Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Altertum
Person:
Schreiber, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705290
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1705489
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EINLEITUNG.  THEATERYVESEN. 
8. 9 u. f. w. Leichtverfländlich ift die Gegenwart der Hochzeits-  dadurch verwirrend auf den Laien, befonders wenn architekto- mufs der Vafenmaler, der übrigens handwerksmäfsig fchnell prodr 
götter Apoll und Artemis in den Darflellungen der Heimführung nifche Staffage mitgefchildert werden foll. S0 ift es z. B. nicht und nicht verwöhnten Anfprüchen zu genügen hat, wie der Ku 
der Braut LXXI, r. 9 und in XIV, 2 die Vereinigung der eleufini- leicht, lich die Scene des Reliefs von Foligno XXVIII, 1  die töpfer unferer Tage, auf Farbenwirkung und feinere Nachbild 
fchen Prieflerfchaft mit den Myfteriengottheiten. Auseinandergehalten Schranken der Rennbahn mit der Kaiferloge (links), das prächtige des Details faft immer verzichten. Aufserdem zwingt ihn ein dr 
und je einer Gefäfsfeite zugewiefen wird Götter- und Menfchenwelt Einfahrtsthor (rechts), die Spina inmitten der Arena, die kleine die ganze antike Kunit {treng waltendes Gefetz, das Gefetz, 
auf der prächtigen Vafe von Ruvo III, I, auf welcher einerfeits Kapelle an der gefährlichen Umwendeflelle und das Gewirr der gegebene Bildfläche auszufüllen, zu manchen der Wirklichkeit Wll 
(links) eine Theater-probe, die Schaufpieler im Koüüm des Dionyfos, Wettfahrer, perfpektivifch zu vergegenwärtigen. In anderer Weife fprechenden Freiheiten. Man vergleiche, wie in dem Rundbild 
der Ariadne, der Satym u. a., andererfeits (rechts) das Götterpaar verfucht es der Verfertiger des Sarkophagreliefs XXXI, r Spina Arkefilasfchale LXVI, 5 der Kreisabfchnitt unter der Hauptfc 
felbil von feinem Thiafos umgeben dargeflellt ift. und Zufchauermenge zu verdeutlichen, wieder anders verfährt der ausgenutzt wird, wie die Handwerksgeräthe in den freien R2 
Man darf zur richtigen Würdigung der meiflen Bilder nicht Mofaicift XXXI, 2, welcher die Scenen der Arena nicht ungefchickt über den Figuren, um ihn nicht leer zu laffen, vertheilt werc 
vergeffen, dafs fie mit dem Mafsflab der hohen Kunft nicht gemeffen aus der Vogelperfpektive entwirft, das Gerüft der Zufchauertribüne häufig fo, dafs wir uns denken können, fie feien an der (nicht flt 
fein wollen, dafs fie aus den Händen von Handwerkern hervor- dagegen in direkter Anficht und ohne Rückficht auf das Hauptbild baren) Wand aufgehängt (z. B. LXXI, 4. 6. XV, 20. XXI, 3), i 
gegangen find und fich meift an rafch hergeflellten Gebrauchs- daneben ftellt. In den meiften Fällen kommt aufser den kärglichen unter aber auch völlig freifchwebend LXIX, 6. Bei Figuren  
gegenfländen befinden. Dafs die monumentale Kunft ihrer Dar- Darflellungsmitteln auch die Raumbefchränkung in Betracht. Die Reliefs aus Marmor konnte der Bildhauer durch Bemalung  
ftellungsmittel vollkommen Herr gewefen und z. B. auch die Vafengemälde, denen wir fo viel Auffchlüffe über das Privatleben der plaftifchen Fonnen nachhelfen, wovon üch vielfach die Spu 
Perfpektive meiüerlich zu handhaben wufste, dafs fie in Gemälden Griechen verdanken, fmd meift mit zwei Farben, fchwarz und roth, erhalten haben. In dem Grabrelief des Ariftion XXXIV, r i 
die fchwierigüen Aufgaben bewältigen und fpäterhin auch hiflorifche gemalt, wozu manchmal, aber nur ergänzungsweife, weifs, gelb, braun die noch fichtbaren Ornamente des Panzers nur aufgemalt. V 
Ereigniffe, Bilder aus dem Leben, Genrefcenen bis zum Still- oder violett zur Andeutung von Einzelheiten hinzukommen. Deshalb  fonders gut conferviit ift das polychrome Detail eines vatikanifcl 
leben herab mit voller Wirkungskraft der Farbe RßliefS aus TÖIIIiYChCT Zeiti Bauernhof LXIV, 
fchildern konnte, ifl durch fchriftliche Nachrichten Lediglich aus den Schwierigkeiten der Techi 
erwiefen, in einzelnen Fällen auch noch aus den     erklärt fich die flark abkürzende Darflellungswe 
