Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Altertum
Person:
Schreiber, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705290
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705525
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MARINE. 
STAEDTEBAU. 
Grabrelief XXXIV, 1, und foweit es gelingen will, das mykenifche 
Vafenbild XXXIV, 4. In den Darftellungen aus der Blüthezeit, nament- 
lich auf attifchen Tempelfriefen, mufs dagegen die Wirklichkeit der 
Schönheit manche Conceffionen machen; das Coftüm, die Bewaffnung 
wird nach älthetifchen Rückfichten bald mehr, bald weniger ver- 
einfacht (fo wohl auch in XXXVIII, I und 4); um das Geficht 
nicht zu verdecken, wird der fchwere fogenannte korinthifche Helm 
(der in archaifchen Bildern richtig über den Kopf gezogen erfcheint_ 
XXXIV, 5) auf den Hinterkopf zurückgefchoben (XXXVI, 4. 7. 
XXXVII, 1-3, fo fchon XXXVI, 8) u. a. m. Afiatifchen Einflufs 
in der Wiedergabe von architektonifchem Beiwerk verrathen die 
lykifclien Reliefs auf Tafel XXXVI und XXXVII, die überhaupt 
realiflifcher gehalten find, obgleich fie die Wirklichkeit noch immer 
höheren {liliflifchen Forderungen unterordnen. Hiftorifchen Inhalt 
haben allein die Reliefs von Xanthos und das Alexandermofaik 
XXXVIII, 2. Derartige rein künftlerifche Rückfichten kennt die 
rörnifche Kunft nicht mehr, welche in den Triumphalreliefs und 
befonders in den Darilellungen der Triumphalfäule Kaifer Trajans 
fich zu meißerhafter Charakteriflik erhebt. 
Die Anordnung der Tafeln giebt ungefähr die Zeitfolge: aus 
der älteiten "homerifchen" Epoche flammen XXXIV, 2. 4; die 
übrigen Darftellungen diefer Tafel (aufser XXXIV, 6. 7), die auf 
Tafel XXXV nebft XXXVI, 8 und XXXVIII, 7 u. ro fallen in 
die archaifche Epoche; in das 4. und 3. Jahrhundert alle anderen 
Denkmäler. Kleinafxatifcher Krieger XXXVIII, 3; lykifche Be- 
waffnung (Sichelfchwerter und F lügelfchmuck der Helme) XXXVII, r 
rechts oben; fkythifche Tracht und Bewaffnung XXXVIII, 11, 
fkythifche Reiterei in Athen XL, 7 (das Innenbild). Etruskifch 
XXXVIII, 9. XLIII, 2, 3. Lucanifche Krieger in dem Grab- 
gemälde von Paeftum XXXVIII, 8. Erhaltene Rüstungsllücke und 
Waffentheilei Dolchklingen, Schwerter und Lanzenfpitzen XXXIV, 2. 
XXXV, 5- rr. XXXVII, 4. 5. 7. 8. Bronzebefchlag eines Gürtels, 
welcher zum Schutz des Unterleibes unmittelbar über dem Chiton 
oder der Tunika getragen wurde XXXVIII, ro. Beinfchienen 
XXXIV, 6. 7. Griechifche Helme XLIII, 4. 9-11. 14  15. 
Aeufseril reichhaltig ift das Material für das römifche 
Kriegswef e n. Namentlich in den Rheingegenden find römifche 
Waffen in grofser Anzahl gefunden worden: Tafel XXXIX. XL. 
XLII. XLIII. XLV. Stücke eines Cohortenzeichens (fignum) XLII, 
1-3 cf. XLV, I. Das Vexillum XLV, 2. 3. Auf den Grabileinen 
der römifchen Soldaten wird der Veritorbene {lets mit allen Ab- 
zeichen feines Ranges in voller Ausrüflung und oft mit allen Verdienfl- 
zeichen abgebildet. Die letzteren (phalerae) XLII, 9. XLIII, 16. 
