Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - Boe
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1707650
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1708845
Amberger , 
Christoph. 
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hard von Amberg, im J. 149i als Steinmetz, und der Grossvater 
11432 als Schnitzer (Formschneider) vorkommen. 
Man hält ihn für einen Schüler Holbein's, weil er dessen Ma- 
nier so vollkommen nachahmte, (lass viele Gemälde für Holbein's 
Arbeit ausgegeben werden, die von Christoph Amberger herrühren. 
Seine grösste Stärke besteht im Portrait. Er hatte das Glück, Kai- 
ser Karl V. (1559) nach dem Leben zu malen, und wusste den tief- 
greifenden, welthistorischen Charakter dieses Fürsten treuer aufzu- 
fassen, als die meisten Geschichtschreiber jener Zeit, wesswegen 
er mit vollem Rechte den Namen eines Historikers der Maler ver- 
dient. Dem Kaiser selbst gefiel dieses Bildniss so wohl, dass er 
es mit Titiarfs Arbeit iverglich, und dem Künstler, nebst 30 Thlrm, 
noch eine goldene Kette mit Gnaclenpfenning überreichte. 
Die Köpfe in Ambergerk Bildern haben Ausdruck und Charak- 
ter, die Zeichnung ist verständig, obgleich nicht frei von den Gebre- 
chen der Zeit, das Colorit wahr und schön, der Pinsel markig und 
reinlich und mit unermiidetem-Fleisse geführt. Dabei beobachtet 
man in seinen Gemälden eine "lobenswerthc Iienntniss der Linien- 
Persyektive, aber er verstand die Luftpcrspektive nicht.  
Amberger hielt sich zu Nürnberg auf, arbeitete aber auch in an- 
dern Städten. Zu Augsburg, wo er auch starb, malte er'uxn'1550 
die äussere Mauer der Fuggerlschen Hiiuser. In eben dieser Stadt 
sieht man auch 12 Gemälde aus _der Lebensgeschichte des hl. Jo- 
sephs, und für St. Anna malte ,er die klugen und thöriehten Jung- 
frauerf. Nach Einigen ist von ihm in der k. Gallerie auch das Por- 
trait Kaiser Maximilians, mit Wasserfarben gemalt, das andere für 
einen Dürer halten.  
Ambergefs schönste Malereien sind in der Pfarrkirche zu St. 
Martin und im Franziskaner-Kloster zu Amßberg.  
In der k. Gallcrie zu München ist von ihm Gott Vater mit der 
dreifachen Krone, der den an's Kreuz gehefteten Heiland hält; 
als Nebenbild die Madonna mit dem Kinrle, ganze Figuren; fer- 
ner St. Georg, vor dem ein Mann in schwarzer Kleidung kniet, 
alle auf Holz gemalt. 
In der k. Gallerie zu Schleissheim ist eine Kreuztragung und 
eine Abnahme vom Kreuze und vier auf verschiedenen Instrumen- 
ten spielende Engel von Ambergerk Hand; irrig wird ihm das 
Brustbild einer reiehgekleideten Dame zugeschrieben. 
In der k. k. Gallerie zu Wien bewahrt man von Amberger das 
Bildniss Herzog Ludwigs von Bayern, 1540; das eines Ordensman- 
nes mit einem Todtenkopf, 1531; die zweier vornehmen Damen 
und Herodias mit dem Haupte des Holofernes. r 
Die Gallerie Lichtenstein besitzt das Bildniss Philipps von Spa- 
nien und seiner Gemahlin, von Ambergefs Hand gemalt. 
Die k. Morizltapelle zu Nürnberg bewahrt von diesem Künstler 
die Marter des hl. Sebastian. 
 In der Giustinianischen Sammlung zu Berlin sind zwei meister- 
hafte Bildnisse von Amberger, das ,des Kaisers Karl V. in seinem 
32. Jahre gemalt und jenes des Sebastian Münster, beide ausdrucks- 
volle, mit dem zartesten Fleisse ausgeführte Köpfe. Vorzüglich ist 
auch das Portrait eines Mädchens in der Dresdner Gallerie. 
Man gibt Ambergefs Todesjahr auf 1565 an, allein dieses er- 
folgte später; denn der Künstler kommt noch im Gerechtigkeitsbu- 
ehe der Stadt Augsburg 1563 vor. 
Nopitsch verwechselt ihn in seiner Fortsetzung von will's Nürn- 
berger Gelehrten-Lexicon mit Jost Amann. 
Naglefs Künstler-Lax. I. Bd. 7
        

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