Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702326
Kultus. 
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ehrung, Gebet, Weihgeschenk und Opfer, begegnen uns 
schon im frühen Altertume andere, welche teils auf dem 
Bestreben beruhen, tiefer in das Geheimnis der Bezieh- 
ungen des Menschen zur Gottheit einzudringen, teils auch 
auf dem Bewufstsein menschlicher Sündenschuld, welche 
durch die herkömmlichen Mittel des Kultus keine das 
Gewissen befreiende Sühnung finden konnte, teils end- 
lich auf der Sehnsucht, über das Fortleben nach dem 
Tode beruhigende Gewifsheit zu erlangen. Die Befrie- 
digung dieser ernsteren religiösen Bedürfnisse wurde in 
gewissen Geheimdiensten gesucht, zu welchen unter ge- 
heimnisvollen Formen sich vollziehende Weihen, Rei- 
nigungen und Kasteiungen den Zugang eröffneten. 
Unter diesen Geheimdiensten genossen das gröfste 
Ansehen die in das Gebäude der attischen Staatsreligion 
eingefügten eleusinischen Mysterien, welche an die Sage 
von der in die Unterwelt entrückten und dann wieder 
an das Licht des Tages zurückkehrenden Tochter der 
Demeter anknüpfen (14, 2). Die Trauer der G'öttin über 
die verlorene und die darauf folgende Freude über die 
wiedergefundene Tochter, das Leben der letzteren im 
Hades und dann wieder im Olymp, sowie die Aussen- 
dung des Triptolemos, der die Kenntnis des Ackerbaues 
und damit die Keime edler Gesittung über die Welt 
verbreitete, waren Momente dieser Sage, die sich wohl 
dazu eigneten, zu tieferem Nachdenkenüber das Walten 
der Götter und die Schicksale der Menschheit anzuregen. 
Über die Einzelheiten des eleusinischen Geheimdienstes 
sind wir nur ungenügend unterrichtet, denn es liegt in 
der Natur der Sache, dafs von Gebräuchen, welche_ 
selbst den Nichtgeweihten unter den Zeitgenossen nur 
oberflächlich bekannt waren, kein zusammenhängendes 
Bild auf die Nachwelt kommen konnte. Für uns mag 
es genügen, festzustellen, dal's es sich bei dieser Feier 
Bernhardi, Textbuch zu Schreibers Bilcleratlas. 7
        

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