Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Altertum
Person:
Schreiber, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705290
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705577
UNTERRIGHTSXVESEN. 
ue der Auffaffung wiedergeben. Es find die Bilder Tafel LXXXVII, 
 Tafel LXXXVIH, 1- 5. LXXXIX, 1--4 und T extvignette IO- 
Hintergrunde find {lets die Säulen des Porticus fichtbar. Theils 
:rhalb des Umganges, theils im Freien fpielt fich das Leben 
Treiben des pompejaiiifchen Kleinhandels in buntem Durch- 
nder ab. Zunächft (LXXXVII, r) fehen wir eine Gruppe fich 
srhaltender Männer, jeder mit einem Flafchchen in der Hand, 
eine aus einer flachen Schale trinkend, es ift eine Frühftücks- 
e. Andere lefen die neueften Anzeigen auf dem Album vor 
Reiterftatuen (ebenda Fig. 4 vergl. das Album am Gebäude der 
iachia zu Pompeji Fig. 5). Auf dem Bilderflreifen LXXXVIII, 1 
 links mit Kleidern gehandelt, daneben empfiehlt der Keffel- 
Jied feine Waaren, rechts hat fich ein Brodverkäufer nieder- 
ffen. Auf einem anderen Bilde LXXXVIII, 5 hat ein Schuh- 
her grofse weibliche Kundfchaft um fich verfammelt, der er 
Güte feiner Waaren vordemonftrirt. Zu gröfserer Deutlichkeit 
diverfe Schuhfohlen in den Hintergrund gemalt. Links von 
ift der Stand eines Victualienhändlers. Ein Garkoch macht 
Gefchäfte auf dem Bilde LXXXVIII, 4. Die anderen, nur 
fragmenten erhaltenen Bilder diefer Tafel zeigen einen zwei- 
igen Karren und ein gefatteltes Maulthier (Fig. 2), einen blinden, 
einem Hündchen geführten Bettler und hinter einem Reiter- 
ibild zwei fich neckende Knaben (Fig. 3). Tafel LXXXIX, r 
viederum eine Handelsfcene, ein Tuchhändler, deffen Waare 
fitzende Männer prüfen, während ein Gehülfe des Kaufmanns 
zögemden Frauen zur Rechten zuredet, näher zu treten. Ein 
ihmacher, einem Kunden Mafs nehmend, Fig. 2. Noch nicht 
zr erklärt ift Fig. 4 (Einführung eines Mädchens in die Schule  
rommen deutlich dagegen die Darftellurig des Bildes Fig. 3, 
'Schule, die im Freien abgehalten wird und über deren ftrenges 
iment die Execution zur Rechten keinen Zweifel läfst. Ein 
be, fich im Zeichnen übend Vign. ro. 
Sehrift- und Unterrichtswesen- 
T b. Birt, Das antike Buchwefen in {einem Verhältnifs zur Literatur. Berl, 1882. 
V, Gardtlzaufen, Griechifche Palaeographie. Leipzig 1379. 
Der Unterfchied des antiken und modernen Schriftwefens be- 
ruht befonders darauf, dafs die Alten ein handliches und haltbares 
Papier nicht hatten und das Gefchriebene nicht, wie wir, vervielfältigen 
konnten. Wichtige Urkunden (Staatsverträge, Rechtsfatzungen, Cult- 
vorfchriften) wurden auf Marmor oder Erz eingegraben. Flüche 
und Zauberformeln, durch welche lebende Perfonen den unter- 
irdifchen Göttern geweiht werden follteh, fchrieb man auf Blei- 
tafeln, die in die Erde gegraben wurden XCI, 9. Auch auf Thon- 
fcherben pflegte man Notizen des täglichen Lebens zu machen 
XCII, 5. Befferes Schreibmaterial bot das Holz (tabula XCI, 3. 7); 
entweder wurde direkt auf die Holztafel gefchrieben XCII, 6, oder 
auf einen Kreideüberzug (album), am gewöhnlichflen auf eine Wachs- 
fchicht (cera) XCI, 2. 5. 7. LXXXIX, 9. Diefe Holz-, Kreide- 
oder Wachstafeln waren bald einzeln XCII, 1. 6. XC, 8, bald 
doppelt und durch Charnier verbunden XCI, 3. 6. XCII, 2. 
