Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702418
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Kultus. 
älteste unter allen uns bekannten Tempeln des grie- 
chischen Festlandes. Wie der von Peisistratos auf der 
athenischen Akropolis erbaute Tempel der Stadtgöttin 
ruht er nur auf einer einzigen Unterstufe, während die 
meisten anderen griechischen Tempel deren drei haben. 
Auch die grofse Ausdehnung der Langseiten im Ver- 
hältnis zu den Schmalseiten ist charakteristisch für den 
ältesten Tempelbau. Die allergröfste Bedeutung aber für 
die Geschichte des griechischen Tempelbaues hat das 
Heraion dadurch gewonnen, dafs sich an ihm der Über- 
gang vom Holzbau zum Steinbau nachweisen läfst. Ur- 
sprünglich nämlich waren sowohl sämtliche Säulen als 
auch das von ihnen getragene Gebälk aus Holz ge- 
arbeitet. Während das hölzerne Gebälk dem Gebäude 
bis zum Untergange von Olympia verblieb, ersetzte man 
die schadhaft gewordenen Säulen im Laufe der Zeit durch 
steinerne. Diese Umwandlung begann vielleicht schon 
ein oder zwei Jahrhunderte nach der Erbauung des Tempels, 
war aber im 2. nachchristlichen Jahrhundert noch nicht 
vollendet; denn als in dieser Zeit der Reiseschriftsteller 
Pausanias Olympia besuchte, fand er im Hinterhause 
noch eine Säule aus Eichenholz vor. Endlich ist in 
architektonischer Beziehung zu beachten, dafs die Gliede- 
rung der Tempelcella durch zwei Säulenreihen erst einer 
späteren Zeit angehört, Während ursprünglich dieser Raum, 
wie der Grundrifs andeutet, durch kurze vorspringende 
Mauern in eine Reihe von Wandnischen geteilt war. 
Auch dies ist ein Zeichen grofser Altertümlichkeit. Von der 
Dachbildung des Tempels ist 52, 11 eine Darstellung 
gegeben. Unter den Weihgeschenken, die das Heraion 
barg, befand sich auch der bekannte Hermes des Praxi- 
teles, das kostbare, durch die deutschen Ausgrabungen 
wieder ans Licht gezogene Meisterwerk griechischer Pla- 
stik.  Gewifs hat schon vor der Erbauung des Heraions
        

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