei, wie er 
es nun einmal gemacht habe. 
Auch scheinen seiiic VVerlie aus wahrer Andacht hervorgegangen 
zu seyn, und ein froinines, von dem Irdischen abgezggeneg Ge- 
niiith spiegelt sich unverkennbar in ihnen. lieinein liiinstler ist 
vielleicht der iiberirdischc, und mit göttlicher Liebe erfüllte Cha- 
rakter der Engel und der Ausdruck der himmlischen Wonne der 
Seeligeii so vollkommen, als ihm, gelungen, wesswegen er mit 
Recht den Beinamen Angelico erhielt. Starke, kräftige Leiden- 
schaften und der Ausdruck des schrecklichen waren hingegen sei- 
nein Charakter gänzlich entgegen, und daher haben seine 'I'eufel 
ein wahrhaft mesliiiics Ansehen. 
Lanzi spricht auf eine unwürdige und zugleich unrichtige VVeise 
von da Fießcleä Verdiensten. Er sagt: nach Masaccioyzeichneten 
sich zwei Geistliche in der Florentiiaer Schule aus, und "wusste also 
wahrscheinlich nicht, dass Masaccio erst 1407 gßbvrßll Wurde, zu. 
einer Zeit, wo Angelico in das Dominicaner-Iilostei- trat. 
Bei Vergleichung der "Werke des Masaccio mit denen des Ange- 
Vlico fällt das Urtheil zu Gunsten des Ersteren aus, jedoch nur in 
Iiinsicht der Ausbildung der Iiunst, aber keineswegs, in dem Prin- 
zip und in der Anlage derselben. Er ist auch minder gi-ossartig 
als Giottn, und seine vorziiglichsten Schüler; hiiigegeil anmuthiger 
und gefälliger als diese, und schön in einem dem christlichen Cha- 
ralitcr sehr aiigeuisssenen Sinne. Seine Farben sind sehr harmo-
        

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