LXXXIX, 9, bald mehrtheilig XC, r. 3. 4. 6. Die zweitheilige 
Schreibtafel hiefs Diptychon, die vieltheilige Polyptychon. Sie 
wurden, um die Schrift zu fchützen, zufarnmengeklappt und mit einem 
Riemen (XC, 4) umfchnürt XC, r. 5. Einzelne Tafeln wurden 
oft zufammengefafst und mit einem Griff verfehen (Codex anfatus 
XCI, 4). Der Deckel des Diptychons wurde oft künfllerifch durch 
Schnitzarbeit verziert. Das Elfenbeindiptychon der Berliner könig- 
lichen Bibliothek XCI, 1 ift eines der intereffanteflen Beifpiele. 
Es flammt aus dem 4. oder fpäteflens aus dem Anfang des 5. Jahr- 
hunderts n. Chr. und ift von Rufius Probianus zum Andenken an 
feine Amtsführung als Vicarius Urbis Romae verfchenkt worden. 
Wir fehen das Arntslokal desfelben. Die unten {lebenden Männer 
erheben die Hände zur fogenannten Acclamatio. Den Glückwunfch, 
welchen fie ausrufen (Probiane floreas), fchreibt der fo Geehrte 
felbfl auf Das zwifchen den erwähnten Männern befindliche Ge- 
räth ift vermuthlich das Amtstintenfafs (uoruiulsrov). 
Für die Zwecke der Literatur wurde häufiger der aegyptifche 
Papyrus angewendet in Form von Rollen, die beim Lefen auf der 
einen Seite zu, auf der andern aufgerollt wurden LXXXIX, 8. 
XCI, 8. XCII, 12. Zum Schutz wurden die Schmalfeiten durch 
Stäbe verflärkt, die in Knöpfe-oder Hörner (cornua) ausliefen, um die 
Windungen der Rolle feft anzuziehen XC, 8. XCI, 7. Die Rolle 
wurde zum Schutz in ein Pergamentfutteral gefleckt und der Titel auf 
ein Pergamentfähnchen gefchrieben XCI, 7. LXXXIX, 9. Den Ver- 
fchlufs der Pergamentrolle f. XCII, 11. Rollenbündel LXXXIX, 7. 
XCI, 4. Capsa für Rollen XC, 7. 8. 
Pergarnentcodices wurden befonders in den letzten Zeiten des 
Alterthums angewendet. Der Art find die Codices in dem Bücher- 
fchrank XCII, 4. Zum Schutz diente ein Zeugüberzug (carnifia) 
LXXXIX, 7. 
Die Schreibgeräthe wechfelten mit 'den zu befchreibenden 
Stoffen. Auf Wachs fchrieb man mit dem stilus LXXXIX, 5. 9. 
XC, 1. 5. 7. XCI, 3. 5. 6. 7. Das andere Ende desfelben dient 
zum Auswifchen der Schrift, zum Wiederglätten der Wachsfläche 
und iit daher abgeplattet XC, 5 oder gerundet LXXXIX, 5. Auf 
Papyrus oder Pergament fchrieb man mit der Feder, die aus Rohr 
LXXXIX, 10. XCI, 6. 7 oder Metall LXXXIX, I3 beftand. Man 
verwendete Federbüchfen, wie üe unfere Schulkinder gebrauchen 
LXXXIX, 12, auch die Reifsfeder iü bekannt ebenda Fig. rr und 
der Rothftifthalter Fig. 14. Für das Abmeffen der Zeilen und beim 
Zeichnen der Miniaturen braucht man den einfachen oder den ver- 
kleinemden Doppelzirkel XCII, 7-9, vergl. ebenda Fig. 4. Metall- 
{iempel XCII, xo fmd vielfach in Gebrauch, namentlich zum Auf- 
drücken der Fabrikrnarken auf Thonwaaren. Dafs die Alten bei 
folchen Stempeln bewegliche Typen angewendet, ifi zwar behauptet, 
aber nicht erwiefen. 
