Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702210
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Kultus. 
im Tempel der Vesta zu hüten haben, wie die Bürgersfrau 
das Herdfeuer des Hauses. Im Anklange an den alten 
Farnilienkult bereiten sie zu Opferzwecken die einfachsten 
Nahrungsmittel. Sobald sie vom obersten Priester für ihr 
Amt bestimmt sind, scheiden sie von dem bürgerlichen 
Leben aus, um sich ganz dem Dienste des Staatsherdes 
zu widmen. Sie leben in klösterlicher Abgeschlossenheit 
und dürfen sich nicht verehelichen, denn durch ihren 
Beruf gehören sie gewissermafsen bereits dem Stande der 
Hausfrauen an; weshalb sie denn auch die äufseren Ab- 
zeichen der jungen römischen Hausfrau tragen (19, 10-12). 
In der Gestaltung des Hausgottesdienstes im 
engeren Sinne fand die Innerlichkeit und strenge Ge- 
schlossenheit des römischen Familienlebens ihren schärf- 
sten 
Ausdruck. 
Zwar 
fehlte 
ES 
auch 
in 
den 
Räumen 
des griechischen Privathauses nicht an Altären und Ka- 
pellen, welche die Mitglieder der Familie zu gemein- 
samen Opfern vereinigten, indem der Hausherr als Priester 
die gottesdienstliche Handlung leitete. Aber die Götter, 
denen diese Verehrung galt, Waren, wenn wir von der 
auch in Italien angebeteten Göttin des Herdfeuers ab- 
sehen, entweder die allgemeinen Volksgottheiten, die 
nur durch besondere Beinamen in Beziehung zu Haus 
und Familie gesetzt wurden, wie es denn einen Zeus 
des Hofes, einen Zeus des Herdes, einen Zeus des Be- 
sitztums und wenigstens in Athen einen Apollo als 
Schutzgott des Geschlechtes gab. Oder aber es waren 
Götter, welchen der Besitzer des Hauses, weil sie schon 
Schutzgeister seiner Ahnen gewesen, oder auf Grund 
seiner Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft oder 
auch infolge persönlicher Schicksale besondere Ver- 
ehrung schuldig zu sein glaubte. Diesen Hausgottheiteu 
im weiteren Sinne entsprachen die Penaten des ita- 
lischen Hauses. Daneben aber bildete die das streng ge-
        

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