Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701607
Theaterwesen. 
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sprechend in bezug auf die Ausstattung der Schauspieler 
im allgemeinen nur wenig von der Tracht des alltäg- 
lichen Lebens (3,  
Die Anforderungen, die an die Leistungen der grie- 
Chischen Schauspieler gestellt wurden, waren keine ge- 
ringen. lm tragischen Wettkampfe standen für die sämt- 
lichen Rollen von vier unmittelbar aufeinander folgenden 
Dramen nur drei Schauspieler zur Verfügung. Es erforderte 
also schon eine grofse physische Anstrengung, die ver- 
schiedenartigen Rollen ohne körperliche Erschlaffung bis 
Zu Ende durchzuführen. Dazu wurden die Spieler durch 
keinen Souffleur unterstützt. Das Gedächtnis mufs bei 
manchen Schauspielern infolge der beständigen Übung 
in erstaunlichem Grade entwickelt gewesen sein. Hören 
wir doch von einem gewissen Polos, dass er es kurz 
vor Seinem Tode fertig brachte, innerhalb vier Tagen 
nicht weniger als acht Dramen auswendig zu lernen. 
Die Anforderungen, welche man an die Leistungsfähigkeit 
des Stirnmorganes stellen mufste, sind schon oben be- 
rührt worden. Die griechischen Zuhörer waren keine 
nachsichtigen Kritiker: das geringste Versehen in der 
Aussprache zog den unbarmherzigsten Spott nach sich. 
Dazu mufste der Darsteller die Fähigkeiten des Schauspielers 
und des Sängers in sich vereinigen, da ihm, Wenigstens 
im griechischen Theater, zuweilen auch der Vortrag von 
Einzelliedern oblag. Die Hauptsache aberßblieb natürlich 
die geistige Durchdringung der übernommenen Rollen. 
Wie ernst es die Schauspieler mit dieser Seite ihrer Auf; 
gabe nahmen, erhellt aus der bekannten Thatsache, dafs 
Sogar Staatsmänner bei Schauspielern in die Schulegingen, 
um sich im rednerischen Vortrage zu bilden. 
Etwas anders als die Aufgabe des tragischen Schau- 
Spielers gestaltete sich die des komischen. Während 
das Verständnis der Tragödie fast ausschliefslich durch
        

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