XLV, 6. Der Leibrock mit den Ehrenzeichen allein auf dem 
Grabcippus XLI, 9. Eine ausführliche 'bildliche Darilellung der 
Feldzüge Trajans in Dacien und des Marc Aurel gegen die Marco- 
mannen finden wir auf den Reliefs ihrer T riumphalfäulen in 
Rom. Wir begleiten in den erfteren alle Phafen des Krieges, vom 
Auszug des Heeres XLII, ro. rr und dem erilen Opfer des Kaifers 
Trajan vor der Donaubrücke XXXIX, 2 an zur Erftürmung der 
dacifchen Hauptlladt XXXIX, r, zur Zerftörung eroberter Städte 
XLIV, r. 2. Wir fehen die Legionsfoldaten beim Wall- und 
Lagerbau XLI, 2. 8 (Plan des Lagers XLI,  u. f. w. Die in 
künfterifcher Hinficht gegen jene zurückitehenden Reliefs der An- 
toninsfäule zeigen uns z. B. den Vorwartsmarfch in Carreeformation 
XLI, 3 und den Angriff auf eine germanifche Befelligung XLIV, 8. 
Belagerungsmafchinen XLIV, 6. 7. Ueber Städtebefeftigung vgl. 
unter Stadtebau Tafel XLVIII-LI. 
Marine. 
ß, Gzlafer, De veterurn re navali, Berol 1864, 
Derselbe über das Seewefen der Alten. Philologus IIL, Suppl. p. 134-284. 
Cartault, sur 1a triere alhenienne, Bibliotheqire des Ecoles frang. (l'Athenes et 
de Rome fasc. XX. 
Bauart und Einrichtungen des griechifch-römifchen Seefchiffs 
verdeutlichen die Denkmäler nur fehr unvollkommen. Die erhaltenen 
Refle find lediglich Schmucktheile, wie das bronzene Bugbild 
XLVII, 7. Der Unterfchied des antiken Schiffs vom modernen 
liegt hauptfächlich darin, dafs der Bau des erfleren von möglichfter 
Steigerung der Ruderkraft ausgeht, was befonders vom Kriegsfchiff, 
weniger von Handelsfahrzeugen gilt. Daraus ergiebt fich eine 
bedeutende Stärke der Bemannung, und diefe machte wiederum die 
äufserfte Raumausnutzung nöthig. In der Vermehrung der Ruder- 
reihen gelangte man bis zum Sechzehn- und Vierzigruderer. Die 
höchfte Leiftung des antiken Schiffsbaues war jedoch der athenifche 
Dreiruderer, deffen Ruderfyitem ein attifches Relieffragment XLVI, 8 
verdeutlicht. Darnach die Reconftruction Lemaitres ib. Fig. 4-7. 
Die älteften Darftellungen finden fich auf Vafen der fogenannten 
Dipylongattung, welche fich in Athen bis in das Ende des 7., viel- 
leicht noch während des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Gebrauch erhält. 
Es lind Segelfchifte, welche durch einen Stachel am Vorderbug zum 
Seekampf ausgerüftet frnd XLV, 7. 8. Die hocharchaifche Dar- 
ftellung der Vafe aus Caere XLVI, 2, jetzt im etruskifchen Mufeum 
des Capitols in Rom, ift f1gnirt als Werk des Ariftonophos. Sie wird 
neuerdings bezogen auf einen Kampf zwifchen griechifchen regulären 
Truppen mit Seeräubern. Die letzteren greifen mit einem Ruder- 
fchiff (Mangel vafrg) an, erftere (die auch in dem Maflkorb einen 
Krieger poftirt haben) fahren mit einem Segelfchiff (öixvzrog). Attifche 
Fifcherboote XXIII, 8. XLVI, 9. LXIII, 6 cf LXIV, 6. 8. Grie- 
chifche Handelsfchiffe auf einem fchwarzngurigen Vafenbild XLV, 
9-11. Das Münzbild XLVIII, 5 giebt das Siegesdenkmal des 
Demetrios Poliorketes wieder, welches von ihm nach dem Seefieg bei 
Salamis in Cypern auf Samothrake errichtet wurde, das Koloffalbild 
einer Siegesgöttin (jetzt im Louvre), welche triumphirend auf dem 
Vordertheil des Feldherrenfchiffes fleht. Das Grabrelief eines 
römifchen Schiffbauers LXXIII, 9. Grabftein eines Soldaten der 
mifenifchen Flotte XLIII, 20. Römifcher Schiffsbau Tafel XLVII. 
