Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Altertum
Person:
Schreiber, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705290
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705507
 
die Porträtzüge des berühmteften Bildhauers der Alten, des Atheners 
Phidias, das Selbftporträt des Künitlers, welches er auf dem 
Schild der Parthenos angebracht hatte, in einer fkizzenhaften Nach- 
bildung erhalten ift IX, 7a und b. Die Arbeit an einer Tempel- 
ftatue aus Gold und Elfenbein fcheint der Vafenmaler des Bildes 
VIII, r haben darftellen wollen. Sich felbft verewigte wohl der Bild- 
hauer des Reliefs in der Grabkammer bei Vari VIII, 5. Auf einer 
Schale aus Vulci VIII, 6 fehen wir die Anfertigung einer 
Erzgruppe, das Cifeliren der fertigen Figuren, die Modelle der 
Werkzeuge an der IIIand und in den zufchauenden Männern 
vielleicht die Beamten, denen die Ueberwachung der Ausführung 
des Monumentes anvertraut war. Das Atelier eines Toreuten mag 
die heroifche Scene IX, r verdeutlichen. Der plaftifchen Arbeit 
half nach altem Kunllgefetz die Bemalung (Polychromie) nach, wie 
wir fie auf dem Vafenbild IX, 4 und dem Wandgemälde VIII, 4 
wiedergegeben finden und aus, zahlreichen Farbfpuren an den 
Monumenten noch nachweifen können (vgl. XXXIV, 1. LXIV, 2). 
Die Malerutenfilien gleichen vielfach den noch jetzt gebrauchten: 
Palette, Farbenkaften, Staffelei, Tiegel zum Farbenreiben zeigen 
die Bilder VIII, 2. 3. 7. 8. IX, 3. Charakteriftifch ifl der eiferne 
Spachtel zum Auftragen der Wachsfarben (Enkaustik) VIII, Fig. 7 a, 
g, Fig. 7 b, e. Ein Miniaturmaler bei der Arbeit XCII, 4. Für 
das Kunfthandwerk, welches aber mit der freien Kunft aufs engfte 
zufammenhängt, vergl. die Tafeln LXVIII bis LXXI („Gewerbe"). 
Auf das Gebiet der Architektonik führt uns ein Grabgemälde der 
Via Appia, die Portratfigur eines römifchen Architekten mit dem 
Griffel zum Entwerfen der Baufkizze in der einen, Tafel und Lineal in 
der andern Hand, Winkelmafs und Lothwaage daneben IX, 2. Die 
Mefsgerathe zufammengeflellt IX, rr. Laften hob man entweder 
durch Emporfchleifen auf einer angefchütteten fchiefen Ebene, die  
fpäter wieder entfemt wurde, oder vermittelst des Flafchenzuges, 
der am Hebebaum befeftigt und durch ein von Menfchenkraft 
getriebenes Tretrad in Bewegung igefetzt wurde IX, 5. IO. Die 
Vorrichtungen zum Befeftigen der Klammem und Stricke find fehr 
Iinnreich erdacht IX, 6a_f, wie überhaupt in technifcher Hinficht 
die griechifche Architektur die höchite Vollendung erreichte. Das  
künllliche Syftem des Verdübelns und Ineinanderzapfens der Marmor- 
blöcke, um fie möglichfl feil zu binden, erkennt man an der 
Quaderfchichtung des Parthenon IX, 9; falzartige Einfchnitte 
zum Schutz der Mauerkante IX, 8, ebenfolche zum Schutze der 
Kanten der Stofsflächen an den Säulentrommeln X, 3 (wo auch  
die Art der Verdübelung {ichtbar ift). Die Struktur des Innenbaues 
des Tempels veranfchaulicht der Idealentwurf X, r, diejenige des 
Aiufsenbaues X, 2, die Entwickelung der Steinarchitektur aus dem 
Holzbau X, 6. Aus dem erlteren übernahm der in hiftorifcher Zeit 
allein übliche Steinbau die Verkleidung der Gefimfe und Dach- 
tlächen mit polychromen Thonplatten X, 5 u. 7. Für weiteres vergl. 
die Abfchnitte Cultus, Feftfpiele und Beftattungswefen. 