Nachbildungen der dekorativen Wandmalerei er-  [ß     einer Gattung von Glasvafenbildern, welche r 
hchthch Eine Vorßehuhg von den Schlachten-     [t    Beifpiel auf Tafel LXXII, 12 repräfentirt. Es  
bildern der helleniflifchen Kunit geben die p0m-  e" Ä "ä     eine Anfieht der berühmten Bäderenlagen v 
pejanifchen Bilder XLVII, 1. 2, fchon idealer  i"   "l  4 il arfß:   Beiee gegeben werden, aber der Verfertiger i 
erfafst war das Vorbild des berühmten Alexander-          Vß-fe begnügt flCh mit lauter VQIÖCIS-Ilüßhti 
mofaiks XXXVIH, 2, gefchickt entworfen ift die         f  welche perfpektivifch umzudenken dem Lai 
Anücht eines griechifchen Landgutes, denen vor  u.   x     nicht leicht fein wird. Wir follen links das gTo 
bild etwa in der Umgebung Alexandriens zu  h).    Kurhaus auf Pfahlwerk in der See ftehend, üb 
fuchen war. Von folchen Bildern ftechen andere   _       wölbt und mit freiem, umgittertem Raum dav 
durch das Ungefchick der Zeichnung und oft   (j      dann die vom Lande hinüberführende Brüc 
auch durch fehlerhafte Perfpektive ab, ja Dar- xi  l'    mit mehreren Triumphhögen und Ehrenfgu] 
ilellungen der älteren Kunft und der Vafenmalerei '  n,  "i"   "fix   '75 erkennen, die Beifchriften fuchen das Verfiändn 
überhaupt erfcheinen ftets nur filhouettenartig oder, 1    qj-"f-a   i",     zu erleichtern. Beffer gezeichnet, nur in den Höhe 
wenn fie V0rder- und I-Iintergrimd andeuten wollen,  4;"        verhältniffen verunglückt, ift das palatinifche War 
behelfen fie iich mit Uebereinanderftellung der       bild LIV, 3, welches eine römifche Strafsenanfir 
Figuren (Satyrfpielvafe aus Ruvo III, i). äu    wiedergiebt. Rein phantaftifch und nicht C 
demfelben Auskimftsmittel greift häufig auch ie a i" b Wirklichkeit nachgebildet, ift die Architektur 
römifche Reliefbildnerei und manches Bild wirkt Vign, 3a und b. Terrakottamaske aus Corrieto. Mon. dell' Inst. XI, 1a. 1. dem Wandgemälde LIV, 2. 
 
Theaterwesen. 
llVierelzr, Theatergebäude und Denkmäler des Biihnenwefens bei den Griechen 
und Römern, Göttingen, 1851, 
H. Dierks, de tragicorum histrionum habitu scaenico apud Graecos. Gött. 1883. 
Das Schaufpiel ift in Griechenland, wie fpäter wieder im 
chrifilichen Mittelalter, eine religiöfe Inflitution, es ill aus der 
Feflfeier des Dionyfoskultus hervorgegangen und verdankt dem 
Zufammenhange mit demfelben nicht nur die Weihe der Tragödie, 
fondern auch den ofiiciellen, öffentlichen Charakter feiner Auf- 
führungen. Als Theil der religiöfen Fefte verfammelt das Schau- 
fpiel das ganze Volk (nur der Zutritt der Frauen war theilweife 
befchränkt) und befchäftigt es meift von früh an bis zum Abend, 
oft mehrere Tage hinter einander. Daher erhalten die Theater nicht 
felten eine fehri beträchtliche Gröfse mit ganz bedeutenden Seh- 
weiten (II, 4); iie find unbedeckt, um das Tageslicht nicht abzu- 
halten, oder nur durch bewegliche Vorhänge, durch über den 
Zufchauerraum ausgefpannte Zeltdächer vor Sonnenglut und plötz- 
lichem Regen gefchützt. Das Theatergebäude beiteht aus drei 
Theilen: dem halbkreisförmigen Zufchauerraum, dem eigentlichen 
Theatron (xoiÄov, cavea), dann aus dem Bühnenaufbatr und drittens 
aus der zwifchen beiden befindlichen Orcheftra mit der Thymele, 
dem Dionysosaltar, in der Mitten. Vergl. die reflaurirte Anfic 
des Theaters zu Segefta I, r und 3, welches in griechifcher Z4 
errichtet ift (mit Spuren eines Umbaues in rörnifcher Zeit). E 
Bühne befleht aus der Scenenwand (dmgvrri) mit feller Decoratic 
die meift als Palailfagade mehrilöckig und reich ausgeftattet 
(II, r. 5. I, 1), aus den vertretenden Seitenwänden (nagvwxrjvz, 
und dem fchmalen, davor beündlichen, gediehen Raum, auf de 
die Schaufpieler agiren (ngodniyvzov, Äoysiov). Mit dem Aufkomm 
der Mimen und ähnlicher Spiele vergröfserte {ich diefer Bühne 
raum auf Koflen der Orcheflra. Auch rückten in römifcher Z1 
(von anderen Aenderungen abgefehen) die Sitzreihen des Publikur
        

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