Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Altertum
Person:
Schreiber, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705290
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705471
IN 
ITU 
Der diefer Sammlung vorgefetzte Titel bezeichnet das Alterthum 
als Stoffgebiet der erften Abtheilung, doch ill. abfichtlich nur 
das claflifche Alterthum, die griechifch-römifche Epoche, berück- 
fichtigt worden, weil fie allein als grundlegend für die Kultur der 
fpäteren Zeiten von allgemeinerer Bedeutung iit und unferem Ver- 
{tändnifs am nächflen liegt. Auch innerhalb diefes Gebietes ift eine 
wefentliche Einfchränkung nöthig geworden. Es empfahl {ich nicht, 
der bildenden Kunft der Griechen und Römer, obgleich fie die 
edelfte Blüthe ihrer Kultur ift, einen breiteren Raum anzuweifen, 
da ihre Denkmäler in einer befonderen Sammlung (in den Kunft- 
gefChichtlichen Bilderbogen), die der vorliegenden als Ergänzung 
dienen foll, zufammengeftellt worden fmd. Nur ihre technifche Seite, 
die Kunft als Handwerk, durfte nicht übergangen werden und ferner 
nicht der Gefammtbereich deffen, was fie zu unmittelbarem Gebrauch 
des "Lebens, für Feile, Spiele und die Bedürfniffe des Kultus ge- 
fchaffen hat. Dafs ihr die erite Stelle zugewiefen ift, entfpricht der 
Bedeutung, die ihr das Alterthum, namentlich Griechenland, felblt 
zuerkannt hat. Wir beginnen mit der Kunft und werden am Ende 
unferer Ueberflcht bei dem Beflattungswefen anlangen, ein weiter 
Weg, der uns durch alle Phafen des Lebens der Alten, zu ihren 
öffentlichen und privaten Verrichtungen, ihren Sitten und Gebräuchen, 
in ihre Tempel, Wohnungen und Werkttätten führen wird, foweit 
uns die Denkmäler eine Anfchauung davon vermitteln. 
Wie diefe Denkmäler anzuordnen waren, konnte der Befchaffen- 
heit des Materials nach nicht zweifelhaft fein. Eine rein chrono- 
logifche Gruppirung hätte für manche Epochen grofse Lücken 
aufweifen und in vielen Fällen durch die Unficherheit der Datirung 
zu Fehlgriffen verleiten müffen. Sie hätte aber vor allem den Vor- 
theil, das inhaltlich Gleichartige fich gegenfeitig erläutern zu laffen, 
preisgegeben. Auch griechifche und römifche Kultur von einander 
zu trennen, wäre mifslich gewefen, da beide vielfach durch enge 
Analogien verbunden fmd und häufig die eine mit ihren Denkmälern 
für die andere nicht bildlich zu erläuternde als Aushülfe eintreten 
kann. Es ift aus diefen Gründen vorgezogen worden, das Material 
lllfläChil gegenftändlich zu ordnen und zwar der Art, daß das Zu- 
fammengehörige möglichft auf derfelben Tafel vereint geblieben ift 
und duTCh blüfse Vergleichung fchon das Verftändnifs der Dartlel- 
lungen gewonnen oder wenigüens vorbereitet werden kann. 
Nur in den Fällen, wo die Bilder reichlicher vorhanden waren 
und ein Entwickelungsgß-Ilg aus ihnen veranfchaulicht werden konnte, 
iil verfuCht W0rd6n, Völker und Zeiten zu fondern, Griechen und 
Römer, ältere und fpätere Zeiten auseinander zu halten, fo in den 
Abfchnitten Kultus, Kriegswefen und Beftattung. Indefs ift die 
Scheidung nicht immer ftreng durchzuführen und manchmal die 
Zutheilung nur auf einen äußerlichen Anhalt hin gefchehen. Manches 
Bildwerk hätte mehrmals angeführt werden müffen, ift aber nur an 
der wichtigften Stelle benutzt worden, da Wiederholungen zu ver- 
meiden natürlich als ftrenges Princip (mit wenigen, fich felbft recht- 
fertigenden Ausnahmen) feftzuhalten war. Andere Darftellungen 
von einem, das vorgefchriebene Mafs überfchreitenden Umfang 
lind, wenn es dem Verftändnifs derfelben nicht Eintrag that, verkürzt 
oder nur Einzelheiten aus ihnen herausgegriffen worden, und auch 
fonft hat das der Anordnung zu Grunde liegende Princip nicht 
immer ftreng durchgeführt werden können, fondern gelegentlich eines 
befonderen Vortheiles wegen kleine Abänderungen erleiden rnüffen. 
