Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701613
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Theaterwesexx. 
das gesprochene Wort den Zuhörern vermittelt wurde, 
das Gebärdenspiel aber infolge des eigentümlichen tra- 
gischen Kostüms auf einen geringen Spielraum beschränkt 
war, so dafs es nur durch sehr mafsvolle Bewegungen 
der Arme und Hände ausgeführt werden konnte (4, 9; 
6, 1, z, 4, 5), mufste im Gegenteil der komische Schau- 
spieler auf eine lebendige, Wirkungsvolle Aktion des 
ganzen Körpers bedacht sein. Als Ersatz für das Mienen- 
spiel trat hier insbesondere ein sehr scharf ausgeprägtes 
lebhaftes Fingerspiel ein (3, 5_7; 6, 3, 6). Diese Ver- 
schiedenheit in den Aufgaben hat dazu beigetragen, dafs 
man im griechischen Altertume den Beruf des tragischen 
und den des komischen Schauspielers streng schied. 
Eine Verwendung desselben Darstellers für tragische und 
komische Rollen fand in den besseren Zeiten überhaupt 
nicht, in den späteren nur äufserst selten statt. 
In der ältesten Zeit war der Dichter zugleich Kom- 
ponist, Schauspieler und Regisseur seiner Stücke. So- 
phokles brach zuerst mit dieser Sitte, indem er wegen 
seiner geringen Stimmmittel in seinen Dramen in der 
Regel nicht mehr selbst auftrat, sondern es vorzog, sämt- 
liche Rollen Berufsschauspielern zu überlassen. Dieser 
Vorgang fand allgemeine Nachfolge, so dafs sich in 
der Folgezeit nur noch vereinzelt Dichter entschlossen, 
ihre Schöpfungen selbst auf der Bühne zur Darstellung 
zu bringen. Aber immer noch blieb das Verhältnis 
zwischen Dichtern und Schauspielern ein engeres, insofern 
jeder Dichter sich seine eigenen Darsteller heranzubilden 
bemüht war, die sich in seine Dichtungsweise möglichst 
hineinleben und vorzugsweise in seinen Dramen auf- 
treten sollten. Sophokles ging sogar so weit, dafs er 
die Rollen seiner Stücke der besondern Begabung seiner 
Schauspieler anpafste. In der Zeit des Unterganges der 
griechischen Freiheit, als die dichterische Schöpfungs-
        

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