Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701890
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Musik. 
wurden, errang sich das Flötenspiel einen Platz. Die 
Reihenfolge der musischen Vorführungen war in der 
Regel bei diesen Festen folgende. Voran gingen 
epische Vorträge, dann folgte Kitharaspiel mit und ohne 
Gesang, sodann Flötenspiel ebenfalls in dieser doppelten 
Form. Hieran schlossen sich, von der Flöte begleitet, 
Chorgesänge und endlich auch dramatische Aufführungen. 
Diese Reihenfolge der Vorführungen ist um deswillen 
nicht ohne Interesse, Weil sie, soweit wir dies verfolgen 
können, durchaus der geschichtlichen Entwickelung der 
einzelnen Kunstgattungen entsprach. Im wesentlichen 
blieb die Ordnung bis in die ersten nachchristlichen 
Jahrhunderte hinein dieselbe. Aber bei den Festen der 
Böotier begegnen wir einer bedeutungsvollen Abweichung, 
insofern, entsprechend der grofsen Vorliebe dieses Volkes 
für das Flötenspiel, bei ihnen die Vorträge auf diesem 
Instrumente denen auf der Kithara vorangingen. 
Was den profanen Gebrauch der Flöte betrifft, so 
finden wir sie bei Kampfesübungen (24, 2), Tänzen (78,7) 
und Gelagen (15, I; 16,7; 76, 2 u. a). Aber auch bei 
der Leichenfeier (94, 4, 5; 109, 8) ertönten ihre aufregen- 
den Klänge; denn die Griechen pflegten durch leiden- 
schaftliche Äufserungen der Klage ihren Schmerz zu be- 
schwichtigen. 
Trotzdem die Flötenmusik ein so ausgedehntes Ge- 
biet im Leben der Griechen besetzt hatte, blieb sich 
doch insbesondere der feinfühlende Athener des fremd- 
artigen, unhellenischen Charakters derselben bewufst. 
Die Erzählungen von der Erfindung der Flöte durch 
Athena, die ihr eigenes Werk verabscheut und Weg- 
Wirft, Während ein Satyr es aufhebt, sowie der Mythos 
von Marsyas, jenem Dämon des Flötenspieles, der es 
wagte, mit Apollo einen musischen Wettkampf zu unter- 
nehmen, von dem Gotte aber besiegt wurde und eines
        

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