Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702234
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Kultus. 
der Kult der guten Geister der Kreuzwege, seitdem mit 
der Abnahme der Sefshaftigkeit der Bevölkerung das 
Band nachbarlicher Freundschaft geschwunden war, mehr 
und mehr vernachlässigt "wurde und sicher in völlige 
Vergessenheit geraten wäre, wenn er nicht durch kaiser- 
liche Verordnungen eine künstliche Auffrischung erfahren 
hätte. 
Was nun die Formen betrifft, in denen der Mensch 
der Gottheit seine Verehrung erweist, so ist die des 
stillen oder lauten Gebetes zugleich die einfachste und 
die häufigste. Am frühen Morgen, am Abend und bei 
der Hauptmahlzeit wurde es von den Frommen regel- 
mäfsig geübt, und die religiösen Feste, sowie die Wechsel- 
fälle des eigenen Schicksals gaben ja auch aufserdem 
mannigfaltige Veranlassung, auf diesem Wege zur Gott- 
heit in Beziehung zu treten. Der Andächtige spricht die 
Worte des Gebetes in aufgerichteter Stellung, indem er 
den Blick und die Hände nach der Richtung Wendet, 
WO er den Sitz der Gottheit vermutet. So hebt er die 
Arme hoch empor, wenn er zu den Göttern des Olymp 
betet (vgl. 20,1), Während er sie nach vorwärts streckt, 
wenn er sich an einen Gott des Meeres Wendet. Die 
innere Handfläche ist im ersteren Falle in der Regel 
nach oben gekehrt, als wollte der Bittende eine aus dem 
Reiche der Götter herabkommende Gabe entgegennehmen. 
Indes war dies keine vom Ritus vorgeschriebene Haltung, 
vielmehr drücken die Hände auch beim Gebet mit der 
lebendigen Gebärdensprache, die dem Südländer eigen 
ist, eben die Empfindung aus, welche gerade das Herz 
des Andächtigen bewegt  Ein Falten der Hände 
jedoch War im Altertume bei keinerlei Fdrm der Gottes- 
verehrung üblich, vielmehr schrieb man dieser Gebärde 
eine üble Vorbedeutung zu, insofern sie als das Zeichen 
eines gehemmten Erfolges oder Fortschrittes angesehen
        

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