Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702151
80 
Kultus. 
nicht aus den Augen. So durfte bei Schnitzbildern das 
Holz nur einer Baumgattung entnommen werden, die in 
einer gewissen Beziehung zur Gottheit stand. Der Aphro- 
dite fertigte man Bilder aus Myrtenholz, dem Dionysos aus 
Feigenholz. Als einen Rest aus der Übergangszeit vom 
rohen Stein- oder Holzsymbol zur ausgebildeten Statue 
haben wir vielleicht die zu allen Zeiten, insbesondere für 
Hermes selbst und für Dionysos üblich gebliebene so- 
genannte Hermenform des Götterbildes zu betrachten 
(13,7,8; 16, 8). Diese Form eignete sich infolge des 
geradlinigen Abschlusses vorzüglich für eine Aufstellung 
in architektonischer Umgebung und mufste sich ander- 
seits bei dem massenhaften Verbrauche von Bildern gerade 
dieser beiden Gottheiten behufs Aufstellung in Strafsen 
und Fluren auch durch die einfache Art ihrer Herstellung 
empfehlen. 
Für das Bild wurde, falls es nicht ganz frei stehen 
sollte, im Laufe der Zeit als Wohnhaus der Tempel 
geschaffen. Dieser war selbst keineswegs ein notwen- 
diger Bestandteil eines heiligen Bezirkes (12, 11); aber 
wo er vorhanden War, hatte er ausschliefslich die Be- 
stimmung, das Kultusbild in sich aufzunehmen. Ein 
Tempel ohne Götterbild war nach griechischer Religions- 
anschauung ein Unding. Als Versammlungsort der Ge- 
meinde sind zu keiner Zeit die Tempel benutzt worden. 
Wäre dies ihre Bestimmung gewesen, so hätten sie in 
gröfseren Ortschaften für eine ungeheure Volksmasse Raum 
bieten müssen, da die heiligen Feste der Alten nicht 
einen allgemeinen religiösen Charakter trugen, der es dem 
Volke erlaubt hätte, sich in die verschiedenen Tempel der 
Stadt zu zerstreuen, sondern immer nur einem bestimm- 
ten Gotte galten und deshalb in einem einzigen Heilig- 
tume gefeiert wurden. Der Tempel bestand in der Regel 
aus dem einfachen länglich-viereckigen Raume der Cella,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.