  
   
Vign. 10, Zeichnender Knabe, Forumfcene. 
Wandb. aus Pompeji. Helbig Nr. 1494. 
Was das Unterrichtswefen betrifft, fo ift uns eine römifche 
Volksfchule bereits unter den Forumsfcenen aus Pompeji LXXXIX, 3 
begegnet. In eine attifche Schulftube des 5. vorchrifllichen jahr- 
hunderts führen uns die Bilder einer von Duris bemalten Schaale 
des Berliner Mufeums XC, r. 2. Auf der einen Seite (Fig 2) frtzt 
inmitten der bärtige Lehrer und überhört den vor ihm {tehenden 
Knaben aus einer Rolle, worauf der Anfang eines epifchen Ge- 
dichtes fleht (Momo? um d(,u)gl Sxoiyazlägov äaigifg)w(oo)v 
ägxorwu äsirdszr). Der Pädagog, durch einen langen Stab gekenn- 
zeichnet, frtzt neben feinem Püegling. Linkerfeits ift Mufrkflunde 
und zwar Unterricht im Leyerfpiel, wobei der Knabe im Finger- 
halten unterwiefen wird. Auf dem andern Bilde (Fig. r) corrigirt 
ein jugendlicher Gehülfe des Lehrers das Scriptum, derfelbe unter- 
richtet auch im Flötenfpiel, der Pädagog itl wiederum anwefend. 
Allerlei Schulgeräth ift an der Wand aufgehängt: eine Papyros- 
rolle und ein Diptychon, eine Leyer, ein noch unerklärter Gegen- 
{tand (Lineal?) und ein Lederfack. Dazu kommt im Gegenbild 
ein Efskorb, ein Flötenfutteral und zwei Trinkfchaalen, gleich der- 
jenigen, welche die Vafenbilder enthält. Den Gang zur Schule 
in Begleitung des Pädagogen oder der Amme zeigt das Vafenbild 
XC, 9 (vergl. die fpätere Tracht des Pädagogen XCV, 9) und 
das Grabrelief eines wohlerzogenen jünglings LXXXIX, 8 {teilt 
alle Attribute zufammen, welche deffen gute Erziehung beglaubigen: 
Striegel, Schwamm und Salbfläfchchen als Geräthe des Gymnafrums, 
Leyer und Rolle als Schulgeräthe und den Kranz als Zeichen, dafs 
er in allem, in den ygoijrizara, in yovarxij und yviuwxdrzxrj, des 
Preifes würdig gewefen. Vergl. noch den Schulknaben mit Tafel 
und Griffel LXXXIX, 5. Ein ABC ifl als Lefevorlage auf die 
Flafche LXXXIX, 6 eingegraben, zugleich mit einem Syllabar 
zum Buchftabiren: ci ca cu ce; vi va vu ve u. f. w. Rechen- 
tifch und Rechentafel XCII," r vergl. LX, 6. Bücherfchrank mit 
verfchiedenen gebundenen Codices XCII, 4. Endlich ifl jetzt auch 
das Lokal der berühmten Bibliothek zu Pergamon bekannt geworden. 
Es befand frch auf der Akropolis beim Tempel der Athena und 
lfefland aus einer Halle, in welcher man die Rollen lefen konnte, 
und dahinter liegenden kleinen Zimmern, die zur Aufbewahrung 
der Bücherfchätze dienten Tafel XCII, 3. 
Das Anfchauungsmaterial der Schulen war natürlich fehr kärglich. 
Man rechnet dazu eine Klaffe kleiner, meift aus einem leicht bearbeit- 
baren Stein (palombino) hergeflellter Tafeln, auf welche in fum- 
marifcher Form eine Inhaltsüberfrcht gewiffer Dichtungen eingravirt
        

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