Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701561
Theaterwesen. 
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besondere ein Wechsel des Gesichtsausdruckes der Spie- 
lenden mufste so gut wie unbemerkt bleiben, auch wo 
die Verhältnisse nicht so ungünstig waren wie im athe- 
nischen Dionysostheater, dessen Zuschauerraum nach 
Süden geöffnet war, so dafs das Publikum vom Sonnen- 
licht geblendet wurde, Während die Bühne im Schatten lag. 
Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, wenn die 
griechische Schauspielkunst von vornherein darauf ver- 
zichtete, auch durch das Mittel des Mienenspieles auf die 
Zuschauer zu wirken, und sich nicht scheute, die aus der 
Faschingslustbarkeit des Dionysoskultes iiberkommene 
Sitte, die Gesichter der Mitwirkenden zu entstellen oder 
zu verhiillen, auch in der Folgezeit für Spieler und 
Choreuten beizubehalten. Auch schien es dem religiösen 
Charakter des Festes angemessen, dass die Persönlichkeit 
des Mitwirkenden vollständig hinter der Aufgabe, die er zu 
Ehren der Gottheit zu lösen hatte, zurücktrat. Besser noch 
als durch blofse Bemalung oder Verhüllung des Gesichtes 
wurde dieser Zweck durch die Einführung der Masken 
erreicht. S0 gewann man zugleich den praktischen Vor- 
teil, ohne von den individuellen Gesichtszügen des Schau- 
spielers abhängig zu sein, für die Tragödie durch Künstler- 
hand Idealportraits fertigen lassen zu können, Welche voll- 
ständig dem Charakter der darzustellenden Heldenrollen 
entsprachen, während die Komödie anderseits ihrer Nei- 
gung, Karikaturen zu schaffen, auch in bezug auf die 
iiufsere Erscheinung der Personen schrankenlos fröhnen 
 4,8; 5, 2), oder auch, wenn es galt Lebende zu 
verspotten, diese mit vollendeter Portraitähnlichkeit auf 
die Bühne bringen konnte. Die starren Übertreibungen 
von tragischem Ernste  5, 3) und die komischen 
Verzerrungen (5, 5), welche der Gesichtsausdruck der 
Masken zu zeigen pflegt, sind offenbar auf die Wirkung 
in die Ferne berechnet. Übrigens verwendete man zu-
        

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