 Cultus. 
Hermann, Gottesdienftliche Alterthiimer der Griechen. 2. Auflage, bearbeitet 
von Stark. 
Mowuzfen und xllargzzardt, Handbuch der römifchen Alterthümer Thl. IV. 
Aus dem Gebiete der religiöfen Vorftellungen und Feile ent- 
nimmt die griechifche Kunft mit Vorliebe ihre Stoffe und auch 
die etruskifche und römifche Kunfl hängt noch fo fehr von ihnen 
ab, dafs keine Seite der antiken Cultur aus den Denkmälern fo 
reich illuflrirt werden kann, wie Glaube und Cultus. Die auf den 
Tafeln 11-20 gegebene Auswahl foll nur veranfchaulichen, an 
welchen Orten und unter welchen äufseren Formen der Cultus 
flattfand. 
Cultlocal und Cultbild. In vorhiflorifcher Zeit, ehe das 
künflerifch ausgeftattete Tempelhaus erfunden ilt, dienen Berghöhen, 
hochliegende Felspläne (XI, 13), Grotten (XI, 4) und Haine als 
Cultflätten. Man verehrt heilige Bäume und Steine (die vom 
Himmel gefallenen Bätylen) als Sitz der Gottheit. Erit allmählich 
entwickelt fich aus dem unförmlichen Cultmal das mehr und mehr 
 vennenfchlichte Götterbild (XI, 5_12. XII, 2.XIV, 4), während Refte 
des Baumcults {ich allenthalben erhalten XI, 14. XVII, 8. I 2. LXV, 1 2. 
cf. XII, 3. Der Tempel ilt nicht der Verfammlungsort der Gläu- 
bigen, fondern Wohnhaus des im Cultbild gegenwärtig gedachten 
Gottes, daher nicht weiträumig und, von nebenfächlichen Annexen 
abgefehen, auf die Cella befchränkt. Eine ältefte, vorhiitorifche 
Form deffelben fcheint auf der Infel Delos XI, 1--3 erhalten zu 
fein, welche entweder als Tempel des Apoll (mit Lichtöffnung 
für Himmelsbeobachtung) oder als Heroon (wegen der Opfergrube) 
erklärt werden kann. Grundtypen des griechifchen Tempels XII, 6. 8 
cf. 1 und X, 1. 2, des etruskifchen XVII, 4, des römifchen XVII, 2 
cf. XIX, 4. 5. Die Form des Rundtempels kommt im helleniftifchen 
Oflen auf XVI, 2 und wird von da nach Italien übertragen XVIII, 
2. 3 (Pantheon, Rom). Eigenthümliche Formen zeigt das Heroon 
zu Olympia XII, 7, der Peribolos zu Knidos XII, I I und das Heilig- 
thum auf der Infel Santorin XVI, 4 mit einer Weihinfchrift an die 
Bafileia. Kleinere Kapellen dienten dem religiöfen Bedürfnifs des 
Landvolks XVII, 8. LXV, 12, wie man auch Hekateia (XVI, 1 
cf. 3) und Hermen (LXIV, 3) an der Landftrafse aufftellte. 
Hermenculti XI, 7. XIII, 7. 8. XIV, 3. 8. XV, 20. XVI, 8. (Hermen 
im Gymnafium, Stadium u. f. w. XXV, I. LXXIX, I. 4). Häufig fleht 
das Cultbild im Tempel innerhalb eines befonderen Gehäufes, in 
Kapellen, wie fie im Pantheon noch an Ort und Stelle erhalten 
find XVIII, 2. Sehr einfach ifl die aedicula der Terra Mater 
XVII, 7; reicher gefchmückt lind viele der Hauskapellen in  
Pompeji, ein Beifpiel XVIII, 6. Im Hauscult begnügt man fich auch 
mit kleinen tragbaren Kapellen XV, 5. I4 cf. XVI, 6. Eine 
folche, auf einer Stange befelligt, führt der Metragyrt XX, 3 bei fich. 