Zu weiterer Verdeutlichung des Inhalts und um dem gelehrten 
Benutzer das Heranziehen der Quellenwerke zu erleichtem, ift in 
den Unterfchriften eine kurze Bezeichnung des Gegenftandes ge- 
geben, Herkunft und jetziger Aufbewahrungsort, die verwendete 
Vorlage oder die ihr zu Grunde liegende Originaldarftellung und, 
wo der Raum es zuliefs, auch ein Verweis auf weitere Literatur 
hinzugefügt worden. Die folgenden Erläuterungen befchränken {ich 
daher, dem Plane des ganzen Sammelwerkes gemäfs, darauf, die 
Gefichtspunkte anzudeuten, welche für die Bilderwahl mafsgebend 
gewefen find, das Gleichartige auch durch Verweife zufammenzu- 
ftellen und, wo es angeht, den Entwickelungsgang mit einigen Worten 
zu fkizziren. Wer fxch darüber hinaus über die Einzelheiten der 
Daritellungen eingehender unterrichten will, findet die gewünfchte 
Auskunft entweder in der unter jedem Monument citirten Stelle, 
oder in den an der Spitze der einzelnen Abfchnitte genannten 
Werken.  
rundung zu geben. Daher befchränkt {ich der Künfller in der 
älteren Zeit  die fpätere, helleniftifche Kunft kommt, wie in vielen 
Dingen, fo auch hierin dem modernen Empfinden näher  gern 
auf die Figuren allein, er überläfst es dem Befchauer, den Hinter- 
grund fich hinzuzudenken, giebt an Beiwerk nur das Unentbehrliche, 
wodurch es um fo augenfälliger wird, und legt dafür den Nachdruck 
auf bedeutfame Motive, ausdrucksvolle Stellung, fprechende Geften, 
charakteriflifche Bekleidung und Attribute, endlich auf die feinfle 
Berechnung in der Vertheilung und Entfprechung der Figuren. An 
Stelle ausführlicher Schilderungen, wie fie die moderne Kunst liebt, 
finden wir daher oft nur Einzelfiguren, deren Verhältnifs zu einander 
nur die genauere Kenntnifs antiker Sitte oder die Vergleichung mit 
anderen ausführlicheren Darflellungen erklären kann. So ift eine 
Scene aus einem mufikalifchen Wettkampf etwas ausführlicher, doch 
ohne jede Andeutung der Localitat" des Vorganges, auf dem Vafen- 
bilde VII, 14 dargeftellt, der Sänger mit der Cither auf dem Podium, 
der Preisrichter fitzend daneben, dabei zwei Zuhörer. Auf die 
einfachfte Form ift diefelbe Scene dagegen in dem V afenbild VII, 3 
zurückgeführt, deffen beide Figuren, Preisrichter und Flötenbläfer, 
noch dazu auf Vorder- und Rückfeite des Gefäfses vertheilt waren. 
Noch ein Umüand bedarf dem Laien  nicht dem Fachmann 
 gegenüber der Erklärung, die Unvollkommenheit der Darflellungs- 
weife realer Vorgänge und fachlicher Einzelheiten in der claffifchen 
Kunft, Der ungeübte Blick wird vieles in den Bildern diefer Samm- 
lung unveriländlich oder feltfam finden, was dem mit antiken Denk- 
mälem Vertrauten fich ohne Commentar erklärt. Es ift der hohe Vorzug 
der griechifchen Kunft, dafs fie, der Wirklichkeit abgewendet und 
daher lange Zeit zu hiftorifcher Realiflik unfähig, die Stoffe meifl aus 
dem Gebiet des Mythos und der Sage entnommen und in diefer 
Gewöhnung auch Alltagsfcenen häufig typifch verallgemeinert oder" 
durch Einfügung mythologifcher Figuren in eine ideale Sphäre 
erhoben hat. Damit hängt das Streben zufammen, den Gedanken 
möglichft in der einfachften Form, diefe aber in der größten Ab- 
Sehr beliebt ift eine Bilderfprache, welche durch Einführung 
einer mythologifchen Figur in eine Alltagsfcene die ethifchen Motive 
oder das Refultat des Vorganges zu verdeutlichen fucht. So be- 
zeichnet Eros die Empfindungen der Liebe, welche die Anwefenden 
verbinden, Nike das Gelingen einer Handlung, den frohen, erfolg- 
reichen Ausgang derfelben. Daher befchäftigen {ich in dem Vafen- 
bilde VIII, 2 die Siegesgöttinnen mit einem Kitharfpieler, zum 
Zeichen, dafs er als Sieger aus dem Wettkampf hervorgehen wird, 
oder Athene als Göttin gefchickter Kunilarbeit erfcheint in der 
Werkftatt des Vafenmalers und bekränzt den handfertigen Meifter, 
wie die fie begleitenden Siegesgöttinnen dasfelbe bei den Gefellen 
thun (LXVIII, 2). Oft verllüchtigt {ich der Gedanke noch weiter, 
in poetifcher Vorflellung wird Eros der dienileifrige Gefpiele fchöner 
Mädchen und Knaben, der häuflg, wie Nike, das Siegeszeichen des 
Kranzes oder der Binde in den Händen hält (LXXIX, 6. 7. LXXX, 
r. LXXXIII, r. I4 u.  und fo in das Leben und Treiben der 
Menfchen eingeführt, werden die Eroten fchliefslich felbfl als Stell- 
vertreter derfelben betrachtet. Namentlich in Bildern, deren Erfin- 
dung der helleniflifchen Zeit angehört, finden wir fie häufig bei den 
Verrichtungen der Handwerker, fie find bald Schuller LXXII, r, 
bald Tifchler LXXII, 12, bald Mufikanten VII, 12, fie fmd an der 
Olivenpreffe thätig LXV, r 3, mit Blumenwinden befchäftigt LXXVlII,
        

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