Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702116
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Kultus. 
Während Freidenkerei nur dann einer Verfolgung aus- 
gesetzt war, wenn sie sich bis zur Bekämpfung des be- 
stehenden Göttelsystems überhaupt verstieg und somit 
in ihren Folgen auch zur Aufhebung der Götterverehrung 
führen mufste. Betrachtete es der Staat als seine unab- 
weisbare Pflicht, für Aufrechterhaltung der Kultusge- 
bräuche im allgemeinen zu sorgen, so War es Aufgabe 
der Priester, deren Würde vielfach mit der Kenntnis 
der ungeschriebenen Kultsatzungen in einzelnen Familien 
erblich war, die Beobachtung aller besonderen Zere- 
monien, wie sie für den Dienst der verschiedenen Gott- 
heiten in Geltung waren, zu überwachen. 
Die Verehrung des Gottes war in der Regel an einen 
bestimmten Ort gebunden. Zwar konnte der An- 
dächtige die Hände zum Gebet erheben oder auch ein 
Opfer darbringen, wo ihn immer das Bedürfnis überkam, 
der Gottheit nahe zu treten. Denn der Glaube an die 
Allgegenwart der Götter war den Alten keineswegs völlig 
fremd. Aber sobald die Verehrung eine feierlichere Form 
annehmen sollte, entstand von selbst die Forderung, einen 
Ort aufzusuchen, an welchem die Gegenwart des Gottes 
in besonderer Weise zu haften schien. Dies war bald ein 
Gegenstand der Natur, in welchem sich göttliches Walten 
sichtbar zeigte, bald ein Stück Landes, welches das Volk 
aus dem Gemeindegute als dauernden Besitz wie als Wohn- 
Stätte für die Gottheit in derselben Weise ausgeschieden 
hatte, wie es dem Fürsten ein Krongut, ein Temenos, 
überwies. 
In allem, was die Natur an schönen und erhabenen 
Erscheinungen dem menschlichen Auge darbot, war der 
fromme Sinn der Alten, insbesondere der der phantasie- 
reichen Griechen geneigt, göttliches Walten zu erkennen 
und zu verehren. So schien ihm die ganze Natur mit 
anbetungswürdigen Gebilden belebt. Das Meer, Seen,
        

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