Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702142
Kultus. 
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heiligen Stätten gegenwärtig zu wissen. Dagegen ver- 
mochte die Religion der nüchternen Römer ihren wesen- 
losen Gottesbegriffen ebenso Wenig durch mythische Er- 
zählungen wie durch bildliche Darstellungen einen rei- 
Cheren Inhalt zu geben; erst als unter Begünstigung der 
Wahrscheinlich selbst aus Griechenland stammenden Tar- 
quinier die religiösen Vorstellungen dieses Landes in 
Rom eindrangen, belebten sich auch die Tempel mancher 
römischen Gottheit mit Kultusbildern. 
Die im Orient heimische Anbetung heiliger Steine, 
der sogenannten Baetylia(Beth-el, die Wohnung des Gottes, 
Flennt in der Genesis Jakob den Stein, auf dem er ruht, 
als er die Himmelsleiter sieht), die meist als vom Him- 
mel gefallen angesehen wurden, waren auch dem grie- 
Chischen Kulte nicht völlig fremd. Hier und da wurden 
sie sogar in Tempeln verehrt und pflegten, ohne dal's 
man ihre rohe, meist konische Eorm änderte, die Stelle 
des Götterbildes zu vertreten (11,12). Viel häufiger 
aber begegnen uns aus dem Holze heiliger Bäume ge- 
bildete göttliche Symbole. War nämlich ein solcher 
Baum verdorrt oder auf andere Weise zu Grunde ge- 
gangen, so pflegte man einen Pfahl, einen Balken oder 
ein Brett aus seinem Holze zu schnitzen und auf diesen 
Rest die Verehrung zu übertragen. Je älter nun ein der- 
artiges Kultobjekt War, um so mehr scheute man sich, 
durch gewaltsame Umgestaltung desselben seinen heiligen 
Charakter zu schädigen. So wurde man denn dem Be- 
dürfnisse, ein in idealeren Formen gehaltenes Götterbild 
ZU besitzen, in der Weise gerecht, dafs man durch blofse 
Zusätze und Umhüllung mit Gewändern die ursprüng- 
liche Form der menschlichen Gestalt näherte (11, 5411; 
14, 8). In den Fällen, in Welchen kein überlieferter 
Kultgegenstand die Freiheit der Formgebung beschränkte, 
liefs man doch die Rücksicht auf das Material des Bildes
        

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