Opfer und Fef t e. Der Vielheit der Cultvorllellungen und 
der religiöfen Gemeinfchaften entfpricht auch die Mannigfaltigkeit 
der Cultgebräuche. Der Gottheit kann jeder fich nahen, jeder 
opfern, der itaatlich erwählte Priefter fowohl, wie der Vorftand 
einer CultgenoffenfchaftrXV, r. XVI, 7, der Sieger im Wettkampf 
XXV. 8, das Haupt der Familie oder die Seinen XV, 18. XIV, 8. 
XCVI, 2 u. f. w. Opferhandlung auf griechifchen Vafen I 
XIII, 8. XVI, 8, etruskische Textvign. I, römifche XVII, 1. ; 
4. 5. XXXIX, 2 (Opfer im Feldlager). Adoration XIV, 3. 
XX, r (die Arme modern, aber wohl richtig ergänzt). De 
betheiligte fich am Cultus mit prächtigen Aufzügen: XII] 
4. 5. XIV, 9 (Panathenaeen in Athen), XIII, 6 (etruskifch), XIX 
(römifch). Culttänze XX, 2. 4. 6 u. 7. Vign. 5. 
Prieftertrachten. Was dieKleidungbetrifft, fo iPtbe 
die altadelige Priefterfchaft von Eleusis durch prächtige Feflt: 
ausgezeichnet XIV, z, ro. Sonil ziemt dem Priefter der pr 
Aermelrock XIV, 4 (mit vorgebundener Schürze) und X 
Eine Befonderheit ift das Netzgewand der Wahrfager X 
Hierodulentracht XX, 2. 4. Mehr Unterfchjede finden 
römifcher Zeit, die feierliche Toga mit Verhüllung des 
LXXXV, 11. XIX, I4, den Popa und Victirnarius XIX, 4. 
r, 3. XIX, 2), den Camillus mit dem ricinium XVII, 6. I! 
die Veitalinnen mit ihrer charakteriflifchen Kopfhaube XIX, 
am deutlichflen auf dem Münzbild Fig. 10, dazu mancherl 
ländifche Prieftertrachten, des Archigallus XVI, 9, des E 
prieflers XVIII, 9. 
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Vign. 5. Culttanz. Vafenb. Stackelberg, Gr. a. H. Taf. 35. 
Cultgeräthe und Weihgefchenke. Die für die 
heit beflimmten Gaben werden entweder auf dem Altar verl 
oder auf den daneben ftehenden Opfertifch gelegt oder im T 
aufgehellt, refp. an den Wänden desfelben aufgehängt. l 
dem Altar finden wir oft den der Gottheit geheiligten 
XII, 3. 9. XV, 1. XXV, 8, an deffen Zweigen die Weihgefc 
befefligt werden können XII, 3. Die Formen des Altars 
fehr veränderlich, die Grundtypen fmd a. der cylinderfä 
XV, 17, b. der vierfeitige, der_ entweder roh von Steinen 
fchichtet (XIX, 5 cf. XVI, 7) oder aus Afche erbaut (in O1 
XII, r u. a. a. O.) oder künfllerifch mehr oder weniger reich ausge 
iII, auch von kleinflen Dimenfionen bis zu den riefenhafte 
Altaranlage von Pergamon XV, 2 (die Reconflruction wird 
wefentlich anders durchgeführt) anwächft. Für den Wechfc 
Formen vergl. noch XI, 13. XII, ro. XIII, 8. XIV, 3 (in Fig. r er, 
XVI, 8. XVII, 1. 2. 4. 5. 9. XVIII, I. 4. 7. XIX, 9 und Textvigne 
Auch der Opfertifch itl oft als Kunftwerk behandelt worden
        

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