XLVUI, 3. 4. Altcampanifch XLVIII, I. Idealbild eines griechifch- 
römifchen Hafens XLVIII, 2. Helleniilifche Hafenanlage LXIV, 8. 
Städtebau. 
f]. Nrßkn. Das Templum. Airtiquarifche Unterfuchtingen. Berlin ISGQ. 
Devfeläe, Poinpejanifche Studien zur Städtekunde des Alterthtmts, Leipzig 
Die griechifchen Architekten verwendeten den Marmorq 
fait nur beim Tempelbau, geringeres Steinrnaterial für öffen 
Anlagen, welche gröfsere Feftigkeit erforderten, für Stadtm 
und T hore, für Brücken und Thürme, während das Wohnhau 
Luftziegeln (rrlivöoi aiyoei, lateres crudi) erbaut wurde. l 
lind von den nicht völlig zerftörten griechifchen Städten aufse 
Ruinen der Tempel, der Säulenhallen, Marktthore u. f. w. i' 
Regel nur die Umfaffungsmauern übrig geblieben. Die ä 
Thoranlage, das Löwenthor vonMykenae XLVIII, 8 und die ül 
auf den Tafeln XLVIII_LI zufammengellellten Beifpiele z 
die Art der Conitruktion, der Thorüberdeckung, vorgefchr 
Schutzmauern u. a. m. Der Wachtthurm zu Andros L,  
Wachtthurm, Bruitwehren und Umgang der Stadtmauern von Po 
LI, 6-11. Die verfchiedenen Arten des Mauerbaues verdeutl 
LII, 1-9. Vgl. IX, 8. 9. Der Backlteinbau kommt in Grie 
land in Alexanders Zeit auf, wird dann nach Italien übert 
und erhält hier feine volle Durchbildung, namentlich durch 
wendung für die Conflruktion weitgefpannter Deckenwölbunger 
5. 6. LVIII, 7. 8. Am Geifon und Dache griechifcher Baui 
hatte die hartgebrannte, buntbemalte Terrakotta fchon in äl 
Zeit als Holzverfchalung gedient, was noch im Steinbau feftgel 
wurde (X,  Von da an bleibt das Ziegeldach ftänd 
Gebrauch LII ,ro--r2. 15. 16, neben der Dachdeckung 1nit M2 
und Bronzeplatten (Pantheon). Bronzene Dachbalken der V0: 
des römifchen Pantheons LII, 14. Holzfachbau in Aegj 
LIII, 7. 9. 
Was die Entwickelung des VVohnhaufes betrifft, fo find c 
ältelte Formen nur noch aus den Nachbildungen altitalifcher Af 
urnen erlichtlich. Die Grundtypen lind darnach: A. der Run 
die cylinderfönnige, aus dem Zelt hervorgehende, mit fp 
Strohdach abgefchloffene Hütte (vgl. die fogen. Hausurnen 
Albano). Diefe Hausfonrl ift in der Epoche der italifchen l 
bauten (terremare) üblich, fie erhält iich als Hirtenhütte un 
helleniftifchen Gartenbaustil LIII, 9 bis in die römifche Zeit. B 
Haus mit Giebeldach (tectum pectenatum) vgl. die Horentin 
Afchenurne LIII, 4 mit feitlicher Dachöffnung zum Raucha 
Nach diefem Syftem ift die athenifche Grabkammer XCV, j 
gelegt, unter deutlicher Anlehnung an den Holzbau, wie die l 
balken beweifen; anders das Steinhaus auf dem Berge Ocha, d 
Entftehungszeit unficher ift, LIII, 1-3. C. Das Haus mit 
nach allen vier Seiten fchräg abfallenden Walmdach (tectum  
dinatum) und Lichtöffnung in der Mitte vgl. die Hausurne LI. 
Diefer letztere, für das alleinftehende Haus erfundene Typus fc. 
enoch in dem römifchen Bauernhof auf dem Relief LXIV, 2 
gewendet zu fein. Er enthält bereits den Keim zu dem Implu 
des toskanifchen Atriums. Das Giebeldach, in griechifch-römi: 
Zeit die Auszeichnung des Tempels, findet {ich wieder in Pn 
bauten (oder Kapellen?) frühchriftlicher Zeit LIII, 8.
        

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