Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702268
Kultus. 
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(13, 3). Oft reichte der ursprüngliche, für solche Zeichen 
frommer Gesinnung bestimmte Raum nicht aus, um die 
Gaben zu fassen, die von allen Seiten zuströmten. An 
den von allen Griechen hochverehrten Kultplätzen von 
Delphi und Olympia errichteten einzelne Städte beson- 
dere Gebäude zur Aufnahme von Weihgeschenken, die 
von ihren Bürgern dorthin gestiftet wurden  und 
in Athen bildeten die ehernen Dreifüfse, die von den 
Siegern in musischen Wettkämpfen dem Dionysos geweiht 
waren, mit ihren kostbaren Unterbauten eine eigene 
Strafse (vgl. Taf. 25). Auch die Tempelgebäude selbst 
und die heiligen Bezirke, in denen sie stehen, sind zu 
einem nicht geringen Teile aus Anlafs eines bestimmten 
glücklichen Ereignisses als Dankesgaben von dem Stifter 
geweiht worden.  
Eine Mittelstellung zwischen dem Gebete und dem 
Weihgeschenke nimmt die wichtigste Form der Gottesver- 
ehrung, das Opfer, ein, insofern es bald zur Bekräftigung 
einer Bitte dargebracht wird, bald aber auch der Ausdruck 
einer dankbaren Gesinnung ist. Was im Opfer der Gott- 
heit dargeboten wird, ist nicht, wie das Weihgeschenk, 
zu dauerndem Besitze, sondern zu einem vorübergehen- 
den Genusse bestimmt. Deshalb wird es auf dem Feuer 
des Altars oder des heiligen Herdes verbrannt, denn die 
Kraft der Lohe allein vermag die Opfergabe den Göttern 
des Olymps zu vermitteln, denen der aufwirbelnde Opfer- 
duft als das äufsere Zeichen menschlicher Verehrung will- 
kommen ist. Bei Trankopfern ist es jedoch erlaubt, wenn 
das Ausgiefsen auf das geweihte Feuer aus irgend welchen 
Gründen unthunlich ist, die zu spendende Flüssigkeit auf 
den Erdboden Hiefsen zu lassen, auch wenn sie für die 
Götter des Himmels bestimmt ist, während sonst alle 
Darbringungen, die man der Erde anvertraut, als den 
unterirdischen Gottheiten geweiht betrachtet werden.
        

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