Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1703998
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Städtebau. 
schwunden, und von den einst blühenden Städten findet 
der moderne Reisende als Reste der ehemaligen Pracht 
an geschlossenen Gebäuden fast nur Tempelbauten vor, 
ein unvergängliches Zeugnis für die Frömmigkeit des 
Volkes, Welches das Beste, was es besafs und vermochte, 
den Göttern vorzubehalten pflegte. 
Sicher war das griechische Bürgerhaus der klassischen 
Zeit nur von geringer Ausdehnung, denn der Bauplatz 
War in den Städten des Altertums durch dieselben Ver- 
hältnisse beschränkt wie in denen des Mittelalters. Nicht 
nur die von den Barbaren drohende Gefahr, sondern 
auch unaufhörliche Fehden, Welche die griechischen Ge- 
meinden untereinander ausfochten, mufsten dazu führen, 
die Städte durch starke Mauern zu befestigen. Damit 
aber wurde um den bewohnbaren Raum ein Ring gezogen, 
der auch bei zunehmender Bevölkerung nicht leicht er- 
weitert werden konnte und eine sparsame Ausnutzung 
des Platzes um so mehr zur Pflicht machte, als man 
eine Erhöhung der Gebäude über das erste Obergeschofs 
hinaus verschmähtei Privatgärten rnufsten entweder völlig 
aus der Stadt Weichen oder doch auf eine geringe Aus- 
dehnung beschränkt werden. Von öffentlichen Gärten 
oder Anlagen hören wir wenigstens in der älteren Zeit 
gar nichts. Auch war kein Raum für freistehende Bürger- 
häuser vorhanden. Die dicht aneinander gedrängten Ge- 
bäude konnten nur durch Scheidemauern getrennt werden. 
Um mehr Wohnräume zu gewinnen, erweiterte man zu- 
weilen das obere Geschofs durch Vorbau nach der Strafse 
zu, ein Verfahren, welches bereits im 6. Jahrh. in Athen 
so sehr überhand nahm, dafs Hippias, der Sohn des 
Pisistratus, es für angezeigt hielt, diese Überbauten ebenso 
wie die nach aufsen sich öffnenden Hausthüren, die offen- 
bar den Verkehr auf den Strafsen nicht wenig belästigten, 
mit einer Steuer zu belegen.
        

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